Der Flug mit Indonesiens grösstem Billigflieger Lion Air aus der Hauptstadt Jakarta nach Pangkal Pinang, der grössten Stadt der Nachbarinsel Bangka, kostet nicht viel. Am günstigsten ist die Frühmaschine morgens um 6.20 Uhr.

Der beste Preis: 393'400 Indonesische Rupiah. Das hört sich nach viel Geld an, sind umgerechnet aber nicht einmal 26 Franken. Und das für einen Flug von einer Stunde und zehn Minuten über die Javasee.

Auf eben dieser Verbindung sind am Montag wahrscheinlich 189 Menschen ums Leben gekommen. Zuvor hatten die Behörden von 188 Menschen gesprochen.

Die Maschine, eine Boeing 737, stürzte kurz nach dem Start ins Meer. Ursache war offenbar ein technisches Problem. Der indische Pilot Bhavye Suneja, ein erfahrener Mann mit 6000 Flugstunden, bat noch um die Erlaubnis, umkehren zu dürfen. Aber da war es schon zu spät.

Leichenteile nach Absturz von Passagiermaschine gefunden

Eindrücke vom Einsatz der Rettungskräfte nach dem Absturz.

Die Wetterbedingungen galten zur Startzeit als gut. Kurz nach dem Absturz entdeckten Rettungstaucher im Meer vor der Insel Java etwa 70 Kilometer östlich von Jakarta die ersten Wrackteile und später auch Leichenteile. Auf Fotos in den Sozialen Netzwerken waren ein kaputtes Handy, eine zerrissene Tasche und ein Wrackteil zu sehen, das von der verunglückten Maschine stammen soll.

"Wir haben die Meeresoberfläche abgesucht und keine Überlebenden gefunden", sagte der Chef von Indonesiens Such- und Rettungsagentur, Muhammad Syaugi, der Nachrichtenagentur DPA.

An der Unglücksstelle trieb nach Stunden noch ein grosser Teppich aus Flugbenzin auf dem Wasser. Dazwischen schwammen grössere Wrackteile, ausserdem Rettungswesten, Handyhüllen, Ausweise, Führerscheine und verschiedene andere Dokumente. Unter den Todesopfern sind auch mehrere Beamte des indonesischen Finanzministeriums, die übers Wochenende in der Hauptstadt waren.

Das Wrack der Lion-Air-Maschine liegt nach Angaben der Behörden etwa 35 Meter weiter unten auf dem Grund der Javasee, die an dieser Stelle nicht besonders tief ist. Am Nachmittag (Ortszeit) konnten Taucher die ersten Todesopfer bergen. Hinweise auf Überlebende gibt es nach Angaben der nationalen Such- und Rettungsbehörde keine. Die Erfahrung lehrt, dass nach so vielen Stunden im Meer alle Hoffnung praktisch dahin ist.

Flugzeug erst zwei Monate alt

Der Absturz bringt die Billigflieger in die Schlagzeilen, von denen es in dieser Ecke Asiens noch mehr gibt als in anderen Teilen der Welt. In Indonesien mit seinen mehr als 250 Millionen Einwohnern ist die 1999 gegründete Lion Air der grösste, aber die Konkurrenz aus anderen Ländern wie Air Asia oder Scoot ist auch unterwegs. Billiger als in Asien lässt sich auf der Welt derzeit nirgends fliegen.

Die immer noch steigenden Bevölkerungszahlen, der wachsende Wohlstand, die neuen Spritspar-Modelle der Flugzeugbauer - all das sorgt dafür, dass die Geschäftsaussichten für die Billigflieger trotzdem rosig sind. In Indonesien mit seinen mehr als 17'000 Inseln spart man mit dem Flugzeug zudem enorm Zeit. Der Bedarf an Piloten und neuen Maschinen ist gross. Alle Gesellschaften erklären jedoch, dass an der Sicherheit keinesfalls gespart werde.

Die Unglücksmaschine war gerade einmal zwei Monate alt: Baujahr 2018, seit dem 15. August in Betrieb, erst 800 Flugstunden. Die Boeing 737 MAX 8 ist eine Neuauflage des Mittelstrecken-Klassikers, den die amerikanische Airbus-Konkurrenz seit den 1960er Jahren baut. Sie verbraucht deutlich weniger Kerosin als frühere Modelle. Die ersten Exemplare wurden vor zwei Jahren ausgerechnet an Lion Air ausgeliefert.

Der indonesische Billigflieger hatte 2013 schon einmal weltweit Schlagzeilen gemacht, als eine andere seiner Boeings vor Bali im Meer landete und auseinanderbrach. Zum Glück kam von den mehr als 100 Insassen damals niemand ums Leben.

Maschine hatte früher schon Probleme

Was jetzt besonders stutzig macht: Die abgestürzte Maschine hatte bereits an diesem Sonntag auf einem Flug von Bali nach Jakarta schon einmal ein technisches Problem. Der Vorstandschef von Lion Air, Edward Sirait, bestätigte dies am Montag. Er verwies aber darauf, dass die Maschine nach gründlicher Untersuchung durch die Technik eine Starterlaubnis bekommen habe. "Alles nach Vorschrift."

Kurz nach dem Abheben am Montag um 6.20 Uhr gab es dann wieder ein Problem. Der Pilot bat die Flugaufsicht um Erlaubnis, kehrt machen zu dürfen - warum genau, das sagten zunächst weder Fluglinie noch die Behörden. "Unser Pilot hat nach Vorschrift gehandelt", betonte Sirait auch dieses Mal. "Als er gesehen hat, dass es ein Problem gibt, hat er darum gebeten, zur Basis zurückkehren zu dürfen. Aber wir wissen, wie es zu Ende ging.

Flugzeug stürzt mit 189 Personen ins Meer

Ölteppich an der Unglücksstelle.