Die Europäische Union geht schärfer gegen Geldwäscherei und Steuerhinterziehung vor. Alle 28 EU-Staaten müssen künftig erstmals Register mit den Eigentümern von Unternehmen und Stiftungen führen. Entsprechende Anti-Geldwäscherei-Regeln beschloss das Europaparlament gestern in Strassburg.

Damit will die EU verhindern, dass Briefkastenfirmen Schwarzgeld aus Drogenhandel oder Terrorismus waschen können. Polizei und Strafbehörden, aber auch Medienschaffende haben Einsicht in die öffentlichen Register. Die EU-Staaten müssen die Richtlinie binnen zwei Jahren in nationales Recht umsetzen. Die EU-Staaten hatten dem Kompromiss bereits zugestimmt.

Die zentralen Register sollen offenlegen, wer hinter einer Firma steht und von den Geschäften profitiert. Registriert werden sowohl Privatpersonen wie auch Stiftungen oder Treuhandgesellschaften. Zudem sind Banken, Rechnungsprüfer, Anwälte, Immobilienmakler und Spielcasinos aufgerufen, verdächtige Tätigkeiten ihrer Kunden zu melden.

Noch strengere Regeln gelten für das Geschäftsgebaren hochrangiger Politiker, Richter und Parlamentsabgeordneten sowie deren Angehörige. Dahinter steckt die Einschätzung, dass diese Gruppen anfällig für Korruption sind.

Transfer von Geldern verfolgen

Geldwäscherei macht nach Angaben des Europaparlaments zwischen zwei und fünf Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus. Das entspricht nach Schätzungen des SPD-Europaabgeordneten Peter Simon rund 1600 Milliarden Dollar pro Jahr. Das Parlament beschloss auch neue Regeln, die es leichter machen sollen, den Transfer von Geldern nachzuvollziehen.

Die EU-Abgeordneten begrüssten das europäische Vorgehen. Nils Torvalds von den Liberalen (ALDE) sagte: «Finanz-Straftaten kennen keine Grenzen und unsere Gesetze müssen mit ihnen Schritt halten.»

Wichtig ist nach Ansicht der Parlamentarier nun, dass die nationalen Register untereinander vernetzt werden und die Zugangsrechte in allen Ländern auch tatsächlich gelten.