Handelskrieg – das könnte zum Unwort des Jahres werden. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump schon im Wahlkampf und in seinem ersten Amtsjahr mit Handelsbeschränkungen gedroht, doch niemand nahm das wirklich ernst, denn schliesslich war Trump ein international tätiger Geschäftsmann.

Das änderte sich am 22. Januar 2018: Trump verfügte Zölle auf importierten Waschmaschinen und Solarzellen. Keine grosse Sache, eher Symbolpolitik, dachten viele – Waschmaschinen-Importe machen pro Jahr nicht einmal eine Milliarde Dollar aus.

Doch Trump ging weiter. Am 8. März verkündete er Zölle auf Stahl und Aluminium. Die EU, Kanada und Mexiko nahm er vorerst davon aus. Der nächste Schlag kam am 2. April und richtete sich gegen China, die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt. Trump warf China unfaire Handelspraktiken vor, doch die Reaktion folgte umgehend: China führte seinerseits Zölle auf Importen aus den USA ein.

Am 18. Mai folgte die EU dem Beispiel Chinas und drohte ihrerseits mit Strafzöllen – im Juni wurden diese dann tatsächlich wirksam. Kurz darauf zog Kanada nach. Dann auch Mexiko. Seither spricht man von Handelskrieg.

Am 15. Juni belegte Trump weitere chinesische Produkte im Umfang von 50 Milliarden Dollar mit Zöllen. Wieder rächte sich China mit Gegen-Zöllen.

Am 10. Juli ging Trum noch weiter. Nun kündigte er an, chinesische Importe in der Höhe von 200 Milliarden Dollar zu besteuern.

Der EU-USA-Gipfel vom Mittwoch verhinderte nun vorerst eine weitere Eskalation. Trotzdem lautet die vorläufige Bilanz nach Zählung der «New York Times»: Ausgelöst von Trumps anfänglicher Waschmaschinen-Besteuerung sind nun 10 000 Produkte Teil des Handelskriegs. Etwa 90 Prozent der Importe aus China könnten, wenn Trump alle Drohungen wahr macht, mit Zöllen belegt sein. Im Gegensatz zur EU ist zwischen Amerika und China keine Entspannung in Sicht.  Patrik Müller