Wer sie hat, möchte sie nicht missen. Dieses Fazit ergibt die AZ-Umfrage unter den 32 Fricktaler Gemeinden. Gemeint sind die Städtepartnerschaften, vorab mit deutschen Kommunen. Insgesamt unterhalten 7,5 Gemeinden im Fricktal eine solche Städtepartnerschaft.

7,5? Die halbe Portion ist Laufenburg. Denn rein formal unterhält das WakkerPreis-Städtchen keine Städtepartnerschaft. Der Laufenburger Stadtschreiber Walter Marbot hat aber sicher recht, wenn er anmerkt: «Die grenzüberschreitenden Aktivitäten mit Laufenburg Baden können jedoch als eine Art Partnerschaft angesehen werden.»

Offizielle Partnerschaften haben Eiken, Frick, Oberhof, Olsberg, Kaisten, Möhlin und Rheinfelden. Die Begründung, weshalb man diese Partnerschaften pflegt, tönen in allen Gemeinden ähnlich. «Gedankenaustausch und gemeinsame Veranstaltungen zwischen Behörden, Bevölkerung und Vereinen», benennt Martina Schütz, Gemeindeschreiberin von Oberhof, zwei Ziele der Partnerschaft.

In der Partnerschafturkunde zwischen Frick und Frickingen vom 28. Oktober 1989 liest sich das dann so: Die beiden Gemeinden «erklären mit der heutigen Unterzeichnung dieser Urkunde die freundschaftliche Partnerschaft über die Grenzen der beiden Länder hinweg mit dem Zweck (...) der gegenseitigen Information über kommunale Belange, der Förderung menschlicher, kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen und der Förderung des europäischen Gedankens». Bei Letzterem mögen nun dem einen oder anderen Fricker die Haare zu Berge stehen. Doch geschrieben ist geschrieben – und unterschrieben vom damaligen Gemeindeammann Max Müller (CVP). Müller war laut Gemeindeschreiber Michael Widmer auch der geistige Vater der Partnerschaft.

Der Name ist Programm

«Nomen est omen» gilt für die meisten Partnerschaften, der Name ist das (Kenn-) Zeichen. So pflegt Oberhof seine Partnerschaft seit 1968 mit – Oberhof im Hotzenwald; Olsberg mit Olsberg im Sauerland; Frick mit Frickingen in Baden-Württemberg; Kaisten mit Kaisten in Bayern, Eiken mit Eicken-Bruche in Niedersachsen. Und Eke in Ostflandern. Und Eecke im Département Nord.

«Eiken steht seit 1965 in Verbindung mit den drei ‹Eichen›-Gemeinden in Deutschland, Belgien und Frankreich», erklärt Gemeindeschreiberin Jennyfer Zbinden. Höhepunkt sei jeweils das Vier-Dörfer-Treffen, das abwechselnd durch die vier Gemeinden ausgerichtet werde. Der nächste Austausch findet wieder in der Schweiz statt – im Juli 2019.

Pah, was sind schon drei Partnerstädte, mag nun der eine oder andere Rheinfelder denken. Wir haben elf! Denn Rheinfelden pflegt die Städtepartnerschaft im Kreis der 12 Deutschen und Schweizer Zähringerstädte. «Die heutige enge Zusammengehörigkeit reicht in die Gründungszeit der meisten Städte zurück», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. «Allen ist gemeinsam, dass sie zum Besitztum der Herzöge von Zähringen gehörten. Die meisten Städte wurden von ihnen gegründet.»

Neben den gemeinsamen Wurzeln sei die Förderung des Kulturtourismus ein Hauptaugenmerk der Städtepartnerschaft. In der Regel treffe man sich behördlicherseits einmal pro Jahr, so Erdin. Auch im kulturellen Bereich sind die Städte verbunden, unter anderem mit dem Zähringer Narrentreffen. «Im nächsten Jahr gedenken die Zähringerstädte zudem des Endes des Zähringer-Geschlechts vor 800 Jahren mit einer Wanderausstellung, welche in sämtlichen 12 Städten gezeigt wird», sagt Erdin.

Eine Fahrt mit Folgen

Der Anstoss zu den Partnerschaften kam von Behörden ebenso wie von Einwohnern. Im Fall von Olsberg beispielsweise fuhren 1977 einige Olsberger (CH) durch Olsberg (damals noch BRD). Sie meldeten ihr Aha-Erlebnis zu Hause und so entstand der Austausch. Bei Oberhof war es der damalige Gemeindeammann Hermann Fricker, der Grossvater des amtierenden Gemeindeammanns Roger Fricker, der 1968 «das damals noch selbstständige Oberhof im Hotzenwald entdeckt hat», wie es in einer Jahreschronik heisst. Im nächsten Jahr wird die Städtepartnerschaft der beiden Oberhof also 50. Das werde gefeiert, verspricht Gemeindeammann Roger Fricker.

Ein Spezialfall ist Möhlin. Hier ist die Verbindung nicht der Name, sondern das gemeinsame Bata-Erbe, das man mit Zlin in der Tschechischen Republik teilt. Was 2012 als lockere Städtepartnerschaft begann, wurde im letzten Jahr mit einem Partnerschaftsvertrag besiegelt. «Neben dem Ziel, das Vermächtnis Batas hochzuhalten, werden die Partnergemeinden die Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur und Sport weiterentwickeln können», sagte Gemeindeschreiber Marius Fricker. So ist auch die Teilnahme von Sportlern und Künstlergruppen an Veranstaltungen geplant, die in der Partnerstadt stattfinden.

Blättert man in den Annalen, so findet man in allen Gemeinden Trouvaillen. «Im August fand mit den deutschen Nachbarn aus Oberhof bei Badisch-Laufenburg eine von Gemeinderat Paul Schwab mustergültig organisierte Ausfahrt statt», hält der Chronist in der Jahreschronik von 1976 fest und schreibt zum Foto: «Bild aus dem Ständeratssaal, wo Frau Schwab als Interimspräsidentin waltet!»