Vor einer Woche kollidierte beim Bahnhof Berikon-Widen eine Zugskomposition der Bremgarten-Dietikon-Bahn mit einem Lastwagen. Der Unfall heizt eine schon länger dauernde Diskussion aufs Neue an: jene um die Bahnschranken, die gemäss Bundesamt für Verkehr (BAV) auf dem Mutschellen längst installiert sein sollten. Grundsätzlich müssen Bahnübergänge heutzutage mit Schranken- oder Halbschrankenanlagen ausgerüstet sein.

So will es Artikel 37 der Eisenbahnverordnung. Die vom BAV für die Nachrüstung gesetzte Frist lief Ende 2014 ab. Ein entsprechendes Projekt der Bremgarten-Dietikon-Bahn für den fraglichen Übergang auf dem Mutschellen ist seit drei Jahren aber durch Einsprachen blockiert. Die Beschwerden der Gemeinden Berikon und Widen sowie des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) sind, nachdem sie vom BAV abgewiesen wurden, noch beim Bundesverwaltungsgericht hängig.

Stauzeit ein Drittel länger

Interessant ist die Argumentation der Beschwerdeführer. Eine Halbschranke, so das BVU, würde dazu führen, dass sich der öffentliche Verkehr (Bus) und der motorisierte Individualverkehr noch mehr stauen würden als bisher. «Während der Hauptverkehrszeiten werden sich die Staus am Knoten Mutschellen mit einer Schranke, verglichen mit dem (von den Beschwerdeführern geforderten) Trambetrieb, um rund einen Drittel verlängern.» Das Tempo eines Trams ist, anders als jenes einer Bahn, nur auf Sichtdistanz ausgelegt.

In Unterentfelden ist genau das passiert: Seit der Installation der beiden Halbschranken bei den WSB-Übergängen Erlifeldstrasse und Neufeldstrasse ist der Stau auf der Hauptstrasse über das Dorf hinaus zum Gesprächsthema geworden. Ein vor drei Wochen auf petitio.ch lanciertes Begehren der FDP Unterentfelden für Massnahmen zur Verkürzung der Stauzeiten fand bisher rund 556 Unterstützer.

Es sind zwei Faktoren, die wesentlich zur Verschlechterung der Situation beigetragen haben: Mit dem Schrankenregime haben sich erstens im Vergleich zum früheren mit der Warnblinkanlage die Schliesszeiten verlängert. Und zweitens können auch die Fahrzeuge dorfaufwärts nicht fahren, wenn die Rechtsabbieger die WSB abwarten müssen. Sie teilen sich mit Letzteren sowohl die Fahrspur als auch die Ampel.

Unterschiedliche Sichtweisen

Schon an der Sommergmeind Anfang Juni wurde der Gemeinderat auf das Ärgernis angesprochen. Wie Gemeindeammann Heinz Lüscher klarmachte, war es der Kanton, der dafür sorgte, dass man seit der Neugestaltung der Übergänge beziehungsweise seit deren Ausstattung mit Schranken nicht mehr geradeaus fahren kann, auch wenn kein ersichtlicher Grund dafür besteht. Beim Kanton, erklärte Lüscher damals, habe eben auch ein Umdenken stattgefunden: Früher sei darauf gedrängt worden, dass der Verkehr rollen könne. Heute heisse es, die Autos könnten warten – auch auf einer Kantonsstrasse.

Auf dem Mutschellen spricht der drohende längere Stau gegen eine Barrierenanlage, in Unterentfelden dagegen muss dieser in Kauf genommen werden? – Die scheinbar von Fall zu Fall unterschiedliche Sehweise beim Kanton ist allerdings ein Stück weit fremdbestimmt. Wie Daniel Schwerzmann von der Unterabteilung Verkehrsmanagement in der Abteilung Tiefbau unlängst gegenüber der AZ ausführte, musste die WSB in Unterentfelden nämlich, zusammen mit dem Kanton, nach einer Kompromisslösung suchen.

Im Idealfall würden Vollschranken mit zwei separaten Spuren für den geradeaus fahrenden und den nach rechts abbiegenden Verkehr kombiniert. Für die vom BAV verlangte Lösung fehlt laut BVU-Angaben bei den für Ärger sorgenden Unterentfelder Übergängen der Platz. Also ging es darum, eine Bahnsicherung zu finden, die sich mit verhältnismässigem Aufwand realisieren liess – und die zugleich den Segen des BAV erhielt.

Fehlersicherheit als Bedingung

Zur Lösung mit den Halbschranken sagte das BAV nach Schwerzmanns Worten Ja unter der Voraussetzung, dass eine fehlersichere, unmissverständliche Sperrung des Strassenverkehrs möglich ist. Dieser Vorgabe entsprach der Kanton, indem er die früher überbreite Fahrspur auf der Hauptstrasse, die knapp ein Überholen der Rechtsabbieger zuliess, auf eine einzige Spur reduzierte – mit einer einzigen Ampel, die für die Rechtsabbieger wie für die geradeaus fahrenden Verkehrsteilnehmer gilt. Beim früheren Regime war es möglich, die Rotlichter zu verwechseln und deshalb nach rechts abzubiegen, wenn die Lichtsignalanlage den Verkehr auf der Hauptstrasse geradeaus freigab. Physisch ist es weiterhin möglich, von der Hauptstrasse aus über die Gleise abzubiegen: Die Halbschranke hält nur den Verkehr vom Quartier her auf.

Klar ist unter diesen Umständen: Selbst wenn der Kanton dies befürwortete, hätte eine Rückkehr zum früheren Ampel- und Spurenregime beim BAV keine Chance. Spielraum für Verbesserungen gibt es deshalb aus Sicht des Kantons in Unterentfelden höchstens bei den Schliesszeiten der Schranken. Entsprechende Abklärungen mit der WSB sind im Gang.

Berikon-Widen: Zwei Verletzte bei Kollision zwischen LKW und Zug

Berikon-Widen: Zwei Verletzte bei Kollision zwischen LKW und Zug (19.10.2018)

Am Freitagmorgen kollidierten auf der Mutschellen-Passhöhe ein Lastwagen und eine Zugskomposition der Bremgarten-Dietikon-Bahn. Gemäss der Kantonspolizei Aargau wurden dabei der LKW-Fahrer und der Lokomotivführer leicht verletzt.