Seit Montag sind auf dem Gebiet der römischen Stadt August Raurica modernste Gerätschaften im Einsatz. Mit Magnetik und Radar sollen im Rahmen eines internationalen Projekts unsichtbare Strukturen im Erdinnern aufgespürt werden. Die Verantwortlichen erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über die römische Siedlung – etwa ihre räumliche Ausdehnung. Zustande gekommen ist die Kooperation zwischen den Verantwortlichen von Augusta Raurica, den Universitäten Basel, Bamberg (Deutschland) und Brno (Tschechien) sowie der Fachhochschule Nordwestschweiz über persönliche Kontakte, wie Projektleiter Urs Rosemann sagt. Während der Woche absolvieren Studenten ihr sogenanntes Geländepraktikum.

Am Montag und am Dienstag stand ein Team aus Tschechien mit dem Magnetometer im Einsatz. Noch bis zum Samstag führen Studenten unter der Leitung von Archäologe und Geophysiker Till Sonnemann von der Uni Bamberg Radarmessungen durch. «Der Magnetometer ist grossflächiger und kommt deshalb schneller voran», erklärt Sonnemann, weshalb das Magnetometer-Team bereits wieder abgereist ist. Sonnemann, der in seiner Doktorarbeit dank Radarmessungen einen unbekannten Tempel auf dem Gelände von Angkor Wat in Kambodscha entdeck hat, ist mit seinen Studenten mit dem Georadargerät unterwegs. Täglich untersuchen sie eine Fläche von rund einer halben Hektare. Gestern waren sie in unmittelbarer Nähe des Theaters in Augusta Raurica im Einsatz.

Rund zehn Kilometer marschiert Andreas Kreklau täglich mit dem Georadargerät.

Rund zehn Kilometer marschiert Andreas Kreklau täglich mit dem Georadargerät.

3D-Bild des Untergrunds

Das rund zehn Kilogramm schwere Georadar-Gerät ist mit einer 400-Megahertz-Antenne ausgestattet und sendet Radiowellen gut zwei Meter in den Boden. Diese werden an den verschiedenen Schichten reflektiert. Auf einem Bildschirm sehen die Forscher direkt bei der Vermessung die reflektierten Wellen und können so einerseits Mauern oder Strassen, aber auch Hohlräume erkennen und andererseits ermitteln wie tief im Boden sie sich befinden. Die Eckpunkte des vermessenen Geländes werden zudem in ein GPS-System eingemessen, sodass eine Lokalisierung möglich ist. «Am Ende ergibt sich ein dreidimensionales Bild des Untergrundes», erklärt Sonnemann.

Dies im Unterschied zu den Ergebnissen des Magnetometers, die nur zweidimensional sind. «Dafür wird dort die kleinste Veränderung im Magnetfeld gemessen», so Sonnemann. So könnten etwa Gruben oder Feuerstellen ausfindig gemacht werden.

Anhand der Wellen erkennen die Forscher oben in der Mitte eine Mauer.

Anhand der Wellen erkennen die Forscher oben in der Mitte eine Mauer.

Strassen und Mauern erkennbar

Nach den ersten zweieinhalb Tagen zieht Sonnemann ein positives Fazit. «Das Gebiet ist sehr interessant und der tiefe Grundwasserspiegel kommt unseren Untersuchungen entgegen. Auch Urs Rosemann zeigt sich über die ersten Erkenntnisse sehr erfreut – auch wenn noch keine abschliessenden Auswertungen vorliegen. «Wir haben deshalb sogar kurzfristig entschieden, auch noch andere Flächen als das Gebiet Grienmatt zu untersuchen», so Rosemann. Sonnemann freut sich denn auch auf Ende Woche, wenn eine Fläche untersucht wird, die bislang noch nie vermessen wurde.

Rosemann ist schon jetzt überzeugt, dass «wir den archäologischen Stadtplan sicher erweitern können». So seien etwa Strassen und Mauerzüge auf den Aufzeichnungen «lagegenau» zu erkennen. Nun sollen die Radar- und Magnetometermessungen mit bestehenden Luftaufnahmen verglichen werden. «Die drei Methoden ergänzen sich», so Rosemann. In den kommenden Wochen und Monaten sollen die Resultate der Untersuchungen genauer analysiert und mit den bereits bekannten Informationen über Augusta Raurica abgeglichen werden. Genauere Erkenntnisse erwartet Sonnemann etwa im November.

Ein Team aus Tschechien war zwei Tage mit dem Magnetometer unterwegs.

Ein Team aus Tschechien war zwei Tage mit dem Magnetometer unterwegs.