Sie kam als blinder Passagier. Im Ballastwasser grosser Schiffe verbreitete sich die Schwarzmund-Grundel von ihrem angestammten Lebensraum von der Donau in die Wolga, die Ostsee und den Rhein. Sie war gekommen, um zu bleiben: In grosser Zahl vermehrte sich der kleine Fisch. Die aggressive Art verteidigt ihr erobertes Territorium vehement. Noch vor einem Jahr lautete die Bilanz beim Abfischen in Teilen des Basler Rheins: Neun von zehn Jungfischen sind Schwarzmund-Grundeln. «Schwarzmeer-Grundel» verdrängt hiesige Fischarten», titelte auch das «Echo der Zeit», die «NZZ» widmete ihm eine ganze Seite. Der Fisch mit den starken Brustflossen und dem Saugnapf am Bauch hat national Aufsehen erregt.

Doch nun ist ihr Siegeszug ins Stocken geraten. Das haben Fischer beobachtet. Gingen noch vor einigen Monaten fast ausschliesslich Grundeln an den Haken, haben sich die Bestände offensichtlich dezimiert.

Doch nun ist ihr Siegeszug ins Stocken geraten. Der Basler Fischereiaufseher Hans-Peter Jermann sagte kürzlich zur «bz Basel»: «Wir haben diesen Sommer keine einzige Meldung von grösseren Schwarzmeergrundelfängen erhalten. Habe man früher im Uferbereich ein Steinchen in den Rhein geworfen, seien sofort etliche Grundeln herbeigeschwommen. «Jetzt sind es deutlich weniger», so Jermann.

Etwas vorsichtiger in ihrer Beurteilung ist Tabea Kropf von der Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Aargau. Sie bestätigt zwar auf Anfrage der AZ, es gebe Rückmeldungen von Fischern am Rhein, dass sie weniger Grundeln sehen. «Das kann ein Indiz für einen Rückgang sein, aber es ist noch kein Beweis», hält die Expertin fest.

Eine sonderbare Krankheit?

Über die Gründe für den Rückzug der Schwarzmeergrundel lässt sich bislang nur spekulieren. Wahrscheinlich sind es mehrere Faktoren, die zur aktuellen Entwicklung geführt haben.
In Basel hält sich unter Fischern das Gerücht, die Grundeln seien von einer sonderbaren Krankheit befallen. «Manche weisen gewisse Flecken auf», sagte der dortige Fischereiaufseher Hans-Peter Jermann zur «bz Basel». Noch wisse man jedoch zu wenig, um eine eindeutige Aussage zu treffen. Die Uni Basel begleitet die Invasion mit einer Forschungsgruppe, für November sind neue Erkenntnisse zu erwarten.

Vielleicht geht die Grundel auch einfach den Lauf vieler Neozoen: «Nach kurzer Zeit erreicht eine invasive Tierart einen Peak, danach pendeln sich die Bestände ein», erklärt Jermann. Bisweilen dezimieren sich die streitlustigen Fische gegenseitig. Dazu kommt, dass der Kanton Basel-Stadt Anstrengungen unternommen hat, um die Grundeln zurückzubinden. «Insbesondere im Hafenareal setzen wir Zander und Hechte aus», sagte Paul Svoboda, Leiter Gewässerschutz beim Amt für Umwelt und Energie. Dies sind Fischarten, die ihrerseits Grundeln fressen.

Im Kanton Aargau wurden zuletzt drastischere – wenn auch nicht ganz ernst gemeinte – Methoden ergriffen. Das Naturama Aargau organisierte im Juni den Kurs «Frischer Fisch: Die Schwarzmeergrundel», der mit dem Verzehr von Grundel-Knusperli endete. Das Fazit: Besonders appetitlich sieht die Schwarzmeergrundel zwar nicht aus. Aber wenn sie fachgerecht ausgenommen, in Salzlake eingelegt, richtig gewürzt und mit Mehl bestäubt, ein paar Minuten frittiert und frisch serviert wird, schmeckt sie durchaus.