Während die Zahl der Geburten schweizweit um 2,2 Prozent stieg, waren es im Aargau 8 Prozent. Nur gerade im Kanton Appenzell-Ausserrhoden sind die Geburtenzahlen stärker gestiegen. In den letzten zehn Jahren kamen im Aargau kontinuierlich mehr Kinder auf die Welt. 6125 Geburten sind so viele wie seit 1997 nicht mehr. Allerdings wurden in den Neunzigerjahren während zehn Jahren ständig mehr als 6000 Kinder geboren.

Viel Kinder dank jungen Zuzügern

Ruedi Steiner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Statistik Aargau. Für ihn hat der eklatante Geburtenanstieg verschiedene Gründe. Einer davon ist die verstärkte Zuwanderung. «Wir hatten in den letzten Jahren gewaltige Wanderungsgewinne», sagt Steiner. In den letzten Jahren sind viele junge Familien in den Aargau gezogen. Gelockt von vergleichsweise tiefen Bodenpreisen und der Nähe zu den Zentren. «Viele der zugezogenen Frauen sind im gebärfähigen Alter und bekommen nun Kinder», so Steiner.

Von den 6631 Personen, die letztes Jahr in den Aargau zogen, waren 4787 Ausländer. Diese haben im Schnitt mehr Kinder als die Schweizer. Ohne die Geburten ausländischer Eltern wären in einigen Bezirken die Todesfälle nicht wettgemacht worden. Mit der Zeit stabilisiert sich aber die Geburtenziffer der Ausländerinnen und gleicht sich derjenigen von Schweizerinnen an.

(Grafik: az/Guido Savian)

Die Geburtenrate im Kanton Aargau

(Grafik: az/Guido Savian)

Hohe Geburtenzahl hält an

Gemäss Ruedi Steiner geht der Aargauer Babyboom weiter: «Es gibt eine gesamthafte Verjüngung der Aargauer Bevölkerung und speziell eine massive Zunahme von jungen Frauen im gebärfähigen Alter. Deshalb gehen wir von einer weiteren Zunahme der Geburten aus.» Gemäss den Prognosen der kantonalen Statistiker soll der Anteil der gebärfähigen Frauen bis 2035 deutlich zunehmen.

Die 6125 Kinder, die im letzten Jahr im Kanton Aargau auf die Welt kamen, verteilten sich ungefähr proportional auf die elf Bezirke. Nicht ganz so gleichmässig sieht es bei den neun Gemeinden aus, die mehr als 10 000 Einwohner haben. In Zofingen kamen 135 Kinder auf die Welt. Zwei mehr als in Oftringen, wo 2000 mehr Einwohner hat. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied zwischen Wohlen und Spreitenbach. Das Freiämter Zentrum mit über 14 000 Einwohnern konnte 120 neugeborene Einwohner begrüssen. In Spreitenbach mit 10 000 Einwohnern gab es 179-mal Nachwuchs.

Mehr gab es nur in Wettingen, Aarau und Baden

Die Gebärfreudigkeit der Aargauerinnen machte sich auch im Kantonsspital Baden (KSB) bemerkbar. Innerhalb eines Jahres erhöhten sich die Geburten von 1299 auf 1614. Ein Anstieg von fast 25 Prozent. Für diesen überdurchschnittlichen Anstieg gibt es zwei Gründe, sagt Marco Bellafiore vom KSB: «Neben dem allgemeinen Geburtenanstieg hatte die Schliessung der Klinik Sonnenblick einen grossen Einfluss.»

Viele Frauen, die ihr Kind in der Klinik Sonnenblick auf die Welt gebracht hätten, wichen auf das KSB aus. Aufgrund der vielen Geburten musste das Kantonsspital Baden verschiedene Massnahmen ergreifen, wie Bellafiore erklärt: «Für die Wöchnerinnen haben wir zusätzliche Betten freigemacht und Pflegepersonal in die Geburtenabteilung eingeteilt.»

Die Frauen, die letztes Jahr im KSB gebaren, haben indirekt auch noch Arbeitsplätze geschaffen. Wie Marco Bellafiore erklärt, stellte das KSB infolge des Babybooms zusätzliche Hebammen ein. Personell ist das KSB nun gerüstet. Wenn die Geburtenrate in Baden weiter ansteigt, könne man sich intern organisieren, so Bellafiore. Da aber die Schliessung der Klinik Sonnenblick ein Einzelereignis war, glaube er nicht, dass der Anstieg im gleichen Mass weitergeht.

Ansturm in Aarau war kleiner

Am zweitmeisten Geburten im Aargau verzeichnete das Kantonsspital Aarau (KSA). Wurden 2009 noch 1154 Kinder im KSA geboren, waren es letztes Jahr 1267. Mit einem Anstieg von 9,8 Prozent fällt das Plus nicht ganz so deutlich aus wie beim Kantonsspital Baden. Dennoch waren die zusätzlichen Geburten für Monya Tedesco Bernasconi, Chefin der Geburtshilfe, spürbar: «Es gab im letzten Jahr auf der Geburtsabteilung Engpässe, doch das ist normal. Schliesslich sind Geburten nicht planbar. Insgesamt haben wir den Anstieg gut bewältigt.» Im Gegensatz zum Kantonsspital Baden machten die vielen Geburten in Aarau keine Aufstockung des Personals nötig. Einzig interne Abläufe mussten umstrukturiert werden, erklärt Monya Tedesco Bernasconi. Einer weiteren Steigerung der Geburtenrate sieht sie deshalb auch gelassen entgegen: «Wir können die Frauen immer noch sehr gut betreuen. Ich glaube aber nicht, dass die Geburtenzahlen noch extrem steigen.»