Die Alpine Air Ambulance, kurz AAA, mit Basis im Birrfeld, rettet neu auch im Kanton Zürich. Dort ist Anfang Juli die Vormachtstellung der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) gefallen. Und dies, obwohl sie einen grossen Stützpunkt in Dübendorf hat.

Der Hintergrund: Die Vereinigung aller Blaulichtorganisationen "Schutz und Rettung Zürich" hat ein neues Prinzip installiert. Statt "Rega first" gilt jetzt das sogenannte Next-best-Prinzip. Es wird also diejenige Luftrettung aufgeboten, die am schnellsten vor Ort ist. 

Drei Anbieter in Zürich

Damit kommen in Zürich nun sogar drei Rettungsanbieter zum Zuge: neben den erwähnten Rega und AAA auch die deutsche Rettungsflugwacht DRF. Für Schutz und Rettung stellt dies eine markante Verbesserung der Bergung von Unfallopfern dar.

Gegenüber dem Landboten sagte Sprecher Urs Eberle: "Die Disponenten der Einsatzleitzentrale sehen nun im System die verfügbaren Helikopter von drei Organisationen. Daraus wählen sie das am schnellsten verfügbare Rettungsmittel für den jeweiligen Einsatz."

Problem: Wer bezahlt?

Für Verunfallte ist schnelle Hilfe ein grosser Vorteil. Geht es um Leben und Tod, können Sekunden entscheiden. Es gibt aber auch einen Missstand, der im Kanton Aargau diese Woche zu reden gab: Wer bezahlt am Ende die Rettungskosten?

Das Problem: Einem Gönner erlässt die Rega üblicherweise von Versicherungen nicht gedeckte Einsatzkosten. 2017 übernahm sie Rechnungen in Höhe von über 11 Millionen Franken. Bis vor einigen Jahren war es vor allem die 1952 gegründete Rega, die in der Schweiz Unfallopfer barg, entsprechend viele Gönner hat die Rega.

2017 waren es über 3,4 Millionen in der Schweiz. Durch deren Beiträge erhielt die Rega zusammen mit den Zuwendungen über 100 Millionen Franken.

Exemplarischer Fall im Aargau

Im Aargauer Fall kostete der Einsatz eines Rettungshelikopters für einen zusammengebrochenen 27-Jährigen 3000 Franken. Der junge Mann verstarb jedoch. Zwar hat die zuständige Versicherung die Hälfte der Kosten übernommen, die Eltern bleiben nun aber auf einer Rechnung 1500 Franken sitzen. Sie sind enttäuscht, weil ihr Sohn Rega-Gönner war. Die Rega argumentiert: Weil von der Einsatzleitzentrale Aargau die AAA aufgeboten wurde, komme sie für die Kosten nicht auf. Zurecht: Die Rega ist nämlich keine Versicherung.

Zwar wird im Aargau bereits seit 2013 statt der Rega standardmässig die AAA aufgeboten (ausser im unteren Fricktal), doch ist dies nur wenig bekannt.

Gönnerschaft hat keinen Einfluss

Mit diesem Problem ist jetzt auch der Kanton Zürich konfrontiert. Welche der Luftrettungsorganisationen Rega, AAA oder DRF die Einsatzleitzentrale von Zürich aufbietet, darauf hat ein Verunfallter keinen Einfluss, wie Urs Eberle von "Schutz und Rettung Zürich" bestätigt. 

Ein Ausweg: Bei der AAA ist ein Jahresbeitrag gleichzeitig eine Versicherung. Das bedeutet: Von ihr sind auch Einsätze der Rega gedeckt. Das dürfte zukünftig Einfluss auf die Zahl der Rega-Gönner haben. Wie schon im Aargau versucht die Rega jetzt auch im Zürcher Fall Ruhe zu bewahren. Dem Landboten sagte Sprecher Harald Schreiber: "Für uns ändert sich nichts."

Für Rega-Gönner aber schon.