Anschliessend sollten Menschen an mehreren Orten landesweit und in jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt das Lied "Hallelujah" singen. Mit dem Lied hatte Israel 1979 den Eurovision Song Contest gewonnen.

Netanjahu richtete eine Friedensbotschaft an die Staaten der Region: "Unsere Hand ist in Frieden ausgestreckt für alle jene unserer Nachbarn, die den Frieden wollen", sagte er. Netanjahu sprach von einer "wirklichen Saat des Friedens", die derzeit unter einigen von Israels arabischen Nachbarn aufgehe.

Seine Rede nutzte Netanjahu zugleich für eine Warnung: "Für all unsere Feinde, die davon ausgegangen waren, dass wir ein vorübergehendes Phänomen sind, habe ich Neuigkeiten: In 70 Jahren werdet ihr ein Land vorfinden, das noch sieben Mal stärker ist als heute."

Die Feiern dauern 70 Stunden, bis Samstagabend. Während des Sabbats von Freitagabend an gibt es eine Ruhepause. Das Motto der Feierlichkeiten lautet "Erbe der Innovation".

Es gibt unter anderem Partys auf insgesamt 70 Kilometern Strand, Strassenfeste wie in Tel Aviv und Jerusalem sowie Feuerwerke. An einer Flugshow am Donnerstag nehmen erstmals auch Luftwaffen anderer Länder teil.

Dank an Trump

Ministerpräsident Netanjahu und Präsident Reuven Rivlin dankten US-Präsident Donald Trump für die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt im Dezember. Die USA wollen im Zuge der Anerkennung im Mai die Botschaft in Jerusalem eröffnen. Diesen Plan bekräftigte Trump am Mittwoch auf Twitter. "Wir haben nirgendwo bessere Freunde", schrieb Trump und gratulierte Netanjahu und dem israelischen Volk.

Der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 ausgerufen. Staatsgründer David Ben Gurion verlas in Tel Aviv die Unabhängigkeitserklärung. Israel feiert sein 70. Jubiläum allerdings nach dem hebräischen Kalender, deshalb beginnen die Feierlichkeiten schon am Abend des 18. April.

In Israel leben nach aktuellen Angaben des Zentralen Israelischen Statistikbüros 8,8 Millionen Menschen. Davon sind 6,6 Millionen Juden (75 Prozent) und 1,8 Millionen Araber (21 Prozent). Zuletzt hatte das Büro von rund 170 000 Christen gesprochen - rund zwei Prozent der Bevölkerung. Die meisten der Christen sind Araber.

Katastrophe für die Palästinenser

Für die Palästinenser bedeutet Israels Freudentag eine Katastrophe, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Sie begehen das Ereignis seit Ende März mit sechswöchigen Protesten, die bis zum 15. Mai dauern sollen. Dabei gab es schon zahlreiche Tote und Verletzte.

Die Lage im Heiligen Land ist zusätzlich angespannt seit Trumps Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt. Im Dezember kam es zu blutigen Protesten in den Palästinensergebieten. Die Palästinenser fordern Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen zukünftigen Staat Palästina.

Gemeinsame Gegenveranstaltung

Bereits am Dienstagabend hatten Tausende Israelis und rund 100 Palästinenser gemeinsam ihrer Angehörigen gedacht, die im Konflikt beider Völker ums Leben gekommen sind. Israelische Medien berichteten am Mittwoch, an der alternativen Gedenkzeremonie in Tel Aviv hätten rund 8000 Menschen teilgenommen.

Der israelische Schriftsteller David Grossman, der im Libanon-Krieg seinen Sohn Uri verloren hatte, rief zu einer Friedenslösung auf. Dutzende rechtsextreme Israelis demonstrierten am Rande der Zeremonie, die in Israel heftige Kritik ausgelöst hatte.

Am Mittwochvormittag heulten in ganz Israel zwei Minuten lang die Sirenen im Gedenken an mehr als 23'600 Kriegsopfer und mehr als 4000 Terroropfer.