Das SMS erreichte Michael Cohen am Abend des 25. Oktober 2016, zwei Wochen vor der amerikanischen Präsidentenwahl. In der elektronischen Botschaft schrieb ein hochrangiger Vertreter des Klatschzeitschriftenherausgebers American Media: Cohen werde alsbald von einem Anwalt kontaktiert in einer Angelegenheit, die das Potenzial habe, «sämtliche» Beteiligte in ein schlechtes Licht zu stellen. Kurz darauf war Cohen am Telefon, um sich mit Redaktor Dylan Howard und David Pecker, Konzernchef von American Media und Freund von Donald Trump, zu besprechen. Dann wählte der New Yorker Anwalt, der damals im Dienste der Trump Organization tätig war, die Nummer des kalifornischen Fürsprechers Keith Davidson. Dieser vertrat unter anderem die Porno-Darstellerin Stormy Daniels und das ehemalige «Playboy»-Modell Karen McDougal.

So begann eine Affäre, die in den Augen amerikanischer Beobachter das Zeug hat, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nachhaltig Schaden zuzufügen. Cohen räumte nämlich am Dienstag vor dem Bundesgericht in New York ein, er habe im Wahlkampf vor zwei Jahren gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze verstossen, indem er Daniels, einer angeblichen Geliebten von Donald Trump, ein Schweigegeld von 130'000 Dollar überwiesen habe. Diese Zahlung, sagte Cohen, sei auf Veranlassung des heutigen Präsidenten erfolgt. Und sie habe das Ziel gehabt, die Wahl zu beeinflussen. Denn Trump oder zumindest seine Berater hätten Angst gehabt, dass ein öffentlicher Auftritt der Pornodarstellerin einem politischen Todesstoss gleichgekommen wäre. Trump hatte sich Ende Oktober gerade erst vom Wirbel erholt, der nach der Veröffentlichung einer alten Tonbandaufnahme entstanden war, in der er sich äusserst vulgär über Frauen geäussert hatte.

Schweigegeld an Pornostar

Cohen gab vor Gericht auch zu, das Schweigegeld an Stormy Daniels aus der eigenen Tasche bezahlt zu haben. Anschliessend sei er aber von der Trump Organization finanziell entschädigt worden. In seinem Schuldeingeständnis, dasvon der Staatsanwaltschaft veröffentlicht wurde, ist nachzulesen, dass die entsprechenden Mittel aus dem Treuhandfonds des Präsidenten stammten. Cohen wurde für seine Dienste, die auch Verhandlungen über Schweigegeldzahlungen an Karen McDougal umfassten, mit der Bezahlung der Summe von 420'000 Dollar belohnt.

Cohen droht nun eine mehrjährige Gefängnisstrafe, weil er sich am Dienstag auch des wiederholten Steuer- und Bankbetrugs für schuldig bekannte. Bevor er aber im Dezember sein Strafmass erfahren wird, will er seine Haut möglichst teuer verkaufen. Deshalb bot sein Sprecher und Anwalt Lanny Davis – pikanterweise ein enger Vertrauter von Bill und Hillary Clinton – öffentlich an, dass Michael Cohen im Gespräch mit Sonderermittler Robert Mueller über seine langjährige Arbeit für Donald Trump auspacken werde. «Von nun an», sagte Davis, werde sein Klient «die Wahrheit» erzählen. Auch bezeichnete Davis den Präsidenten als einen Kriminellen, habe Cohen doch auf Veranlassung von Trump gehandelt. Das ist eine Unterstellung, für die erst einmal die Beweise fehlen. So gibt es in den Gerichtsakten keinen Hinweis darauf, dass die Staatsanwaltschaft in New York gegen den Präsidenten ermittelt.

Auch gab es bisher keine Anzeichen dafür, dass Sonderermittler Robert Mueller, der im Auftrag des Justizministeriums Delikte im Zusammenhang mit den russischen Einmischungsversuchen in den Wahlkampf 2016 untersucht, an einer Kooperation mit Cohen interessiert ist.

Aber Cohen hat es zumindest in der Hand, seinem ehemaligen Chef politischen Schaden zuzufügen. Die anhaltenden Enthüllungen aus dem Umfeld Trumps, gepaart mit aufsehenerregenden Anklageerhebungen gegen zwei republikanische Parlamentsabgeordnete in den vergangenen Tagen, sorgen dafür, dass die Republikaner mit Gegenwind in die heisse Phase des Wahlkampfs 2018 steigen.

Trump rät von Cohen ab

Der Präsident allerdings scheint weiterhin davon überzeugt, dass er das Ziel einer «Hexenjagd» ist. So kritisierte er den Prozess gegen seinen ehemaligen Wahlkampfchef Paul Manafort, der am Dienstag mit einer Verurteilung Manaforts in 8 von 18 Anklagepunkten endete. Manafort sei ein «mutiger Mann», weil er, ganz im Gegensatz zu Cohen, sich nicht durch das Justizministerium der Regierung Trump habe «brechen» lassen. Auch schrieb Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter: «Falls jemand auf der Suche nach einem guten Anwalt sein sollte, würde ich empfehlen, nicht auf die Dienste von Michael Cohen zurückzugreifen!»

Sonderermittler Robert Mueller sucht belastendes Material gegen Donald Trump: