Der Fahrer des Busses, in dem eine junge indische Frau Mitte Dezember mehrfach vergewaltigt und gefoltert worden war, hat sich im Tihar-Hochsicherheitsgefängnis von Neu Delhi erhängt.

Nach ersten Erkenntnissen war der Hauptangeklagte im Prozess während seines Todes nicht allein in seiner Gefängniszelle. Mit ihm seien drei weitere Insassen untergebracht gewesen, sagte Gefängnissprecher Sunil Gupta.

Die Männer seien nicht wegen des Verbrechens an der 23-jährigen Studentin angeklagt gewesen. Der Vorfall werde untersucht, sagte Gupta weiter.

Der 33-jährige Hauptangeklagte sei am frühen Montagmorgen mit einer Bettdecke erhängt aufgefunden worden. Die Leiche habe keine äusseren Verletzungen aufgewiesen und werde zur Autopsie in ein Spital gebracht.

Nach Angaben von Gupta gibt es in den Zellen keine Überwachungskameras, die Insassen würden direkt von den Sicherheitskräften überwacht. Die Verteidiger der Angeklagten hatten mehrfach erklärt, ihre Klienten würden im Gefängnis von anderen Insassen auf Geheiss der Polizei gefoltert.

"Durchgeplante Verschwörung"

Der Tod des Hauptangeklagten sei "eine durchgeplante Verschwörung", sagte dessen Verteidiger der Nachrichtenagentur dpa. Sein Klient sei nicht depressiv gewesen und habe vor einigen Tagen noch seine Familie getroffen. Der Verteidiger sagte, er habe bei Gericht darum gebeten, dass die Sicherheitsvorkehrungen für die fünf Angeklagten erhöht werden.

Der 33-Jährige galt als der Anführer einer Gruppe von fünf Männern und eines Minderjährigen, die wegen Misshandlung der 23-jährigen angehenden Physiotherapeutin vor Gericht stehen. Nach Polizeiangaben soll der Mann die Idee zur Tat gehabt haben.

Die junge Frau erlag knapp zwei Wochen später in einem Spital in Singapur ihren Verletzungen. Allen fünf volljährigen Angeklagten droht die Todesstrafe, ein sechster mutmasslicher Täter steht vor einem Jugendgericht.

Vorwürfe der Familie

Der Vater der Studentin kritisierte die Behörden scharf. "Wie konnten sie ihn die Art wählen lassen, auf die er sterben wollte?", sagte er. Die Polizei habe versagt, und er frage sich, wie es mit dem Verfahren weitergehen werde.

Die Mutter der Toten zeigte sich ebenfalls schockiert. Sie habe Gerechtigkeit für ihre Tochter gewollt, aber nun sei der Hauptangeklagte tot, sagte sie. Ein ranghoher Polizeibeamter versicherte, dass der Selbstmord keinen Einfluss auf das Gerichtsverfahren haben werde. Dieses werde fortgeführt, sagte er.

Laut dem Fernsehsender NDTV stehen die volljährigen Angeklagten im Gefängnis wegen Selbstmordgefährdung unter Beobachtung, seit sie nicht mehr mit anderen Insassen sprechen und Symptome von Depression zeigen.

Welle der Entrüstung

Die brutale Tat hatte in Indien eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Es begann eine breite Diskussion über die Sicherheit von Frauen in der Öffentlichkeit. Auch im Ausland fanden der Fall und die zahlreichen Proteste in den Wochen danach Beachtung.

Nach der Tat wurden mehrere Schnellgerichte eingerichtet, die sich ausschliesslich mit Gewalttaten gegen Frauen befassen. Vor einem dieser Gerichte stand der 33-Jährige fast täglich, auch für Montag war ein Termin angesetzt.