Jetzt steht definitiv fest, wer im Aargau zu den Nationalratswahlen am 18. Oktober antritt. Gestern ist die Anmeldefrist für Kandidaturen abgelaufen, der Rekord von 2011 wird noch einmal überboten: 288 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich auf 23 Wahllisten um einen Sitz in Bern. Vor vier Jahren waren 280 Kandidaturen auf 22 Listen angemeldet worden.

Vier Newcomer

Neu sind vier Gruppierungen. Der Verein Ecopop tritt mit sechs Kandidaturen, fünf Männern und eine Frau, erstmals zu Wahlen an. Frontmann Andreas Thommen war einst Präsident der Grünen Aargau und hat sich mit seiner Kandidatur für Ecopop nun entschieden, die Grünen zu verlassen. 

Bisher auf der politischen Bühne kaum bis gar nicht in Erscheinung getreten sind die Integrale Politik Aargau (vier Kandidaten, zwei Männer, zwei Frauen), die LOVB (Lösungs-Orientierte Volks-Bewegung), die mit zwei Kandidaten und einer Kandidatin antritt, sowie die bzw. der www.Nichtwähler.ch mit einem einzigen Kandidaten.

Bereits vor vier Jahren dabei waren die EDU (tritt mit einer vollen Liste an, elf Männer und fünf Frauen), die Piratenpartei (vier Männer) und die Sozial-Liberale Bewegung (sieben Männer, drei Frauen) des ehemaligen EDU-Grossrats Samuel Schmid. Von der Bildfläche verschwunden sind die Schweizer Demokraten, die vor vier Jahren auf einen Wähleranteil von gerade noch knapp 0,4 Prozent gekommen waren. 

Etwas mehr Frauen als 2011

Immer wieder ein Thema: Der nach wie vor eher geringe Frauenanteil auf den Wahllisten. Er liegt bei der SVP, der BDP und der EVP bei mageren 25 Prozent, bei FDP, CVP, und Grünliberalen bei 37,5 Prozent. Bei den Grünen herrscht Geschlechterparität, bei der SP sind die Frauen mit 56,25 Prozent der Kandidierenden in der Mehrheit.

Über alle Wahlvorschläge betrachtet liegt der Frauenanteil bei gut 36 Prozent. Das bedeutet immerhin eine leichte Steigerung gegenüber 2011, als er unter 34 Prozent gesunken war.

Die Nummerierung der Wahlvorschläge erfolgt aufgrund des Stimmenanteils bei den letzten Nationalratswahlen. Liste 1 stellt die wählerstärkste SVP, Liste 2 die SP, Liste 3 die FDP, Liste 4 die CVP, Liste 5 die Grünen, Liste 6 die BDP, Liste 7 die GLP, Liste 8 die EVP und Liste 9 die EDU.

Reicht eine Gruppierung mehrere Listen ein, die zum Beispiel nach Region, Alter oder Geschlecht aufgeteilt sind, erhalten diese die gleiche Ordnungsnummer und werden durch einen Kleinbuchstaben gekennzeichnet: Die Junge SVP zum Beispiel tritt mit der Liste 1a an.

Neben der SVP treten die Jungparteien von SP, FDP, CVP, Grünen, BDP, GLP, und EVP mit einer eigenen Liste an. Offenbar nicht bewährt haben sich Auslandschweizer-Listen: Vor vier Jahren hatten die SVP und die CVP erstmals als einzige Parteien separate Listen mit Auslandschweizern zu den Wahlen angemeldet. 

Ein Sitz mehr für den Aargau

Ausser Hans Killer von der SVP und Geri Müller von den Grünen treten alle bisherigen Aargauer Nationalräte und Nationalrätinnen erneut zu den Wahlen an. Spannend wird die Ausgangslage vor allem dadurch, dass der Aargau bei den Wahlen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung ein zusätzliches 16. Mandat zugesprochen erhält.

Kommt es nicht zu gewaltigen Verschiebungen bei den Wähleranteilen, dürfte die CVP beste Chancen haben, wenigstens einen der zwei 2011 verlorenen Sitze wieder zurückzuerobern. Matchentscheidend könnten die Listenverbindungen werden.

SVP, FDP und CVP haben sich zu einem Schulterschluss (als vierte ist die kleine EDU im Bunde) entschlossen, um den 16. Sitz auf alle Fälle ins bürgerliche Lager zu holen. Das Projekt, dem ein grosses Mitte-Links-Listenverbindungspaket gegenüberzustellen, ist gescheitert. SP und Grüne haben keine weiteren Listenverbindungspartner gefunden, dafür gehen BDP, Grünliberale und EVP eine Verbindung ein. Zur Diskussion steht, auch die Ecopop-Wahlliste in diese Verbindung aufzunehmen.

Die Listenverbindungen stehen noch nicht endgültig fest, die Parteien haben noch bis am 10. August Zeit, sie der Staatskanzlei mitzuteilen. Bis dann müssen auch die Wahlvorschläge inhaltlich bereinigt sein (Auswechslungen/Nachmeldungen von Kandidaten).

Für die Ständeratswahlen läuft die Anmeldefrist am 21. August ab. Frei wird der Sitz von Christine Egerszegi (FDP), Pascale Bruderer (SP) tritt für eine weitere Amtsperiode an. Bislang sind neun Kandidaturen bekannt.