Als der Fox News Channel 1996 auf Sendung ging, warb er mit dem Slogan «Fair and Balanced» (gerecht und ausgewogen). Man wolle sich von den linkslastigen US-Medien abheben, hiess es. In Wirklichkeit war Fox News von Anfang an ein Sprachrohr der Rechten. Moderatoren wie Sean Hannity und Tucker Carlson zeigen offen ihre Bewunderung für Donald Trump.

Daneben versteht sich Fox aber weiterhin als Nachrichtensender. Die News-Abteilung arbeite unabhängig von den Meinungsmachern und verbreite objektive Informationen, behaupten die Verantwortlichen. Genau dies bestreitet Media Matters for America. Die linke Organisation versteht sich als «Wachhund», der rechte «Desinformation» entlarven will, mit speziellem Fokus auf Fox News.

Kürzlich gelang Media Matters ein Coup mit der Veröffentlichung von Audiofiles, in denen Starmoderator Tucker Carlson frauen- und fremdenfeindliche Aussagen machte. Nun legt die Organisation nach mit einer Studie, die die ersten vier Monate 2019 erfasst. Sie zeigt, dass auch in den vermeintlich neutralen News-Sendungen von Fox täglich falsche Infos verbreitet werden.

Ein paar Beispiele:

2. Januar

Moderator John Scott behauptete, mehr als 100 Migranten hätten versucht, die Grenze von Mexiko Richtung San Diego zu stürmen. US-Grenzpolizisten hätten Tränengas eingesetzt, nachdem sie mit Steinen beworfen worden sein. Fotoreporter der Agenturen AP und Reuters bestritten dies. Der AP-Fotograf erklärte, die Steinwürfe hätten erst nach dem Tränengaseinsatz begonnen.

Tränengasschwaden an der Grenze in Tijuana am 1. Januar.

  

5. Januar

Ein beliebtes Ziel von Fox News ist der demokratische Shootingstar Alexandria Ocasio-Cortez. Redaktor Ed Henry behauptete, sie wolle die Reichen zu 70 Prozent besteuern, «ihnen praktisch das gesamte Geld wegnehmen». In Wirklichkeit verlangt AOC einen Grenzsteuersatz von 70 Prozent. Dieser wird erst oberhalb eines Einkommens von zehn Millionen Dollar fällig. Trotzdem wurde die falsche Definition in den News-Sendungen von Fox mehrfach wiederholt.

2. Februar

Moderator Neil Cavuto erklärte, das FBI habe bei der Verhaftung des umstrittenen Trump-Beraters Roger Stone in Florida mit Elitesoldaten der Navy Seals zusammengearbeitet und mehr Leute aufgeboten als beim Einsatz gegen Osama bin Laden. Tatsächlich waren mehr als ein Dutzend FBI-Agenten im Einsatz, aber keine Navy Seals, und weniger als gegen Osama bin Laden.

Roger Stone nach seiner Verhaftung.

  

9. Februar

Der Green New Deal ist ein weiteres Projekt von Ocasio-Cortez, mit dem Fox wenig anfangen kann. Ed Henry behauptete, er wolle «jedes Gebäude in Amerika ersetzen und den Luftverkehr beenden». Über das Fliegen aber steht nichts in der im Kongress eingebrachten Resolution, und bestehende Gebäude sollen renoviert werden, um eine maximale Energieeffizienz zu erreichen.

13. Februar

Noch hübscher ist die Behauptung von Korrespondent Peter Doocy, der Green New Deal wolle «furzende Kühe ausmerzen». Auch davon steht nichts im Kongress-Antrag. In einem von Ocasio-Cortez' Büro verbreiteten, aber rasch zurückgezogenen FAQ-Dokument heisst es, es sei «unrealistisch», die furzenden Kühe innerhalb von zehn Jahren vollständig loszuwerden.

Die «Abgase» von Kühen belasten das Klima.

   

26. Februar

Moderatorin Dana Perino erklärte, der Green New Deal koste zwischen 53 und 93 Billionen Dollar und berief sich auf angebliche Berechnungen der Budgetbehörde im Kongress. Diese aber hat keine derartigen Zahlen verbreitet. Sie stammen von der konservativen Denkfabrik American Action Forum, die eng mit der fossilen Energiebranche verbunden ist. Dennoch verbreitete Fox News weitere Fantasiezahlen, die aus ähnlich zweifelhaften Quellen stammen.

7. März

Die Demokraten wollen keine ihrer Debatten für die Wahlen 2020 von Fox News übertragen lassen. Der leitende Politikmoderator Brett Baier meinte, sein Sender sei in früheren Debatten stets «hart, aber fair» vorgegangen. Dabei hatte der damalige Fox-News-Chef Roger Ailes dem Trump-Team vor einer Debatte im Jahr 2015 eine der gestellten Fragen zugespielt. Fox-Boss Rupert Murdoch soll den Sender zudem angewiesen haben, gewisse Kandidaten zu bevorzugen.

Debatte der Republikaner im August 2015 auf Fox News.

  

10. März

Korrespondent Ed Henry sagte, Trump habe die NATO-Länder dazu gebracht, «mehr und mehr ihrer Schulden zu bezahlen». Bei der NATO gibt es jedoch keine «Schulden». Die Mitglieder haben sich einzig dazu verpflichtet, bis 2024 mindestens 2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung zu verwenden. Von zusätzlichen Ausgaben ist keine Rede.

22. März

Der frühere Trump-Mitarbeiter Carter Page wurde laut Moderatorin Maria Bartiromo vom FBI aufgrund «fadenscheiniger Beweise» aus dem Dossier des britischen Ex-Agenten Christopher Steele abgehört. Für die Genehmigung der Abhörung allerdings war das Dossier nur zum Teil verantwortlich. Und das FBI hatte Page bereits seit 2013 auf dem Radar.

21. April

Der Mueller-Bericht und die angebliche Reinwaschung von Donald Trump waren ein grosses Thema bei Fox News. Maria Bartiromo fragte, ob jene Leute zur Rechenschaft gezogen werden, die eine Ermittlung gegen Trump nur deshalb begonnen hätten, «weil sie ihn aufhalten wollten und ihn nicht mögen». Sie blendete die fragwürdigen Kontakte von Trump-Mitarbeitern nach Russland aus, die den Ausschlag für die Mueller-Ermittlungen gaben.

25. April

Moderatorin Bartiromo wird in der Studie oft zitiert. An jenem Tag behauptete sie, das FBI habe den E-Mail-Skandal von Hillary Clinton «nie richtig untersucht». In Wirklichkeit wurde in dieser Affäre ausgiebig ermittelt. Wenige Tage vor der Wahl 2016 eröffnete FBI-Chef James Comey eine neue Untersuchung wegen Mails, die auf einem Laptop von Anthony Weiner gefunden wurden, dem damaligen Ehemann der Clinton-Vertrauten Huma Abedin.

Nicht alle Beispiele in der Studie von Media Matters überzeugen. Dennoch führt sie zu einem nicht wirklich überraschenden Fazit. Die rechte Meinungsmache, die zur Prime-Time von Fox News verbreitet wird, färbt auch auf den Newsbereich ab. «Der Sender als solcher ist das Problem, nicht einzelne Prime-Time-Moderatoren», hält Media-Matters-Präsident Angelo Carusone fest.