Es ist ein Einschnitt: In einem Monat, Mitte März, wird Mirjam Bolliger ihr Fotogeschäft im Städtchen schliessen. Zehn Jahre hat sie Foto A–Z an diesem Standort geführt, zuvor 14 Jahre lang am Achenbergweg im ehemaligen Laden des verstorbenen Fotografen Willy Guyer, bei dem sie die Lehre absolviert hatte.

Jammern über das Ende will sie aber nicht. Zu lange hat sie sich schon mit der Frage auseinandergesetzt, ob das Weiterführen ihres Geschäfts im Städtchen noch Sinn macht. Und nun läuft der fünfjährige Mietvertrag aus. «Es ist schade um jeden Laden, der schliesst», unterstreicht sie. «Es tut schon auch weh, aber das ist eine Folge der digitalen Entwicklung.»

Damit spricht sie den starken Wandel an, dem die Fotobranche in den letzten Jahren unterlag. «Ich habe mein Geschäftsmodell in all den Jahren immer wieder anpassen müssen.» Einerseits ist da die digitale Entwicklung, sprich die Verbesserung der Technik: Die Fotoapparate wurden so gut, dass auch Hobbyfotografen mit wenig Technikverständnis ordentliche Bilder schiessen können. «Auch die Bildqualität von Handys hat sich in kurzer Zeit stark verbessert», sagt sie.

«Viele mit weniger Qualität zufrieden»

Zugleich sei die Kundschaft heute weniger anspruchsvoll. «Viele sind mit einer deutlich geringeren Qualität zufrieden», sagt Bolliger und erinnert sich: «Wer früher einen Film mit 36 Bildern entwickeln liess, hatte Ansprüche.» Heute klicke man beim selben Sujet mehrfach auf den Auslöser. Und die Zeiten, als Fotografen Bilder von einem Grossanlass wie dem Winzerumzug in ihrem Schaufenster ausstellten und die Kunden Abzüge kauften, seien längst vorbei.

Das Verkaufsgeschäft von Kameras und Zubehör ist längst in den Online-Handel abgewandert. Zu spüren bekam Mirjam Bolliger aber auch, dass Schweizer Staatsbürger seit 2010 biometrische Passbilder zwingend in einer kantonalen Passstelle machen lassen müssen. Anders als Ausländer, bei denen diese Dienstleistung nach wie vor gefragt ist.

«Gehe viel häufiger zum Kunden»

Der Laden hat damit seine Funktion als Verkaufsort zu einem guten Teil verloren. «Ich brauche ihn nicht mehr», sagt sie. Dazu kommt: «Als Fotografin gehe ich heute viel häufiger zum Kunden.» Deshalb muss sie den Laden tagsüber immer wieder schliessen. Feste Öffnungszeiten lassen sich dadurch nicht mehr einhalten. Auch eine Lernende auszubilden, ist so unmöglich geworden. Mirjam Bolliger bleibt als Fotografin tätig, verkleinert aber ihr Pensum und nimmt eine Teilzeit-Festanstellung in einem KMU an. Als Fotografin bezieht sie ein Büro mit kleinerem Studio am Sommerweg, im Bürogebäude der Schreinerei Ernst Keller AG, die ihr Ehemann Rolf Keller führt.

«Foto A–Z bleibt damit bestehen», unterstreicht sie. Professionelle Studiofotos für Privatkunden, vor allem Familien oder Personen auf Stellensuche, seien nach wie vor gefragt. Zudem wird sie weiterhin Aufträge für Feiern wie Hochzeiten übernehmen.