«Poaaah.» Florina, 5, steht am Geländer des «Rhystärn», Panoramadeck, schaut gebannt in die Tiefe, zupft den Vater an den Hosen, etwas ungestüm, wie es scheint, zeigt mit der rechten Hand flussaufwärts. Und nochmals: «Poaaah.»

Das «Poaaah» hat zwei Gründe. Und eine Ursache. Der eine Grund ist das Rheinrettungsboot der Feuerwehr Rheinfelden, das den «Rhystärn» seit einigen Minuten auf seiner Fahrt nach Rheinfelden begleitet – beflaggt, mit Blaulicht und eifrig winkender Mannschaft. Der andere ist die dreistrahlige Wasserfontäne, die Mitglieder der Feuerwehr beim Rheinfelder «Inseli» in die Luft zeichnen. Ein 1.-August-Wasserfeuerwerk, wenn man so will.

Dies alles, und das ist die Ursache, für den «Rhystärn», das neue Flaggschiff der Basler Personenschifffahrtsgesellschaft (BPG). Dieses nahm am Mittwoch seine erste offizielle Passagierfahrt von Basel nach Rheinfelden unter den Kiel.

Der «Rhystärn» auf Jungfernfahrt

Der «Rhystärn» auf Jungernfahrt.

Der «Rhystärn». 69,9 Meter lang, 11,4 Meter breit, 550 Tonnen schwer, bis zu 24 km/h schnell. 600 Personen haben auf dem Schiff Platz, 250 davon auf dem Panoramadeck. Am Mittwoch, bei der Premiere, sind die Plätze auf dem Innendeck fast besser besetzt. Dieses ist klimatisiert – und bieten dank Panoramafenster einen einzigartigen Ausblick.

Eben: Poaaah. Oder wie es Stadtammann Franco Mazzi, der zusammen mit den Stadträten Hans Gloor und Dominik Burkhardt bei der Premierenfahrt mit dabei war, etwas wortreicher formulierte: «Es ist ein ganz anderes Erlebnis als mit den anderen Schiffen. Dank den grossen Fensterfronten hat man das Gefühl, man sitze in einem Film.» Man erlebe die Gegend so aus einer ganz neuen Perspektive.

Die Regie führte am Mittwoch – neben Kapitän Florian Sulzer – BGP-Geschäftsführer Peter Stalder. Sein Gemütszustand glich, wenig verwunderlich, dem Wetter: strahlend. «Das Herz lacht», sagte er zur AZ. Nach 23 Jahren wieder ein neues Boot in die Flotte aufnehmen zu können, «macht mich stolz und ist eine Investition in die Zukunft».

Schiff kann nicht anlegen

Im Innendeck sitzt ein älteres Paar an einem Fenstertisch, beobachtet die Szenerie. Von den Alphornbläser, die für den «Rhystärn» am Ufer ein Ständchen geben, bekommen sie nichts mit. «Schau», sagt der Mann zu seiner Frau, während er ein Stück Fleisch auf die Gabel spiesst, «jetzt wendet das Schiff.» Und zwar, ohne in Rheinfelden anzulegen. «Das ist der Wermutstropfen am heutigen Tag», sagt Mazzi. «Aber die Natur können wir nicht beeinflussen.»

Die Natur, das ist in diesem Fall der Wasserstand des Rheins. Er ist derzeit so niedrig, dass der «Rhystärn» in Birsfelden und Rheinfelden nicht anlegen konnte. So früh im Jahr sei dies noch nie der Fall gewesen, sagt Stalder. Und vor allem: Die niedrigen Wasserstände häufen sich.

Sorgen um Anlegestelle

Das macht Stalder ebenso wie Mazzi für die Zukunft Sorgen. «Wenn es vermehrt Sommer wie diesen gibt, müssen wir uns überlegen, was wir mit der Anlegestelle machen», sagt Mazzi. Denn die Rheinschifffahrt ist für das Zähringerstädtchen eine wichtige Touristenattraktion. Pro Jahr steigen in Rheinfelden 25 000 Passagiere ein und aus.

Eine Lösung zu finden, dürfte indes nicht ganz einfach – und nicht ganz günstig – werden. Denn die Ursache ist eine rippenförmige Untiefe bei der Anfahrt zur Anlegestelle. Am Mittwoch war das Wasser dort nur gut 1,5 Meter tief; der «Rhystärn» mit einem Tiefgang von 1,55 Meter benötigt für eine sichere Fahrt eine Wassertiefe von rund zwei Metern, wie Kapitän Sulzer erklärt. Er sitzt, relaxt, in seinem Kommandosessel, hat alles im Blick – und im Griff. «Es ist eine ruhige Fahrt», sagt er. «Alles läuft gut und funktioniert einwandfrei.» Nun ja, fast alles: Die Klimaanlage auf der Kommandobrücke streikt, was sich in so manch einer Schweissperle manifestiert. Dafür surrt die Klimananlage in der Küche im Bauch des Schiffes. «Zum Glück», sagt ein Mitarbeiter. «Sonst wäre es hier gut und gerne 40 Grad», ergänzt Stalder.

Die erste Fahrt mit dem neuen Basler Flaggschiff «Rhystärn»

Die erste Fahrt mit dem neuen Basler Flaggschiff «Rhystärn» in Basel.

160 Essen hat die Crew auf der Jungfernfahrt rausgelassen. Der Koch strahlt, wie er sieht, dass alle Teller ratzeputz leer gegessen zurückkommen. Es scheint geschmeckt zu haben. Dem älteren Ehepaar am Fenstertisch sicher. Er – grau meliert, gestärktes Hemd, Buntfaltenhosen – befördert mit dem Messer gerade das letzte Salatblatt auf die Gabel, stutzt, schaut fragend hinaus. Die beiden Dieselmotoren, die je 330 kW Leistung bringen, heulen auf. Das Boot dreht sich wieder um 360 Grad. Diesmal aber nur, um in Kaiseraugst anzulegen.

Florina, das kleine «Poaaah»-Mädchen, steigt mit seinen Eltern aus, zupft wieder an den Hosen des Vaters, schaut hoch. «Fahren wir morgen wieder?»