Die Budgets der Fricktaler Gemeinden für das nächste Jahr sind unter Dach und Fach: In sämtlichen 32 Kommunen der Bezirke Laufenburg und Rheinfelden haben die Stimmberechtigten die Voranschläge 2019 an den Gemeindeversammlungen so genehmigt, wie sie die Gemeinderäte vorgelegt hatten. Damit ist auch klar: Die Steuerfüsse bleiben 2019 in allen Gemeinden gleich wie in diesem Jahr.

Dies war auch so zu erwarten, nutzten doch vor einem Jahr nicht weniger als 13 der 32 Gemeinden die Gunst der Steuerfussabtauschrunde mit dem Kanton für eine faktische Erhöhung des Steuerfusses. Denn die Gemeinden, die vor einem Jahr den gleichen Steuerfuss wie 2017 beantragt hatten, vollzogen aufgrund des Steuerfussabgleichs faktisch eine Steuerfusserhöhung von drei Prozent.

80 bis 125 Prozent

Die Steuerfüsse 2019 liegen weit auseinander. In Sisseln, dem Fricktaler Steuerparadies, liegt der Steuerfuss bei 80 Prozent. In Oberhof, Ueken und Wölflinswil dagegen bei 125 Prozent. Dazwischen liegen Welten – doch wie weit liegen diese Welten in Franken eigentlich auseinander?

Die AZ hat mithilfe des OnlineSteuerrechners des Kantons die Probe aufs Exempel gemacht und für sämtliche 32 Gemeinden vier Familientypen durchgerechnet. Den Berechnungen zugrunde gelegt sind unterschiedliche steuerbare Einkommen (= Einkommen nach allen Abzügen) sowie unterschiedliche Vermögenssituationen. Berechnet wurde jeweils die Gemeinde- und Kantonssteuer; eine allfällige Kirchensteuer sowie die Bundessteuer sind nicht inkludiert.

In Sisseln zahlt ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern, das auf ein steuerbares Einkommen von 70'000 Franken kommt und kein steuerbares Vermögen hat, 5099 Franken an Kantons- und Gemeindesteuern pro Jahr.

Das sind 1196 Franken weniger als in den teuersten Gemeinden. Anders formuliert: Wer in Oberhof lebt, zahlt in der gleichen Lebenssituation fast einen Viertel mehr Steuern als jemand, der in Sisseln wohnt.

Gut fährt ebenfalls, wer in einem der regionalen Zentren wohnt. In Rheinfelden zahlt die vierköpfige Familie 5498 Franken, in Frick 5604 Franken. Auch in diesen beiden Gemeinden sind zwar mehr Steuern als in Sisseln, Kaiseraugst (5126 Franken) oder Stein (5418 Franken) fällig.

Dafür bieten diese Gemeinden auch eine grössere Infrastruktur, etwa mehr Ladengeschäfte, was sich wiederum kostendämpfend oder zumindest komfortsteigernd auswirken kann – aber im Gegenzug seinen Preis hat: Die Immobilien, Miete wie Kauf, sind teurer.

Im Schnitt liegt der Steuerfuss im Fricktal bei 109 Prozent. Das entspricht dem Steuersatz der Gemeinde Mettauertal. Hier sind für die vierköpfige Familie im Jahr 5870 Franken an Gemeinde- und Kantonssteuern fällig.

2771 Franken Unterschied

Deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen muss ein verheiratetes Paar mit einem Kind, einem steuerbaren Einkommen von 110 000 Franken und einem steuerbaren Vermögen von 250'000 Franken. In der günstigsten Gemeinde Sisseln zahlt das Ehepaar 11'819 Franken Gemeinde- und Kantonssteuern, in der «Durchschnittsgemeinde» Mettauertal sind es 13'605 Franken.

Das sind 985 weniger als in Oberhof, Ueken und Wölflinswil, wo die Steuerrechnung mit 14'590 Franken zu Buche schlägt. Der Unterschied zwischen der günstigsten und der teuerste Gemeinde beträgt 2771 Franken – oder gut 23 Prozent.

Bei einer alleinstehenden Person mit einem Kind ohne Vermögen, die auf ein steuerbares Einkommen von 40'000 Franken kommt, ist die FrankenDifferenz eher klein. In Sisseln zahlt sie 1644 Franken Steuern, in Oberhof sind es 2029 Franken – also 385 Franken mehr. Aus einer anderen Perspektive sieht es schon anders aus: Der Unterschied macht fast ein Prozent ihres steuerbaren Einkommens aus.

Bis 16,4 Prozent des Einkommens

Wer alleinstehend ist, keine Kinder hat, auf ein steuerbares Einkommen von 90'000 Franken im Jahr kommt und sich ein kleines Polster, sagen wir: ein steuerbares Vermögen von 50'000 Franken, beiseitegelegt hat, zahlt in Sisseln 11'919 Franken und in Oberhof 14'713 Franken. Das sind 2794 Franken mehr als in Sisseln.

Unterschiedlich sind nicht nur die Frankenbeträge, sondern auch der prozentuale Anteil am Einkommen, den man für die Steuern aufwenden muss. Während ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern und einem steuerbaren Einkommen von 70'000 Franken je nach Gemeinde zwischen 7,3 und 9,0 Prozent des Einkommens an Kanton und Gemeinde abgibt, sind es beim kinderlosen Alleinstehenden mit einem Einkommen von 90'000 Franken zwischen 13,2 Prozent in Sisseln und 16,3 Prozent in Oberhof, Ueken und Wölflinswil.