Bisher trippelte der braune Hengst bei offiziellen Anlässen zu Blasmusik über das Pariser Kopfsteinpflaster. Nun kam ihm die seltene Ehre zu, in Begleitung eines Veterinärs und eines Pflegers per Spezialflugzeug nach China zu fliegen.

Die Kosten der Reise sind nicht bekannt, hingegen ihr Zweck: «Vésuve» ist ein Geschenk von Emmanuel Macron an den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping. Der soll sich 2014 in Paris fasziniert über die berittene Republikanergarde geäussert haben.

Macron revanchiert sich mit dem achtjährigen Wallach für den Panda, den das Reich der Mitte unlängst den Franzosen geliehen hat und dem die Präsidentengattin Brigitte Macron Patin steht. China-Kenner in Paris verweisen auf den passenden Umstand, dass «Makelong» auf gut Mandarin so viel bedeute wie «das Pferd, das den Drachen besiegt».

Die Art, wie sich Macron dem ehemaligen Kaiserreich nähert, ist, wenn nicht anbiedert, so doch rundum friedfertig. Seine «Pferde-Diplomatie» ist sozusagen der verlängerte Arm seines Ansatzes, «mit allen zu reden», wie sich der charmante Staatschef ausdrückt. Und zwar unterschiedslos, ob es sich um eine «Freundin» wie die deutsche Kanzlerin Angela Merkel oder einen Despoten wie den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad handelt.

Mit Putin auf Schloss Versailles

Seit seinem Amtsantritt hofierte Macron schon dem russischen Staatschef Wladimir Putin auf Schloss Versailles; den US-Präsidenten Donald Trump lud er als einzigen Ehrengast an die Truppenparade des französischen Nationalfeiertages. Macron mag die prunkvolle Symbolik solcher Anlässe, die französisches Prestige herausstreichen und bei den Franzosen auf Wohlwollen stossen.

Meist zumindest: Seine hilfsbereiten Kontakte zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman bewirken auch in Paris Stirnrunzeln; und als Macron am vergangenen Freitag den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan empfing, ohne die Fälle inhaftierter Franzosen in Istanbul auszureizen, erklärte sogar eine Mehrheit der Franzosen in einer Umfrage, das Treffen sei deplatziert gewesen.

Zu seiner China-Reise listen Pariser Blätter die jüngsten Menschenrechtsverstösse Pekings auf. Macron geht es demgegenüber eher darum, über die erwarteten Aufträge für den europäischen Flugzeugbauer Airbus, die zivile französische Atomindustrie oder die französische Supermarktkette Auchan zu sprechen. 50 Unternehmenschefs begleiten Macron im zweiten Flugzeug, dem des Präsidenten.

Frankreich-Europa-China-Allianz

Im Wissen, dass Trump, Merkel oder die britische Premierministerin Theresa May innenpolitisch absorbiert sind, schlägt der 40-jährige Franzose den Chinesen eine «Partnerschaft» im wirtschaftlichen, diplomatischen und sogar ökologischen Bereich vor. Am Montag startete er seine mehrtägige China-Visite – seine erste als gewählter Präsident – mit dem Besuch der ehemaligen Kaiserstadt Xian.

Die Seidenstrasse, die von Peking derzeit neu aktiviert wird, dürfe nicht eine Einbahnstrasse sein, meinte er, bevor er am Abend mit Xi in Peking zusammentraf. Dort plädierte er für mehr chinesischen Druck auf Nordkorea sowie eine wirtschaftliche «Allianz Frankreich-Europa-China».

Unerwähnt blieb eine sehr kritische, 466-seitige Studie der EU-Kommission über die wettbewerbsverzerrenden Dumpingpraktiken der 150 000 chinesischen Staatsfirmen unter Aufsicht der Kommunistischen Partei. Macron weiss natürlich davon und er beteuert auch, dass er die Dinge beim Namen nenne.

Die Frage ist nur, ob dies gegenüber Peking wirkt, wenn zugleich eine lächelnde Geschenkdiplomatie betrieben wird. Dies schliesse keineswegs aus, in der Sache hart zu bleiben, wenden Pariser Diplomaten ein. Auf jeden Fall offenbart der französische Spagat die zunehmende Hilflosigkeit der Europäer gegenüber einer chinesischen Wirtschaftsmacht, in die jeden Tag 450 Millionen Euro aus der EU abfliessen, wie die Brüsseler Kommission errechnet hat. Da scheint es gar nicht so sicher, dass der Drache wirklich gegen das Pferd unterliegt.