Auf Wunsch des Verstorbenen traten die früheren Präsidenten Barack Obama und George W. Bush am Samstag als Trauerredner auf. Sie würdigten McCain als selbstlosen Politiker, der "das Land besser gemacht" habe. Trump, der auf Wunsch McCains nicht eingeladen war, ging währenddessen Golf spielen.

Die Trauerredner vermieden es, den abwesenden Präsidenten beim Namen zu nennen. Dennoch durchzog Kritik an Trumps polarisierendem Politikstil die Ansprachen in der Washingtoner Nationalkathedrale, in der sich viele prominente Vertreter der verschiedenen politischen Lager versammelt hatten, darunter die Ex-Vizepräsidenten Al Gore, Dick Cheney und Joe Biden sowie die Ex-Aussenminister Henry Kissinger, Madeleine Albright und John Kerry.

Der Demokrat Obama würdigte den Republikaner McCain als "aussergewöhnlichen Mann", der das Beste an Amerika verkörpert und auch ihn zu einem besseren Präsidenten gemacht habe. In offenkundiger Abgrenzung zu Trump fügte Obama hinzu: "Unser öffentliches Leben kann kleinkariert erscheinen, bösartig, schäbig, voller Beleidigungen und Selbstgefälligkeit. Das ist eine Politik, die Mut und Stärke nur vorgibt, in Wahrheit aber auf Angst beruht."

Tochter Meghan: "Amerika von John McCain war schon immer gross"

Auch die Würdigung des republikanischen Ex-Präsidenten Bush liess sich als Distanzierung zu Trump verstehen. "John war vor allem ein Mann mit Haltung", sagte Bush. "Er hat die Würde jedes einzelnen Lebens respektiert - eine Würde, die nicht an Grenzen haltmacht und die nicht vor Diktatoren weicht."

Die schärfste Distanzierung kam von McCains Tochter Meghan, die auf Trumps Wahlkampfslogan "Macht Amerika wieder gross" anspielte: "Das Amerika von John McCain muss nicht wieder gross gemacht werden, denn das war es schon immer", sagte sie. "Wir betrauern hier auch einen Verlust an amerikanischer Grösse - wahre Grösse, nicht die billige Rhetorik von Männern, die niemals auch nur annähernd so viele Opfer gebracht haben wie er." Für ihre Rede erntete Meghan McCain lang anhaltenden Applaus der Trauergemeinde.

McCain wollte Trump nicht an Trauerfeier

Dass Trump nicht eingeladen wurde, hatte Senator McCain so verfügt. Das Verhältnis der beiden Republikaner war von tiefer gegenseitiger Abneigung geprägt gewesen. McCain war einer der schärfsten Kritiker des Präsidenten. Trump hatte im Wahlkampf in Anspielung auf McCains Gefangenschaft im Vietnam-Krieg gesagt: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden." Nach McCains Tod hatte er sich erst nach tagelangem Zögern zu einer Würdigung durchringen können.

Während der Trauerfeier fuhr Trump auf einen seiner Golfplätze. Er traf just in dem Moment auf der Anlage im Bundesstaat Virginia ein, als Ex-Präsident Bush seine Trauerrede für McCain begann. Bei der Zeremonie liess er sich von Verteidigungsminister Jim Mattis und Stabschef John Kelly vertreten. Auch Trumps Tochter Ivanka und Ehemann Jared Kushner waren in der Washingtoner Kathedrale dabei.

Am Samstagmorgen war der Sarg mit den sterblichen Überresten McCains vom Kapitol, wo er am Freitag aufgebahrt worden war, zur Kathedrale gebracht worden. Auf dem Weg dorthin hielt der schwarze Leichenwagen am Mahnmal für die Vietnam-Veteranen an, wo die Witwe Cindy McCain einen Kranz niederlegte. Auch McCains 106-jährige Mutter Roberta und seine sieben Kinder nahmen an der Trauerfeier teil.

"Heute haben wir unseren Helden, unseren Freund, unseren Mentor, unseren Vater und unseren Ehemann verloren", schrieb Cindy McCain im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Wir trauern zusammen und machen zusammen weiter."

McCain war am Samstag im Alter von 81 Jahren an einem Gehirntumor gestorben. Am Sonntag sollte er auf dem Friedhof der Marineakademie in Annapolis im Bundesstaat Maryland beigesetzt werden.

Verstorbene Prominente im 2018