Hier ein Selfie mit Weltmeister Peter Sagan, da ein Autogramm von Olympiasieger Greg van Avermaet, dort ein kurzer Schwatz mit Tour-de-Suisse-Leader Stefan Küng – die Radsport-Fans kommen am Dienstagmittag auf ihre Kosten. Gansingen, am Vorabend schon Zielort der dritten Etappe, ist Startort der vierten Etappe. Diese wird die Fahrer über die Staffelegg nach Aarau, später nach Zofingen und schliesslich bis nach Gstaad im Berner Oberland führen.

Die Velo-Prominenz ist dabei zum Anfassen nah. Schon weit über eine Stunde vor dem Rennen tummeln sich Dutzende Besucher im Startbereich. Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Unter den Besuchern sind viele Kinder in blauen Shirts und grünen Mützen. Es sind die Kindergarten- und Primarschulklassen aus dem Dorf. Sie dürfen sich den Mega-Event ganz aus der Nähe anschauen – und machen schon ordentlich Stimmung, als der Werbetross an ihnen vorbeifährt.

Einstudiertes Luftbild

«Wir haben uns in einer Projektwoche vorbereitet und unter anderem Fahnen gebastelt», sagt Kindergärtnerin Marina Mauro. «Die Vorfreude bei den Kindern war in den vergangenen Tagen schon riesig.»

Ein besonderes Highlight sei der grosse Auftritt am Montagnachmittag gewesen. Die Kindergarten- und Primarschulklassen studierten für die Zielankunft extra ein Luftbild ein: eine Gans auf einem Einrad. Sie wurde prompt live im Fernsehen übertragen. «Das Lehrerteam und die Kinder haben einen grossartigen Zusammenhalt gezeigt», sagt Mauro.

Je näher der Startschuss rückt, desto grösser wird das Gedränge hinter den Banden. Kein Wunder: Schon bald werden die Fahrer einer nach dem anderen auf die Bühne treten und sich dort offiziell für das Rennen eintragen. Der Weg zur Bühne führt dabei direkt vor den Zuschauern hindurch. «Es ist schön, die Fahrer mal von so nah zu sehen, wo man sie doch sonst nur aus dem Fernsehen kennt», sagt eine ältere Besucherin aus dem Nachbardorf Oberhofen.

Viel Applaus für die Schweizer

Bei der Vorstellung auf der Bühne erhalten die Schweizer den grössten Applaus – darunter Michael Albasini, Mathias Frank, Stefan Küng und natürlich Silvan Dillier, der Aargauer, der regelmässig in den Hügeln um Gansingen trainiert. Er gibt auf der Bühne ein kurzes Interview und freut sich über die grosse Unterstützung: «Es ist besonders schön, dass viele Bekannte und Freunde gekommen sind. Die persönlichen Anfeuerungsrufe helfen sehr, wenn es auf der Etappe hart wird.»

Dillier nimmt sich danach kurz Zeit, einige Freunde im Startraum zu begrüssen. Auch die anderen Velo-Stars zeigen sich nahbar. Weltmeister Peter Sagan schreibt minutenlang Autogramme, genauso Stefan Küng. Er setzt seine Unterschrift ausserdem auf ein gelbes Leadertrikot, das OK-Chef Emanuel Hüsler als Dank für seinen Einsatz geschenkt bekommt. Tour-Direktor Olivier Senn persönlich hält dafür den Rücken als Schreibunterlage hin.

Ammann mit wichtiger Aufgabe

Dann ist es auch schon soweit: Das Fahrerfeld reiht sich unter dem Startbogen auf. Die verbleibende Zeit bis zum Start wird über einen Lautsprecher minutenweise runtergezählt. Es ist auch der grosse Auftritt von Gemeindeammann Mario Hüsler. Ihm kommt die Ehre zu, das Rennen mit dem Startschuss freizugeben. Aufgeregt, angesichts dieser Verantwortung? Hüsler lacht. «Nein, aufgeregt waren wir in den Tagen vor dem Rennen. Aber jetzt kann nichts mehr schiefgehen.» Und damit liegt er richtig.

Ein Schuss, die Fahrer treten in die Pedale. Die Schüler lassen bunte Ballons in den Himmel steigen. Ein paar Sekunden vergehen, dann sind die Fahrer hinter der nächsten Hausecke verschwunden. Viele der Besucher machen sich auf den Heimweg. Zwei ältere Herren haben das Spektakel vom Balkon aus beobachtet. «Das war hübsch anzuschauen, aber jedes Jahr müsste ich das nicht haben», sagt einer von ihnen. Der andere nickt.