Bereits 2011 war Christchurch mit einer Tragödie konfrontiert, als ein starkes Erdbeben grosse Teile der Stadt zerstörte. Stefi Porter erlebte damals das Erdbeben hautnah mit. 8 Jahre später folgt die nächste Tragödie: Terroristen töteten in zwei Moscheen 49 Menschen.

Es ist Freitag, 23 Uhr in Christchurch, als wir die Lengnauerin telefonisch erreichen. Sie ist nach diesem Tag, verständlicherweise, sehr müde, aber trotzdem bereit, uns zu erzählen, wie sie sich fühlt.

Stefi Porter, wie erfuhren Sie vom Attentat?

Stefi Porter: Ich hatte gerade meine Arbeit bei der Stadt beendet und wollte meinen Sohn von der Schule abholen als ein «Lockdown», eine Vollsperrung, vermeldet wurde. Das bedeutete, dass wir im Büro bleiben mussten und nicht mehr auf die Strasse durften. Zuerst hatten wir keine Ahnung, was los war, aber dann kamen im Halbstundentakt immer neue Informationen rein – und die wurden immer schlimmer!

Was war mit Ihrem Sohn?

Die Kindergärten und Schulen wurden geschlossen und mein Sohn musste im Schulzimmer bleiben. Die Lehrer haben alles super gehandhabt. Sie haben den Kindern aber nicht erzählt, was passiert ist. Das wird dann die Aufgabe von meinem Mann und mir sein, unserem Sohn diese Geschehnisse zu erklären. Ich verstehe es ja selbst noch gar nicht und bin jetzt auch immer noch viel zu schockiert, um darüber nachzudenken.

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Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Attentat hörten?

Zuerst ist mir regelrecht schlecht geworden! Ich finde keine Worte für dieses Attentat, es ist einfach nur unglaublich. Warum tut jemand so etwas? Und warum ist das in Christchurch passiert, schon fast am Ende der Welt? Ich kenne Christchurch nur als friedliche Stadt, hier leben so viele Menschen mit den verschiedensten kulturellen Hintergründen zusammen. Und normalerweise tragen nicht einmal die Polizisten Waffen.

Ich finde es auch ganz schrecklich, dass da einer mit einer GoPro-Kamera alles gefilmt und auf Social Media live übertragen hat. Ich bin froh, habe ich das Video selbst nicht gesehen und habe auch meinen Freunden über meine Facebook-Seite mitgeteilt, dass ich davon abrate, sich das anzuschauen. Man soll Hass keine Chance geben.

Was denken Sie, hat das Attentat für Auswirkungen auf Christchurch?

Es ist einfach nur schrecklich für die betroffenen Menschen, für die Angehörigen, für die ganze Stadt. Obwohl hier mehr als 350 000 Menschen leben, ist es eine kleine, enge Stadt. Jeder wird jemanden kennen, der von diesem Attentat betroffen ist. Der Arbeitskollege eines Kollegen von mir ist getötet worden. Und ich weiss im Moment von einem Studenten, dass er im Spital ist, weil er in der Moschee war. Es sind sicher noch mehr Studenten betroffen, aber Namen von Betroffenen wurden noch nicht veröffentlicht.

Haben Sie jetzt mehr Angst?

Bei uns in der Nähe ist eine Autobombe platziert worden, die zum Glück nicht detoniert ist. Das macht natürlich Angst. Im Grossen und Ganzen fühle ich mich in dieser Stadt aber immer noch sicher. Ich habe grosses Vertrauen in die Polizei.