Regionale Verkehrsplanung ist ein hochkomplexes Feld, in dem viele Rädchen ineinandergreifen und alles vernetzt angegangen werden muss. Das nahm das Dutzend Zuhörer beim Mittwochabend-Gespräch im Alten Gemeindehaus mit nach Hause.

Das Impulsreferat für den Abend gab Henri Leuzinger, Geograf und Raumplaner aus Rheinfelden. Eigentlich sei im Fricktal alles tipptopp: hochdotierte Jobs, attraktive Landschaft, nahe an den Metropolen Basel und Zürich, exzellente Bildung und Schulen.

Wenn nur eines nicht wäre: Dass das Wohnen und Arbeiten im selben Dorf passé sind, dass die Zahl der Pendler immer weiter steigt und diese auch immer weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen – wenn die Nähe vom Segen zum Fluch wird.

Leuzinger war federführend bei der Entwicklung des Mobilitätskonzepts Sisslerfeld. Schon heute fahren Untersuchungen zufolge rund 3000 Autos pro Tag in das grösste zusammenhängende und unbebaute Industrieareal im Kanton Aargau. Dabei kommen diese nicht nur aus dem Fricktal, sondern aus dem gesamten Kanton, von Zürich und, als Grenzgänger, auch aus dem Elsass und aus Südbaden. Und künftig entstünden im Sisslerfeld bis zu 3000 neue Jobs.

Direkte Bus-Anschlüsse nötig

Es sei ein Problem, dass die dort Beschäftigten nur vereinzelt in den umliegenden Gemeinden Stein, Eiken, Münchwilen und Sisseln wohnen. Doch auch wenn es beim Pendeln bleibt: Wie kann dieses wenigstens umweltfreundlich vonstattengehen, mit Bahn, Bus oder Velo?

Leuzinger: «Nur rund 500 Sisslerfeld-Mitarbeiter kommen täglich mit dem öV, auch weil beispielsweise der süddeutsche Raum miserabel erschlossen ist.» Aber auch aus der Agglomeration Basel seien es nur rund 200 und das trotz eines Schnellzughalts in Stein-Säckingen.

Dass es nennenswert mehr werden, glaubt Leuzinger nicht. Weil die Kapazität der Schiene für den Personenverkehr schon jetzt am Anschlag sei und auf den Trassen durchs Fricktal – Stichwort Neat – Güterzüge Priorität hätten.

Höchstens mit Doppelstockwaggons könne es gelingen, die Zahl der Sitzplätze in den zu den Stosszeiten ohnehin schon überfüllten Zügen zu erhöhen. Wichtig ist für Leuzinger aber auch, dass, wenn die Bahnfahrer in Stein und Frick aussteigen, sie dort einen direkten Bus-Anschluss ins Sisslerfeld haben.

Nach Henri Leuzingers mehr als einstündigem Vortrag stellte er sich zusammen mit Christian Fricker, Präsident von Fricktal Regio, und Christoph Brem, Inhaber von Brem Car-Reisen Wölflinswil, der Diskussion. Diese leitete Kurt Erni vom Verein Dorf plus in Vertretung des erkrankten Peter Bircher.

Frickers Tenor: Viele Möglichkeiten, steuernd in die Raum- und Verkehrsplanung einzugreifen, habe Fricktal Regio nicht: «Wir können den Gemeinden nichts vorschreiben. Wir haben keine Befehlsgewalt, zum Glück.» Brem schilderte die Anforderungen an den Busverkehr aus seiner täglichen Praxis als Postautounternehmer. Und blieb, was den Einsatz von Gelenk- und Doppelstockbussen betrifft, zurückhaltend.