Die längste Diskussion entzündete sich am Traktandum Familienzentrum Elfe. Geplant ist, im früheren Kindergarten Kinder ab drei Monaten bis zum vollendeten 6. Primarschuljahr durch Tagesmütter betreuen zu lassen. Betrieben wird Elfe durch einen Verein, in dem Gemeinderat Kurt Bächtold Vorstandsmitglied ist. Bächtold stellte die Einrichtung den Stimmbürgern vor.

Anstatt in den alten Kindergarten nochmals 320’000 Franken zu investieren, hat sich die Gemeinde zu einem Neubau entschlossen und den Altbau leer stehen lassen. Dieser sei aber in gutem Zustand, es müsse nichts daran gemacht werden. Die Gemeinde habe mit dem laufenden Betrieb der Einrichtung Elfe nichts zu tun, nehme lediglich eine Kontroll- und Aufsichtsfunktion wahr. Bächtold stellte dem Projekt eine gute Prognose aus. Die vom Verein vorgelegten Zahlen seien seriös kalkuliert, eine kantonale Fachstelle habe das Betreuungskonzept geprüft und für gut befunden.

Dennoch gab es kritische Nachfragen: Damals habe die Gemeinde 320’000 Franken für den Weiterbetrieb als Kindergarten kalkuliert – warum muss mit Elfe nun nichts mehr ins Gebäude investiert werden? Bächtold erklärte, dass beide Nutzungen nicht vergleichbar seien. Eine Stimmbürgerin bezeichnete das Projekt, das neben Betreuung auch einen Mittagstisch, ein Elterncafé und Hausaufgabenbetreuung vorsieht, als zu ambitioniert.

Der Gemeinderat liess die Stimmbürger beim Elfe-Traktandum dreimal abstimmen. Gegen die unentgeltliche Überlassung des alten Kindergartengebäudes gab es keine Einwände. Gegen die 10’000 Franken Startgeld für den Elfe-Verein votierten 25, gegen die 5000 Franken Defizitgarantie für die ersten drei Betriebsjahre 28 Stimmbürger. Die Mehrheit stimmte aber für alle drei Anträge.

Landverkauf gab zu reden

Auch der Verkauf einer Industrieparzelle an die Wild Flavors AG ging nicht ganz ohne Gegenstimmen über die Bühne. Laut Gemeindeammann Rainer Schaub will das Unternehmen im Gebiet Grossmatt ein vierstöckiges Bürogebäude und einen neuen Fertigungsbereich errichten, wo zusammen 25 Jobs entstehen. Schaub betonte, dass das Unternehmen die örtlichen Vereine unterstütze, sich in Sisseln wohlfühle und unauffällig bei Lärm und Emissionen sei. «Der Schwerpunkt beim neuen Gebäude liegt mehr in Forschung und Entwicklung als in der Produktion, deshalb hält sich auch die verkehrliche Mehrbelastung in Grenzen», so der Gemeindeammann.

Erklären musste sich Gemeinderat Kurt Bächtold wegen der Überschreitung des Verpflichtungskredits zwecks Erweiterung und Sanierung der Schulanlage um fast eine halbe Million Franken. Das wahre Ausmass der Schäden sei erst im Laufe der Arbeiten zutage getreten. Bächtold räumte ein, dass schon zur Wintergmeind 2013 eine deutliche Überschreitung abzusehen war, allerdings noch nicht in dieser Höhe. Man hätte seinerzeit den Souverän darüber informieren sollen, was aber unterblieb.

Von 945 Stimmberechtigten waren 143 anwesend. Schaub nannte das eine «rekordträchtige Zahl». Vielleicht lag es ja daran, dass jedem Stimmberechtigten beim Verlassen der Turnhalle eine 35-Liter-Abfallsackrolle ausgehändigt wurde. Auch einen Kinderhütedienst hatte die Gemeinde während der Versammlung eingerichtet – acht Kinder wurden im alten Schulhaus betreut.