Energie und Gesundheit – diese beiden Themen standen auf dem Wunschzettel der Gemeinden für das 25. Fricktaler Gemeindeseminar ganz oben. Diesem Wunsch kam der Fricktal Regio Planungsverband nach und so eröffnete gestern Daniel Büchel, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie, als Referent das Seminar im Pfarreizentrum Rampart in Frick.

«Die Gemeinden haben eine Vorbildfunktion für die Umsetzung einer nachhaltigen Energiepolitik aufgrund ihrer Nähe zum Bürger», ist für Büchel klar. «Wird auf Bundesebene ein Gebäude saniert, bekommt das fast keiner mit. Wenn eine Gemeinde ihre Turnhalle saniert, ist dies bei den Einwohnern ein Gesprächsthema und wird an der Gemeindeversammlung traktandiert», so Büchel.

Für den Bund seien damit die Gemeinden auch in der Umsetzung der Energiestrategie 2050 unverzichtbar. Einer der Eckpfeiler der Strategie ist es, den Energieverbrauch zu senken. Dieser liegt derzeit für einen Durchschnittshaushalt von vier Personen bei rund 5100 Kilowattstunden pro Jahr. Dabei könne jeder Bürger seinen Beitrag leisten. Zum Vergleich: Um das Wasser für ein Vollbad auf Temperatur zu bringen, werden fünf Kilowattstunden benötigt. Diese fünf Kilowattstunden entsprechen auch der Energie, die benötigt wird, um sich über 10,5 Jahre hinweg zweimal pro Tag mit einer elektrischen Zahnbürste die Zähne zu putzen.

Alte Gebäude sanieren

Auch die Erhöhung der Energieeffizienz gehört zur Energiestrategie 2050. Ein grosses Effizienzpotenzial sieht Büchel bei in die Jahre gekommene Gebäuden. «Während ein üblicher Neubau von 1975 einen Bedarf eines 22-Liter-Heizöl-Äquivalents für die Erwärmung pro Quadratmeter aufweist, beträgt dieses gemäss Mustervorschrift 2014 nur noch 3,5 Liter», vergleicht er. Dementsprechend fällt die energetische Sanierung eines alten Gebäudes stärker ins Gewicht als der Bau eines Gebäudes, das sich sogar autark versorgt.

Ein weiteres Ziel des Bundes besteht darin, den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen. Ein Tool, das hierzu dienen soll, ist die interaktive Anwendung sonnendach.ch. Der Solarkataster zeigt für jede Immobilie an, wie gut das Dach oder die Fassade für die Produktion von Wärme und Energie geeignet sind, wie hoch das Einsparpotenzial an Heizkosten durch die Solarenergie ist und wie hoch die Kosten für die Anschaffung einer Anlage sind.

Auch Werner Leuthard, Abteilungsleiter für Energie beim Kanton, sieht die Gemeinden als wichtige Partner beim Vollzug der Energievorgaben. Vor allem im Ersatz von Elektroheizungen durch Wärmepumpen sieht er ein grosses Einsparpotenzial des Energieverbrauchs. «Durch diesen Ersatz ergibt sich pro Jahr eine Einsparung von rund 320 Gigawattstunden», sagt Leuthard. Bei einem gesamthaften Stromverbrauch von 4850 Gigawattstunden im Jahr 2017 für den Kanton Aargau würde dies bei der entsprechenden Umrüstung eine Einsparung von 6,6 Prozent bedeuten. «Um den Anteil fossiler Energie im Gebäudebereich bis 2035 auf 50 Prozent zu begrenzen, ist der Heizungsersatz ein wichtiger Schritt», sagt Leuthard.

Energieberater mit Vision

Für Herbert Mösch, Energieberater, steht fest, dass das Potenzial in Sachen erneuerbare Energien und Energieeffizienz im Fricktal bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Private Immobilienbesitzer, Gemeinden und Firmen könnten noch weit mehr unternehmen und in Photovoltaik, Biomasse und Erdwärme investieren.

Eine Vision von Mösch ist, dass das Fricktal vom Bund als Energieregion anerkannt wird. «Wenn das Fricktal als Energieregion anerkannt wird, sind damit projektbezogene Gelder durch den Bund verbunden.» Für die Anerkennung aus Bern braucht es verbindliche Organisationsstrukturen, regelmässige Treffen und ein eigenes Budget. Zwar werden diese Vorgaben bereits erfüllt, darüber hinaus fordert der Bund jedoch, dass eine Energieregion auch als geschlossene geografische Einheit auftritt. Daran müsse man noch arbeiten «Momentan nehmen zehn bis zwölf Gemeinden an den Sitzungen teil», sagt Mösch.

Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Wer finanziert und fördert die Investitionen in den Ökostrom? Was können die Bürger tun, die kein Eigenheim besitzen, sondern Mieter sind? Wie können Private und Gemeinden ihre Liegenschaften modernisieren? «Viele Fragen tun sich auf, deren Beantwortung im grösseren Verbund der Energieregion leichter fällt, als wenn die Gemeinden sich einzeln darum kümmerten», sagt Mösch. Die Energieregion versteht sich auch als Plattform, auf der sich die heute schon engagierten Gemeinden miteinander austauschen können.