Der Waffenstillstand von Genf liegt in Trümmern, das Assad-Regime verwandelt Aleppo in ein Inferno. Rund um die Uhr greifen syrische und russische Kampfbomber die eingeschlossenen 250 000 Bewohner an, um den von Rebellen gehaltenen Osten der Stadt sturmreif zu schiessen. Augenzeugen sprechen von den schlimmsten Stunden, die sie je erlebt haben. Ganze Strassenzüge stehen in Flammen.

«Die Angriffe sind so fürchterlich, es ist einfach unbeschreiblich», sagte ein Sprecher der Weisshelme, die tags zuvor in Stockholm mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden waren. Bereits Stunden nach der Ehrung zerstörte das Assad-Regime drei ihrer vier Einsatzzentren in Aleppo, der Krankenwagen und die Feuerwehr der Helfer sind auch Schrott. Gleichzeitig kündigte der syrische Generalstab eine Grossoffensive gegen die geteilte Stadt an, während die Lebensmittel für die eingeschlossenen Menschen an der türkisch-syrischen Grenze verrotten. «Nur ein Wunder kann uns noch vor dem sicheren Tod retten», sagte ein Arzt.

Die Diplomaten sind frustriert

In New York trafen sich in eisiger Atmosphäre die Staaten der Syrienkontaktgruppe. Die Diplomaten gingen ohne Ergebnis auseinander, nachdem sich die russische Seite kategorisch geweigert hatte, die Angriffe der eigenen und der syrischen Luftwaffe auf die Zivilbevölkerung zu stoppen. «Das Treffen war lang, schmerzhaft und enttäuschend», erklärte UNO-Syrienvermittler Staffan de Mistura. Stattdessen stehe Aleppo wieder unter Beschuss und jeder kehre zurück in den Konflikt. Im Blick auf einen möglichen neuen Waffenstillstand gäben die nächsten Stunden oder Tage den Ausschlag – «entweder sie schaffen es, oder alles ist kaputt».

Auch US-Aussenminister John Kerry machte aus seiner Frustration keinen Hehl. Wenn die Russen mit konstruktiven Vorschlägen kämen, würde man ihnen zuhören, sagte er. «Der Schlüssel aber ist, die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, die nicht mehr existiert.» Sein deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier nannte die Bombardierung des humanitären Konvois «einen Tiefpunkt». Was vor wenigen Tagen noch in mühsamer Arbeit zwischen dem amerikanischen und dem russischen Aussenminister ausgehandelt worden sei, drohe in diesen Stunden im Bombenhagel der syrischen Armee unterzugehen.

Russland für Angriff verantwortlich

Derweil verdichten sich die Hinweise, dass syrische und russische Kampfflugzeuge für den bestialischen Angriff auf einen UNO-Hilfskonvoi im Städtchen Uram al-Kubra westlich von Aleppo verantwortlich sind. Augenzeugen zählten nicht weniger als 20 Raketeneinschläge und Detonationen von Fassbomben. Nach ihren Angaben dauerte der Beschuss aus der Luft zwei Stunden. US-Oberbefehlshaber Joseph Dunford erklärte vor dem US-Senat, in der Bombennacht seien russische und syrische Kampfjets über dem Gebiet gewesen. «Ich habe keinen Zweifel, dass die Russen verantwortlich sind, ich weiss nur nicht, welche der Flugzeuge die Bomben geworfen haben», sagte er. Anders als von Moskau behauptet, hätten sich weder Drohnen noch Kampfjets der westlichen Anti-IS-Koalition in der Region aufgehalten. Auf Handyvideos von Augenzeugen sind am Himmel Leuchtspuren von abgefeuerten Raketen zu sehen und Geräusche von Flugzeugen zu hören. Ein wichtiges Indiz sind auch die Reste eines russischen Geschosses, die Helfer in einem Einschusskrater in der Lagerhalle des Syrischen Roten Halbmondes fanden. Splitterbomben dieses Typs werden in Syrien nur von russischen und syrischen Angreifern eingesetzt.

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