Die spanisch-marokkanische Zusammenarbeit im Grenzschutz klappt. Am Sonntagmorgen haben marokkanische Polizisten mehrere Gruppen mit insgesamt 400 Personen am Versuch gehindert, den Grenzzaun zur spanischen Nordafrika-Enklave Melilla zu überklettern. Die Zusammenarbeit war auch beim Antrittsbesuch des neuen spanischen Königs Felipe VI. bei seinem marokkanischen Amtskollegen Mohammed VI. vor zwei Wochen Thema gewesen.

Bezahlt macht sich ausserdem der neue Zaun – bis zu sechs Meter hoch – der gegen das Überklettern gesichert ist.

Bezahlen müssen auch die afrikanischen Flüchtlinge. Sie zahlen nicht zu knapp an die Schleuserbanden, die sie bis nach Melilla oder zur anderen spanischen Enklave Ceuta bringen, ihnen Fahrten mit Booten über das Mittelmeer ins spanische Andalusien vermitteln. Ziel der Afrikaner ist es, ihren Fuss auf spanisches Territorium zu setzen. Dann sind sie in der Europäischen Union und können Asyl beantragen.

Schwimmen ab 45 Euro

Die Schlepper verlangen – gemessen an afrikanischen Einkommen – horrende Honorare. Das hat jetzt der spanische Regierungsbeauftragte für Melilla, Abdelmalik El Barkani, in einer Rede vor der Sommeruniversität von Granada in Melilla mitgeteilt. Um illegal nach Melilla einzureisen, werden zwischen 45 Euro (55 Franken) und 3000 Euro (3600 Franken) fällig.

Der Preis richtet sich nach Art des versuchten Grenzübertritts. Wer versucht, den Zaun zu überklettern – was in der Vergangenheit Hunderten gelungen ist – oder um den Grenzzaun herum auf die Halbinsel Melilla zu schwimmen, zahlt 45 Euro an die an der Grenze postierten Männer der Schleuser-Mafia.

Wer mit einem Boot nach Melilla will, zahlt 200 bis 300 Euro. Und wer mit einer «Patera», wie die offenen Flüchtlingsboote in Spanien genannt werden, an die Küste Andalusiens will, muss mindestens 1500 Euro (1900 Franken) hinlegen.

Für das Einschmuggeln von Marokko ins spanische und damit europäische Melilla in Autos oder Lastwagen mit doppeltem Boden werden 3000 Euro verlangt.

Luxus-Version bis 6000 Euro

Die Zahlen haben Beamte der Guardia Civil, der für die Grenzsicherung in Melilla und Ceuta zuständigen Polizeitruppe, bei der Vernehmung von aufgegriffenen Flüchtlingen oder Afrikanern bekommen, die es über die Grenze bis in ein Aufnahmelager geschafft hatten.

Die «Luxusversion» für die Einreise ins Gebiet der Europäischen Union ist die Fahrt mit der Fähre von Algerien nach Alicante oder von Marokko nach Algeciras bei Cadiz mit gefälschten Papieren, oder sogar ein Flug nach Spanien. Dafür müssen die Flüchtlinge aus den armen Ländern südlich der Sahara dann zwischen 4000 und 6000 Euro bezahlen.

Die Schleuser-Mafia setzt auf dem Seeweg an die spanischen Küsten grosse Schlauchboote ein, die mit bis zu drei starken Aussenbordmotoren besonders schnell sind und gelegentlich den Patrouillenbooten der Guardia Civil de Mar entkommen.

Afrikanische Frauen können die Reise auf eine besondere Art «abbezahlen». Sie werden von der Schmuggler-Mafia praktisch gefangen gehalten und zur Prostitution gezwungen.