Das Unternehmen hat alle Konten des Texaners mit der krächzenden Stimme und den haarsträubenden Thesen gesperrt. Seine 1,7 Millionen Follower erreicht Jones nicht mehr. In den Tagen zuvor blockierte bereits die Video-Plattform Youtube den Infowars-Kanal. Apple und Spotify nahmen die Podcasts des «Info-Kriegers» vom Netz und selbst das Foto-Netzwerk Pinterest sperrte Jones’ Account.

Die Firmen bezeichnen den radikalen Schritt als Teil einer neuen Strategie, mit der man die Verbreitung von Falschinformationen über das Internet eindämmen wolle. Besonders Facebook musste sich in den vergangenen Wochen viel Kritik gefallen lassen für seine Rolle bei der Verbreitung sogenannter «Fake News».

Und Alex Jones – so unbekannt er in Europa auch ist – ist einer der mächtigsten «Fake News»-Produzenten der USA. Rund 10 Millionen Zuschauer erreicht er mit seinen Videos jeden Monat. Seine Radioprogramme werden auf über 60 Stationen ausgestrahlt, und selbst US-Präsident Donald Trump gratulierte dem umstrittenen TV-Star während des Wahlkampfes 2016 zu seiner Show.

Obama und die Amok-Opfer

Diese Show funktioniert nach einem einfachen Muster: Der bullige Jones sitzt (mal im Anzug, mal oben ohne) vor einer Leinwand, über die Fernsehbilder und US-Flaggen flimmern. Vor sich ein Mikrofon und ein Schreibtisch, auf dem sich Papierstapel türmen: ausgedruckte Artikel und Studien, die seine Thesen untermauern sollen. Jones legt los, bis zu vier Stunden am Stück, ohne Skript. Mal flüstert, oft schreit er, häufig mit weit aufgerissenen Augen. Er beherrscht die Dramaturgie des Skandals, unterlegt seine verquere Weltsicht mit martialischer Musik.

Was auf den ersten Blick aussieht wie eine Comedy-Darbietung, ist in Wirklichkeit brandgefährlicher Polit-Talk. Jones verbreitet nicht nur die klassischen Verschwörungstheorien über die gefälschte Mondlandung oder die vermeintliche Verwicklung der amerikanischen Regierung in die Anschläge am 11. September. Er kreiert auch seine ureigenen «Fake News». Etwa jene Geschichte über den 2012 verübten Amoklauf an der Primarschule Sandy Hook, bei dem 20 Kinder ums Leben kamen. Jones behauptet, das Ganze sei eine Inszenierung der Obama-Regierung gewesen, um die Öffentlichkeit für strengere Waffengesetze zu gewinnen. Die Überlebenden des Attentats, die in den Medien zu Wort kämen, seien vom Staat bezahlte Schauspieler.

Jones steht seit vergangener Woche vor Gericht für die Hetzkampagne gegen die Sandy-Hook-Überlebenden. Die Eltern der ermordeten Kinder klagen gegen ihn, weil er ihre Adressen publik gemacht hat und sie seither von Jones-Anhängern Tag und Nacht als Lügner beschimpft werden.

Nicht minder gefährlich ist Jones’ Behauptung, die Abtreibungs-Befürworter seien Teil einer Gruppe, die den «white genocide», den «Weissen Völkermord», vorantrieben. Jones kolportiert, dass geheime Strippenzieher an der Ausrottung der «Weissen» arbeiteten und dazu Abtreibungen einfacher machen und Mischehen fördern wollen.

Ratgeber für den Atomkrieg

Die jüngste Verbannung aus dem digitalen Reich von Facebook & Co. hat Jones keinesfalls demütig gemacht. Seiner digitalen Reichweite beraubt, zog er sich auf die einzige verbleibende Plattform zurück, die ihn noch nicht gesperrt hat: Twitter. Dort richtet er sich fast stündlich an seine 850'000 Follower, unter anderem mit einem Video, in dem er von «kommunistischen Methoden» bei Facebook spricht. «Wir wurden zensiert, weil wir die Wahrheit kennen», schreit Jones ins Mikrofon. Er spricht von einem «Schlachtplan» gegen ihn und ruft seine Anhänger auf, ihn zu unterstützen und seine Produkte zu kaufen.

Denn Jones ist nicht nur TV-Kommentator, er ist auch Online-Händler. In seinem Shop verkauft er Vitaminpräparate, Gasmasken und Survival-Bücher für den Atomkrieg, Hormonfilter für den Wasserhahn, Notfall-Menüs für den Bunker und Patronen-Schmuck. Laut dem «Spiegel» erzielt Jones rund zwei Drittel seiner Einnahmen mit dem Verkauf dieser Produkte. Kein Wunder also, dass der Texaner in dieser schweren Stunde umso mehr für seine Bestseller wirbt und seine Follower daran erinnert: «Ihr seid das Blut in den Adern dieser Operation.»

Wie lange Jones dem Druck standhalten kann, ist schwer zu sagen. Kampflos aufhören wird der einstige American-Football-Spieler nicht. Nicht einmal jetzt, wo die «Atombombe der Zensur» auf ihn abgeworfen worden ist.