«Willst du mich heiraten», fragte der australische Abgeordnete Tim Wilson seinen Partner Ryan Bolger, der auf der Zuschauertribüne sass. Bolger antwortete sofort mit «Ja». Es war der emotionale Beginn einer viertägigen Parlamentsdebatte über die Einführung der Homo-Ehe in Australien.

Der finalen Diskussionsrunde in der Hauptstadt Canberra ging eine langjährige, harte Debatte voraus. Im November konnten die Australierinnen und Australier per Volksbefragung ihre Meinung zur gleichgeschlechtlichen Ehe kundtun. Über 61 Prozent sprachen sich für ein neues Gesetz aus.

Trotzdem weibelten konservative Abgeordnete um den ehemaligen Premierminister Tony Abbott für ein «Nein» im Parlament. Als sich ihre Niederlage abzeichnete, versuchte Abbott, das Gesetz noch so zu verändern, dass Geistliche sich einer Vermählung zwischen zwei Schwulen oder Lesben verweigern könnten. Er zog seinen Antrag jedoch im letzten Moment zurück und ebnete so den Weg zur historischen Parlamentsabstimmung.

«Wir sind wieder Australien»

Gestern um 17:58 Uhr Ortszeit war es dann soweit. Die Politiker von links bis rechts, die Menschen auf der Zuschauertribüne und die Schwulen und Lesben auf dem Vorplatz des Parlamentsgebäudes lagen sich in den Armen. Die grösste australische Tageszeitung titelte auf seinem Onlineportal: «Die Gravitation wurde ausser Kraft gesetzt.»

Letztlich stimmten von 150 Abgeordneten nur vier gegen die Homo-Ehe. Der aktuelle Regierungschef Malcolm Turnbull, der selbst mit Ja stimmte, twitterte nach der Schlussabstimmung: «Es ist Zeit für mehr Ehen, für mehr Liebe, für mehr Respekt.»

Oppositionsführer Bill Shorten sagte: «Wir sind nicht mehr eine Nation, die mit Ja oder Nein gestimmt hat, wir sind wieder Australien.»

Tim Wilson und Ryan Bolger können nach ihrer Verlobung im Parlament dank des neuen Gesetzes schon im Januar heiraten.

Die Feierlichkeiten nach dem Volks-Ja im November 2017: