Der Deutsche Bundestag ist deutlich schneller als die künftige Regierung. Während die Verhandlungen über eine Grosse Koalition erst morgen Mittwoch beginnen, ist das Plenum des deutschen Parlaments schon komplett und kommt heute zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Wenn die TV-Kameras dabei über die Reihen der CDU schwenken und ein bekanntes Gesicht erfassen, dann dürfte mancher vor dem Fernseher denken: Den kenn ich doch!

Tatsächlich ist einer der Neuen in den Reihen der CDU recht prominent: Der Schauspieler Charles M. Huber verkörperte in der TV-Serie «Der Alte» 1986 bis 1997 den Polizeikommissar Henry Johnson.

Eigentlich war Huber auf der hessischen Landesliste so weit hinten eingereiht, dass kaum jemand mit seinem Einzug in den Bundestag rechnete. Doch das gute Abschneiden der CDU bei der Wahl öffnete ihm doch die Parlamentspforte.

Der 56-Jährige ist der erste von zwei deutschen Abgeordneten mit afrikanischen Wurzeln. Sein Vater stammt aus dem Senegal, seine Mutter aus Bayern, Huber selbst wurde in München geboren und war früher SPD-Mitglied.

Nicht nur Integrationsthemen

Der andere, Karamba Diaby, wird Mitglied der SPD-Fraktion sein. Er wurde im Senegal geboren und kam 1985 zum Chemiestudium nach Sachsen-Anhalt, wo er in Halle hängen blieb.

Schon vor der Bundestagswahl hat er klargemacht, dass er sich in seiner politischen Tätigkeit in Berlin auf keinen Fall auf Integrationsthemen beschränken wolle.

«Münte» geht, die Gattin kommt

Nicht mehr im Bundestag vertreten wird der ehemalige SPD-Chef und Vizekanzler Franz Müntefering sein. Das rote Urgestein war insgesamt 32 Jahre lang Abgeordneter und schied mit dieser Wahl aus.

Doch der Name Müntefering bleibt erhalten, denn ab jetzt ist «Müntes» 40 Jahre jüngere Ehefrau Michelle (33) dabei. Sie zieht als Direktkandidatin aus dem Ruhrgebiet ins Parlament.

Grundsätzlich ist dieser Bundestag weiblicher als der vorige – und als der erste sowieso. 1949 betrug der Frauenanteil bescheidene 6,8 Prozent, 2009 lag er bei 32,8 Prozent, jetzt bei 36,3 Prozent.

Zu den neuen jungen Frauen gehört auch Cemile Giousouf. Die 35-Jährige aus Nordrhein-Westfalen ist deutsche und griechische Staatsbürgerin. Sie ist die erste Muslima, die für die CDU im Bundestag sitzt.

In die Kategorie «Pionier» fällt auch der Sozialdemokrat Matthias Ilgen aus Schleswig-Holstein. Der 29-jährige Veranstaltungskaufmann, der hauptsächlich im Bereich erneuerbare Energien tätig ist, hat eine Karriere als Wrestler hinter sich.

Er trat in den vergangenen Jahren als «Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen» in den Ring, war dabei immer der Böse (Heel) und das sehr gerne. Denn: «Man muss sich auch mal zum Deppen machen lassen.»

Daraus leitet der Veranstaltungskaufmann durchaus Vorteile für seine neue Tätigkeit ab: «Das dicke Fell, das man entwickelt, kann man in der Politik durchaus gebrauchen.» Auf seinen Kampfanzug will Ilgen im Plenum allerdings verzichten.

Die Opposition kriegt 12 Minuten

Den könnte die Opposition gut gebrauchen. Diese ist nämlich auf Zwergengrösse geschrumpft. Es wird 504 Koalitionsabgeordnete geben (311 CDU/CSU, 193 SPD), aber nur 127 Oppositionsabgeordnete (64 Linke, 63 Grüne).

Die Opposition kommt nicht einmal auf jene 25 Prozent der Abgeordneten, die nötig sind, um einen Untersuchungsausschuss einzuberufen oder ein Misstrauensvotum zu stellen. Von 60 Redeminuten gehen nur noch 12 an die Opposition.