Insgesamt seien bisher 185 Menschen lebend geborgen worden, teilte der Krisenstab der Regierung mit. Die Zahl der Toten erhöhte sich am Donnerstag auf 534. Die Hoffnungen schwanden, noch weitere Menschen lebend zu finden. Dennoch suchten Rettungsmannschaften weiter nach Verletzten und Toten. Bisher wurden 2300 Verletzte registriert.

Schneeregen erschwerte in der Provinz Van die Bedingungen für Überlebende des Bebens. Tausende Menschen kämpfen in der klirrenden Kälte ums Überleben. Die Versorgung läuft schleppend. Zelte fehlen. Frauen und Männer, Kinder und Greise müssen im Freien campieren. Und in der Nacht zu Donnerstag fiel der erste Schnee.

Hilfe aus dem Ausland trifft ein

Aus dem Ausland traf erstmals Hilfe für die Erdbebenopfer ein. Sechs EU-Länder boten zusammen 2300 winterfeste Zelte an. Israel lieferte am Donnerstag in einem Flugzeug Wohncontainer nach Ankara, die mit Lastwagen in die Provinz Van gefahren werden sollen.

Zudem wurden Hilfslieferungen der UNO erwartet, die Tausende Zelte sowie Decken und Matratzen einfliegen wollte. Das Schweizerische Rote Kreuz liefert Zelte, Decken und Heizöfen, wie die Organisation am Mittwoch mitgeteilt hatte.

Zana kritisiert Regierung

Die türkische Regierung hatte zunächst internationale Hilfe abgelehnt und erst darum gebeten, nachdem sich die Versorgungslage im Katastrophengebiet stark verschlechtert hatte. Die Ablehnung kritisierte die international bekannte Kurdenpolitikerin Leyla Zana am Donnerstag scharf.

"Wäre die Türkei ein entwickeltes Land, hätte sie internationale Hilfe angenommen. Die Rettungsarbeiten hätten viel schneller vorankommen können", sagte Zana der Nachrichtenagentur dpa im vom Erdbeben zerstörten Dorf Güvecli.

Gül verzichtet auf Besuch

Am Donnerstag kündigte Staatspräsident Abdullah Gül zunächst für Freitag einen Besuch im Katastrophengebiet an, sagte diesen dann aber wieder ab. Türkische Medien berichteten, ihm sei davon abgeraten worden, weil dies die Rettungsarbeiten erschweren könne.