Laufenburg hat eine Perle: seine Altstadt. Laufenburg hat ein Sorgenkind: seine Altstadt. Im Altstädtchen, das von Touristen wegen seiner malerischen Kulisse geschätzt wird, stehen immer noch Liegenschaften leer oder sind zumindest stark sanierungsbedürftig. Das zieht, davon ist der Stadtrat überzeugt, Mieter ohne Geld an. «Wir haben eine überaus hohe Sozialhilfequote», sagt Vizeammann Meinrad Schraner. «Das liegt auch daran, dass wir viele günstige Wohnungen haben.»

Das soll sich ändern. Dazu hat der Souverän vor gut zwei Jahren ein Altstadtkonzept gutgeheissen und den Stadtrat ermächtigt, Liegenschaften zu kaufen, zu sanieren und dann zu vermieten. Insgesamt 20 Millionen Franken darf der Stadtrat ausgeben, pro Liegenschaft bis zu 3,5 Millionen für Kauf und Sanierung. «Wir wollen Betroffene zu Beteiligten machen», erklärt Meinrad Schraner. Ziel sei es, die Altstadt zu revitalisieren, neue, zahlungskräftige Bewohner anzulocken – und so mittelfristig dafür zu sorgen, dass die Stadt mehr Einnahmen in Form von Steuern generiert. So weit die Theorie.

Marktgasse 169 wird gekauft

In der Praxis beginnt das Konzept nun zu greifen. In den letzten Monaten hat der Stadtrat den mehrstufigen Prozess für mehrere Liegenschaften in Gang gesetzt. Bei einigen fand man keine Einigung, bei anderen übernahmen Private den Lead – etwas, das Schraner «für wünschenswert» hält, «sofern das Projekt in das Gesamtkonzept passt» – und bei dritten will der Stadtrat nun kaufen, sanieren und vermieten.

Dazu gehört die Liegenschaft an der Marktgasse 169 mit fünf Wohnungen. Der Kaufpreis entspricht laut Schraner dem Marktwert. «Der Kaufvertrag ist in Arbeit», sagt Schraner. Sobald der Kauf unter Dach ist, beginnt die Detailplanung. An der nächsten Gmeind will der Stadtrat dann den Baukredit für die Sanierung vorlegen.

Keine Einigung dagegen gab es im benachbarten Gebäude an der Marktgasse 170. «Der Kaufpreis war zu hoch», so Schraner. Ebenfalls nicht kaufen wird die Stadt die Gebäude an der Fischergasse 10 und 11 – dies, weil hier Private den Lead übernehmen. «Wenn wir mit unserem Altstadtkonzept einen Anstoss geben können, zu investieren, dann haben wir unser Ziel erreicht», sagt Schraner.

Beim Restaurant Meerfräulein, das seit mehreren Jahren geschlossen ist, sieht der Stadtrat derzeit keine Lösung. Beim «Adler» oder der Liegenschaft «Kleinstadt 4» in Sulz dagegen sieht es «gut aus», sagt Schraner. Die Schätzungen liegen vor, «die Kaufverhandlungen sind im Gang». Etwas mehr Sorgen bereitet der «Schützen». Seit einem Brand Anfang Jahr gibt die ohnehin sanierungsbedürftige Liegenschaft noch ein desolateres Bild ab.

Auch hier liege eine Schätzung vor, so Schraner und er formuliert die Zielsetzung diplomatisch: «Wir wollen als Gemeinde künftig die Nutzung mitbestimmen.» Denn eines will man in Laufenburg partout vermeiden: Dass der «Schützen» zum zweiten «Salmen» wird. In die Liegenschaft in Rheinsulz investieren die Besitzer seit Jahren kaum etwas. «Das Geschäftsmodell, die Liegenschaft einfach verlottern zu lassen und Sozialhilfeempfänger einzuquartieren, empfinden wir als höchst unanständig», enerviert sich Schraner. Mit solchen Aktionen werde das Konzept der Stadt, die Liegenschaften aufzuwerten, torpediert.

Schraner fordert Rücksichtnahme

Entsprechend «wenig erfreut» ist er auch über die private Unterbringung von Flüchtlingen in der Fischergasse. Hier hat die ehemalige Besitzerin eine Wohnung an zwei Flüchtlinge aus einer Nachbargemeinde vermietet. Zwar übernehmen Kanton und Bund in den ersten Jahren die Kosten, wenn Flüchtlinge keinen Job finden. «Über kurz oder lang muss aber die Stadt die Kosten tragen», sagt Schraner. Mehr statt weniger Sozialhilfeempfänger zu generieren, «ist gar nicht im Sinn des Altstadtkonzepts und der Steuerzahler», so Schraner.

Seine Forderung verpackt der SVP-Politiker in einen Wunsch: «Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Menschen anderen Menschen helfen wollen. Ich wünsche mir aber, dass man in einem solchen Fall das Gespräch mit uns sucht, damit wir eine Lösung finden, die unserem Konzept nicht zuwider läuft.» Für Schraner ist klar: «Wer in Laufenburg oder Sulz wohnt, sollte ein Fan der Gemeinde sein und sollte sich mit den Programmen des Stadtrates identifizieren und diese nicht unterlaufen.»

Der Vizeammann klaubt eine Powerpoint-Folie aus einem Mäppchen. Sie zeigt als Kreis dargestellt ein viergliedriges Konzept, «das ineinandergreifen muss, wenn wir aus dem Teufelskreis ausbrechen wollen». Das AltstadtInvestitionskonzept ist dabei ein Element. Investitionen in die Infrastruktur, die Anpassung von Gesetzen und die Positionierung von Laufenburg als Kultur- und Heiratsstadt sind weitere.

Und: die Stärkung des öffentlichen Verkehrs (öV). «Wir haben Firmen, die nicht nach Laufenburg kommen oder die Stadt verlassen, weil der öV nicht gut ist», ärgert sich Schraner. Für ihn ist klar: Die Forderung von GLP-Grossrat Roland Agustoni nach einem Halbstundentakt auf dem S1-Ast von Laufenburg nach Stein «ist ein Muss». So wie das Altstadtkonzept.