135 Seiten dick ist das Dokument, das die Kantonsarchäologie der AZ auf Anfrage zusendet. Das Dokument enthält einen Auszug aus den Aktivitäten der Kantonsarchäologie. Aufgeführt sind darin die Meldungen aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden zwischen 2008 und 2018 (siehe Karte).

287 Grabungs- und Fundmeldungen sind im Dokument fein säuberlich aufgelistet und beschrieben. Längst nicht jede Meldung führte auch zu einer Grabung und manche Gebiete tauchen mehrmals in der Liste auf. So kommt etwa das Gebiet Gänsacker «Ob em Dorf» in Frick, wo heute elf Mehrfamilienhäuser stehen, gleich siebenmal vor. Dennoch: Die Zahl ist beeindruckend – zumal die Grabungen in Kaiseraugst in der Liste nicht aufgeführt sind.

Die meisten Grabungs- und Fundmeldungen stammen aus Rheinfelden (34), gefolgt von Laufenburg (31), Möhlin (28), Frick (23) und Gipf-Oberfrick (16). Nur je eine Meldung gab es dagegen aus Hellikon, Magden und Zuzgen.

Dies sind die Grabungs- und Fundmeldungen im Fricktal.

Dies sind die Grabungs- und Fundmeldungen im Fricktal.

Wer sich in die einzelnen archäologischen Meldungen vertieft, taucht in eine faszinierende (Untergrund-)Welt ein.

Meldungs-ID 1785, Kürzel Hrz.013.1, Herznach – Unterdorfstrasse 9 2013, Grabungsmeldung. «Unter einem abgerissenen Bauernhaus, das durch einen Neubau ersetzt wird, wurde der Lehmboden, eine ummauerte Feuerstelle (Herd/Ofen?) und die Abfall- und Kulturschicht einer Küche aufgedeckt. Der Befund wurde nur auf sehr kleiner Fläche oberflächlich freigelegt und fotografiert, es fand keine Grabung statt. Die Haus- oder Raumbegrenzung wurde nicht erfasst. Durch den Neubau wird der Befund teilweise zerstört.»
Als besonders ergiebig erwiesen sich in den letzten zehn Jahren sechs Grabungsorte: Kaisten, Frick, Laufenburg, Wittnau, Ueken und Kaiseraugst.

4000 Münzen entdeckt

Der spektakulärste Fund war sicher jener in Ueken. Hier tauchten 2015 über 4000 Silbermünzen auf, die zwischen 260 und 293 geprägt wurden. Es ist einer der grössten je in der Schweiz entdeckten Münzschätze. «Der Schatz ist möglicherweise ein Zeuge der unruhigen Zeiten, die im späten 3. Jahrhundert herrschten», sagt Luisa Galioto, Leiterin Ausgrabungen Kanton Aargau. Politische Unruhen, kriegerische Auseinandersetzungen und der Verfall der Silberwährung hätten vielleicht dessen Besitzer bewogen, sein Geld zu verstecken. «Noch rätselhafter ist, warum das Geld nicht wieder abgeholt wurde.»

«Weil sie grün war, habe ich sie gesehen»: So stolperte Bauer Loosli über die erste römische Münze in seiner Kirschbaumplantage

«Weil sie grün war, habe ich sie gesehen»: So stolperte Bauer Loosli über die erste römische Münze in seiner Kirschbaumplantage

(Novemeber 2015)

In Kaisten ist das Gelände am Hangfuss des Kaistenbergs «von besonderer archäologischer Bedeutung», sagt Galioto. Denn hier sind bis zu 18 natürliche und anthropogene Schichten erhalten. «Die natürlichen Schichten ermöglichen die Studie der Landschaftsgeschichte. Die anthropogenen Schichten belegen eine wiederholte Besiedlung», erklärt Galioto. Ein Steinbeil weise indirekt auf eine menschliche Präsenz ab etwa 4000 vor Christus hin.

Frick und Laufenburg sind die einzigen römischen vici, also kleinstädtischen Siedlungen, die bislang im Fricktal nachgewiesen wurden. Mit den Grossgrabungen von 2013 bis 2016 im Gebiet Gänsacker/«Ob em Dorf» in Frick konnten die Siedlungsstrukturen entlang der Hauptstrasse – die Strasse verband auch früher die Zentren Augusta Raurica und Vindonissa – erforscht werden. «Die genaue Entwicklung der Siedlung konnte zum ersten Mal von den Anfängen bis zur Aufgabe aufgezeichnet werden», so Galioto.

In Laufenburg konnte unter anderem ein Teilstück der Strasse, die durch den vicus verlief, erfasst werden. Für die Keramikforschung von besonderer Bedeutung war zudem die Entdeckung von zwei gut erhaltenen Töpferöfen.

Ein stattliches Herrenhaus

Der römische Gutshof von Wittnau ist seit 1929 bekannt. Doch erst mit den Ausgrabungen von 2015 im Bereich des Herrenhauses wurde eine genauere Einschätzung der Anlage beziehungsweise des Standortes möglich. Klar ist: «Solche stattliche Herrenhäuser sind in den Seitentälern des Fricktals bisher unbekannt und finden sich eher, topografisch bedingt, am Übergang zur Rheinebene», sagt Galioto.

Für Kaiseraugst erwähnt Jakob Bärlocher, Leiter Ausgrabungen, vier Fundstellen. Darunter die Ausgrabungen «Auf der Wacht», die 2011 bis 2013 und 2017 stattfanden. Hierbei handelte es sich um grossflächige Lehr- und Forschungsgrabungen in Zusammenarbeit mit der Vindonissa-Professur der Universität Basel. Sie umfassten grosse Teile einer Insula mit den dazugehörigen Hinterhöfen. «Ab der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts wurde das Areal als Töpferbezirk genutzt», so Bärlocher.
Die Arbeit, dies ist sicher, wird der Kantonsarchäologie auch in den nächsten Jahren nicht ausgehen. In diesem Sinne: veni, vidi, grubi.