Im Redaktions-Konferenzraum, der in der Adventszeit zur Telefonzentrale umgenutzt wird, herrscht eine fröhliche Stimmung. Dass die Spenden dieses Jahr eher zögerlich anrollen, davon ist wenig zu spüren. «Wir freuen uns einfach über jeden Franken», sagt Edgar Zimmermann, Vizepräsident der Stiftung und Initiant der Spendenaktion für Ruanda.

Damals auf Anhieb überschwemmt

Sechs Personen sind anwesend. Sie gehören dem 21-köpfigen Team an, das zwischen Samichlaus und 22. Dezember die Spendentelefone entgegennimmt. Einzelne von ihnen sind seit der ersten Stunde dabei, mit andern Worten schon zum 18. Mal. So auch Marianne Zehnder, die sich wie Edgar Zimmermann sehr gut an die erste Spendenaktion 1993 im «Badener Tagblatt» erinnert.

Redaktor Edgar Zimmermann hatte an jenem 21. Dezember einen Spendenaufruf für Margrit Fuchs in der Zeitung platziert. Mit Folgen. Im Brugger Redaktionsbüro läutete tags darauf das Telefon konstant, sodass fürs Zeitungsmachen kaum Zeit blieb. «Bei uns zu Hause lagen an Weihnachten 1993 die Geschenke uneingepackt unter dem Christbaum, weil ich keine Zeit hatte», erinnert sich Marianne Zehnder, damals Redaktionssekretärin.

Bei Edgar Zimmermann war 1993 gar nicht an Weihnachten zu denken: «Ich hatte meine Privatnummer angegeben, und so läutete das Telefon am Heiligabend und am Weihnachtstag fast alle fünf Minuten.» 200 000 Franken seien damals zusammengekommen. «Wir hatten eine riesige Solidaritätswelle ausgelöst», erinnert sich Zimmermann.

Man hofft auf einen Endspurt

Heute ist die Stiftung längst professionell organisiert. Sie beschäftigt in Ruanda rund 40 Mitarbeitende, die nicht nur die Verteilung von Vieh und Schulgelder kontrollieren, sondern auch prüfen, ob dann die Schulleistung und die Viehhaltung auch stimmen. «Wir spüren eine grosse Dankbarkeit in der Bevölkerung», weiss Zimmermann.

In der Schweiz wird aber ehrenamtlich gearbeitet. Darauf ist Zimmermann stolz: «Bei uns kostet die Verwaltung nichts, sodass jeder Spendenfranken dort landet, wo er in Ruanda gebraucht wird.»

Das Telefon läutet immer wieder. Doch dieses Jahr liegen Anzahl und Summe der Spenden etwa halb so hoch wie in den besten Jahren. Man freut sich im Telefonteam dennoch über jede Vieh- oder Schulgeld-Spende und verdankt diese herzlich. Rund die Hälfte der Spenden erfolgen über E-Mail. Wie, was und wo man spenden kann, ist zu erfahren auf www.aargauerzeitung.ch/ruanda.

Stand:

557'540 Franken

SO KÖNNEN SIE SPENDEN
Die Weihnachts-Sammelaktion der AZ Medien für das Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda beginnt heute Dienstag, 29. November, und dauert bis Dienstag, 13. Dezember.
Ihre Spenden können Sie folgenden Zwecken widmen:

  • Waisenhilfe: Betreuung eines Kindes in einem Waisenhaushalt 150 Franken für ein Jahr, 75 Franken für ein halbes Jahr.
  • Schulgeld: Schulbesuch eines Kindes 150 Franken für ein Jahr, 75 Franken für ein halbes Jahr.
  • Vieh: Milchgeiss 80 Franken, Schwein 50 Franken, Kuh 600 Franken (auch ein Anteilbetrag ist möglich).
  • Institutionen des Hilfswerkes: Beliebiger Betrag für Betreuung Strassenkinder, Kinderheim, Lehrwerkstätten, Mütterstation, Spitalpatienten, Kleinkredite, Nothilfe u.a.m.

Spenden können Sie wie folgt:

Telefon 058 200 50 25
(werktags 08.00-12.00 und 13.30-17.00)
E-Mail: ruanda(at)azmedien.ch

Nach Bestellungseingang schickt das OK den Spenderinnen und Spendern einen Einzahlungsschein zu. Die Spenden sind bei den Steuern abzugsberechtigt. Das OK dieser Sammelaktion und der Stiftungsrat des Hilfswerkes verschicken aus finanziellen und administrativen Gründen keine Spendenbestätigung; bitte dem Steuerformular den Beleg der Post- oder Banküberweisung beilegen.

Direktüberweisungen sind wie folgt möglich: Raiffeisenbank Wasserschloss, 5412 Gebenstorf; Konto/IBAN CH42 8069 0000 0022 2228 0. Clearing-Nr. 80690. Post-Konto der Bank: 50-4158-4. Vermerk: Stiftung Margrit Fuchs Ruanda. Auch bei Direktüberweisung bitte Spende der Spendenzentrale melden, damit die Bestellungen detailliert nach Ruanda übermittelt werden können.

Jeder Franken fliesst nach Ruanda: Da in der Schweiz keine Kosten für Administration und Organisation anfallen, kommt jede Spende vollumfänglich den Bedürftigen in Ruanda zugute. Der Bund hat die Aufsicht über das Hilfswerk und die Stiftung inne.
Hilfswerk-Infos: www.ruanda.ch
Geleitworte

Geleitworte zur Jubiläums-Sammelaktion 2013

Bundesrätin Doris Leuthard

Nicht die Summe des Vermögens oder die Zahl der Titel messen den Wert eines Menschen – es sind seine Taten. Margit Fuchs war ein solch wertvoller Mensch; mutig, hilfsbereit, engagiert. Und all jene tun Wertvolles, die für ihr Hilfswerk direkt in Ruanda oder mit ihrem Beitrag aus der Schweiz zu Gunsten der Mittellosen mit anpacken. Getreu nach einem der Leitsätze von Margrit Fuchs – „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7, 20) – können auch wir Gutes tun, damit für die Menschen in Ruanda Gutes getan werden kann.

Micheline Calmy-Rey, alt Bundesrätin

Ich habe Margrit Fuchs zuerst im Bundeshaus in Bern kennengelernt, dann habe ich sie erneut getroffen, als ich 2007 auf einem offiziellem Besuch in Ruanda war. Ich bewunderte diese Frau, die sich für elternlose Kinder engagierte. Sie ermöglichte den Bau von Schulen und Geburtshäusern, sie hat Waisenhäuser erichtet. Ihr ganzes Leben hat sie Ruanda und seinen Kindern gewidmet. Waisenmutter war sie, was für ein Ehrenname! Heute wird ihr Werk weitergeführt und braucht ihre Spende!

Peter Wanner, Verleger

Margrit Fuchs hat Grossartiges geleistet und ich freue mich, dass Ihr Projekt auf professioneller Basis erfolgreich weitergeführt wird. Bei Spendenaktionen zugunsten von Projekten der Entwicklungshilfe frage ich mich immer: Kommt das Geld hoffentlich in die rechten Hände? Bei der Ruanda-Sammelaktion muss ich mich nicht fragen, denn da habe ich das Vertrauen, dass die wirklich Bedürftigen davon profitieren. Die Aargauer Zeitung und früher das Badener Tagblatt haben von Anfang an dieses Projekt tatkräftig unterstützt – dank der Solidarität ihrer Leserinnen und Leser. Seit Jahren beteiligen sich inzwischen auch die Limmattaler Zeitung, Solothurner Zeitung, das Grenchner Tagblatt, die bz Basel und bz Basellandschaftliche Zeitung mit ihrer Leserschaft an der Weihnachtssammlung und ermöglichen damit zusätzliche Hilfeleistungen in einem der ärmsten Länder.

Alphonse Muinyenntwari, Gouverneur Südprovinz Ruanda

Anlässlich des Besuchs der Stiftungsratspräsidentin Regula Gloor im Oktober in Ruanda fand ein Treffen mit dem Gouverneur der Südprovinz, Alphonse Munyenntwari, statt. Die Südprovinz umfasst eine Bevölkerung von rund 2 Millionen und besteht aus acht Distrikten, darunter Gitarama. Der Gouverneur äusserste dabei seine hohe Anerkennung für die vielfältigen Aktivitäten des Hilfswerkes. Da die Armutsbekämpfung ein wichtiges Ziel der Regierung ist, trage das Hilfswerk wesentlich dazu bei, diese Ziele in seiner Provinz schneller und besser umzusetzen, so durch den Bau neuer Schulhäuser, die Unterstützung der Schüler und Studierenden mit Schulgeldern sowie die Verteilung von Vieh an die arme Bevölkerung. „Für diese Hilfe bin ich der Stiftung und somit den Spendern in der Schweiz äusserst dankbar. Ich hoffe sehr, dass diese Aktivitäten auch in Zukunft fortgesetzt werden, denn sie sind für die arme Bevölkerung von sehr grosser Wichtigkeit.“

Kurzinformationen

Betreuung Waisenkinder

In der Provinz Muhanga/Gitarama, wo das Hilfswerk schwergewichtig tätig ist, leben Tausende von Waisenkindern in sogenannten Waisenhaushalten. Das älteste Geschwister sorgt für die jüngern, Hilfe oder Betreuung von aussen gibt es kaum. Das Hilfswerk Margrit Fuchs betreut heute 150 Waisenhaushalte, gibt den Kindern dreimal pro Woche eine Mahlzeit ab, sorgt für Kleidung, Schulgeld und Krankenkasse und betreut sie regelmässig durch eine erwachsene Person. 2014 sollen weitere Waisenhaushalte einbezogen werden.

Betreuung Strassenkinder

Gross ist die Zahl jener Kinder, die auf der Strasse leben. Sie sind zuhause ausgezogen, weil sie armutsbedingt nichts zu essen bekamen oder die Familienverhältnisse unerfreulich sind. Das Hilfswerk kann einen Teil von ihnen im eigenen Heim aufnehmen und versucht dann, sie in ihre Familien zurückzuführen, indem diese Unterstützung erhalten: mit Lebensmitteln und einer Viehspende. Auch versucht man, bestehende Konflikte zwischen Eltern und Kind zu lösen. Die wieder integrierten Kinder werden weiterhin betreut.

Begehrte Schulgelder

Aufgrund der grossen Armut sind viele Eltern nicht in der Lage, das Schulgeld für ihre Kinder aufzubringen und z.B. die vorgeschriebene Schuluniform und das Schulmaterial zu bezahlen. Deshalb müssen sie der Schule fernbleiben. Das Hilfswerk übernimmt derzeit für 900 Kinder das Schulgeld bis zu ihrem Schulaustritt – auch beim Besuch einer Sekundarschule oder einer höheren Schule. 2014 können weitere Kinder von Schulgeldzahlungen profitieren. 2013 hat das Hilfswerk sodann ein neues Schulhaus erbaut, 2014 ist ein weiteres geplant, um zusätzlichen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

Viehspenden als grosse Hilfe

Auch bei der diesjährigen Weihnachtsaktion können Spenderinnen und Spender einer notleidenden Familie Vieh spenden: eine Milchgeiss, ein Schwein oder eine Kuh. Das Vieh ist für die Familien ein riesiges Geschenk und eine Hilfe zur Selbsthilfe und zum Überleben. Der Staat schreibt neu vor, dass die bisher gehaltenen Kühe durch eine leistungsfähigere Rasse, die täglich um die 5-8 Liter Milch spendet, ersetzt werden müssen. Deshalb verdoppelt sich der Kaufpreis auf 600 Franken. Die „neuen“ Kühe liefern aber auch mehr Mist, der für das Düngen der Gärten und Felder sehr wertvoll ist.

Lehrlingsausbildung, Mütterstation und...

Die Aktivitäten des Hilfswerkes Margrit Fuchs sind sehr weitreichend. So können Jugendliche in Hilfswerk-eigenen Werkstätten eine Lehre absolvieren (Schreinerei, Mechanische Werkstatt, Schneiderei, Haushaltschule). Unterstützt wird sodann ein Geburtshaus, in dem Mütter in guter Obhut ihr Kind zur Welt bringen können. Mit Kleinkrediten wird Männern wie Frauen ermöglicht, einen eigenen kleinen Betrieb oder ein Geschäft aufzubauen und damit den eigenen Lebensunterhalt selber zu bestreiten. Mittellosen Spitalpatienten werden die Kosten bezahlt.

Ruanda Spendeninfos 2016