Auf dem Gelände des Vogelparks Ambigua in Zeihen wird es eng. Während im Frühjahr 2015 noch 170 Vögel und 32 Arten in 48 Volieren flatterten, sind es mittlerweile rund 330 Vögel, über 60 Arten und knapp 70 Volieren. «Wir haben alleine in diesem Jahr bereits 50 neue Vögel bei uns aufgenommen», sagt Vogelpark-Leiter Rolf Lanz.

Dass die Volieren von Lanz seit der Eröffnung zum Auffangbecken für Papageien werden, hat einen einfachen Grund: Per 1. September 2018 muss das revidierte Tierschutzgesetz – 2008 vom Bund beschlossen – umgesetzt werden. Damit einhergeht, dass Papageien mindestens zu zweit bei einer minimalen Gehegegrösse von 30 Kubikmetern gehalten werden müssen.

«Die meisten Vögel, die wir aufgenommen haben, stammen von Privatbesitzern. Für viele von ihnen ist der Aufwand zu gross, das Gehege zu vergrössern», sagt Lanz. Zudem gibt es auch Fälle, in denen die Behörden die Tiere aufgrund schlechter Haltung beschlagnahmen und dem Vogelpark zuteilen.

Neuer Vogelpark in Zeihen im Fricktal

Dreieinhalb Jahre hat Rolf Lanz zusammen mit seiner Frau Manuela und seinen Mitarbeitern darauf hingearbeitet: Im Mai 2015 ist der Vogelpark Ambigua eröffnet worden.

«Es wird einen ‹Run› geben»

Dass die Anfragen der privaten Besitzern weiter zunehmen werden, je näher der Ablauf der Schonfrist für das revidierte Tierschutzgesetz rückt, ist sich Lanz sicher: «Es wird im nächsten Jahr einen ‹Run› auf uns geben.» Passiert dies, könnte der Vogelpark schnell an seine Kapazitätsgrenze stossen. Derzeit habe man noch Platz für 70 bis 100 Tiere.

Da dem Vogelpark noch rund 300 Quadratmeter ungenutzte Fläche zur Verfügung stehen, sei es jedoch denkbar, weitere Volieren zu bauen. «Dies ist jedoch momentan aufgrund unserer finanziellen Lage nicht realisierbar», sagt Lanz. Weil das Geld knapp ist, und auch, weil mit der zunehmenden Anzahl der Aufwand für die Pflege steigt, überlege man derzeit, für die Aufnahme den Besitzern 400 Franken pro Jahr zu berechnen.

Durch die Unterstützung von drei Privatiers konnte in diesem Jahr eine Wildtierpflegerin engagiert werden, die den im Park ehrenamtlich Tätigen unter die Arme greift. Ein Glücksgriff. Denn die Integration der neuaufgenommen Vögel in die Gruppe ihrer Artgenossen braucht viel Geduld und Feingefühl. «Das Problem ist, dass viele Privatbesitzer den Vogel wie ein Haustier halten. Es kann daher schon mehrere Wochen dauern, bis man den Vogel seinen Artgenossen zuführen kann. Wichtig ist, dass man den Charakter des Vogels studiert, um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen», erklärt Lanz.

Hohe Besucherzahlen

Seinen Betrieb finanziert der Vogelpark unter anderem durch Führungen und Besucher. Hier zieht Lanz eine positive Bilanz: Zwar läuft die Saison noch bis Ende Oktober, dennoch hat man mit 80 Führungen die Zahl aus 2016 – 69 Führungen – bereits übertroffen. Auch die Besucheranzahl wird im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Drittel ansteigen.

Der Grund für die hohen Besucherzahlen liegt für Lanz auf der Hand: «Viele Zoos haben keine Vögel mehr. Sie vergrössern lieber die Gehege für Elefanten und Löwen, anstatt die Volieren auszubauen. Wildtiere ziehen ja auch mehr Besucher an. Wenn jemand Vögel sehen will, kommt er zu uns.»