Barbara Loppacher (44) weilt im Ausland in den Ferien, als sie von der Bundesversammlung in ein hohes Amt gewählt wird. Mit 187 von 201 Stimmen wird sie zur nebenamtlichen Richterin am Bundesstrafgericht ernannt. Es ist ein gutes Resultat, obwohl sie wie die anderen beiden SP-Mitglieder ein paar Stimmen weniger erhält als die bürgerlichen Kandidaten. 

Bilder vom letzten Verhandlungstag im Fall des Vierfachmords von Rupperswil:

Loppacher hat sich einen Namen gemacht als leitende Staatsanwältin im Prozess um den Vierfachmord von Rupperswil. Sie vertrat eine harte Linie und eine kreative Gesetzauslegung, indem sie unbeirrt eine lebenslängliche Verwahrung gefordert hatte, obwohl die Voraussetzungen nicht erfüllt waren. Als Anklägerin setzte sie ein Zeichen. Als Richterin wird sie nun eine neue Rolle haben.

Staatsanwältin Barbara Loppacher tritt nach dem Prozess vor die Medien

Staatsanwältin Barbara Loppacher tritt nach dem Prozess vor die Medien (März 2018)

Loppacher arbeitet weiterhin 100 Prozent als Staatsanwältin in Lenzburg. Zusätzlich wird sie 10 bis 15 Tage pro Jahr als Richterin in Bellinzona tätig sein. Bei ihrem Vorstellungsgespräch vor der Gerichtskommission in Bern stellten die National- und Ständeräte vor allem Fragen zur Vereinbarkeit der beiden Rollen. Loppacher sieht darin kein Problem. Auf Anfrage sagt sie: «Andere arbeiten 100 Prozent und engagieren sich nebenbei als Gemeinderat oder in einem Verein. Das gehört zu unserem Milizsystem.»

Ihr neues Amt ist allerdings etwas unberechenbar. Sie wird der neu geschaffenen Berufungskammer angehören, die als zusätzliche Instanz in Bundesstrafverfahren geschaffen wird. Da es keine Vergleichswerte gibt, könnte das Pensum auch kleiner oder grösser werden.
Loppacher wurde von ihrer Partei auf das Amt aufmerksam gemacht. Früher war sie Gerichtsschreiberin am Aargauer Obergericht, doch den Schritt zur Richterin habe sie nicht von langer Hand geplant. Sie habe sich relativ spontan beworben, sagt sie in ihr Handy, während sie in ihrem Auto in einem Parkhaus sitzt. Deshalb habe sie ihre Ferien schon gebucht gehabt, bevor der Wahltag festgestanden sei.