Beim historischen Gipfel von Donald Trump und Kim Jong Un am Dienstag in Singapur konnte sich besonders der Diktator Nordkoreas profilieren. Er bekam die ersehnten Bilder, die seinem Vater Kim Jong Il und Grossvater Kim Il Sung verwehrt blieben: ein Gespräch auf Augenhöhe mit dem amerikanischen Präsidenten. Dieser verbuchte den Gipfel ebenfalls als Erfolg: Nordkorea stelle nun keine nukleare Bedrohung mehr dar, twitterte Trump.

Dass die beiden Teilnehmer (zumindest nach aussen hin) zufrieden mit den Ergebnissen des Gipfels sind, überrascht nicht sonderlich. Doch wie sehen es die Mächte, die von der weiteren Entwicklung Nordkoreas betroffen sind? In China, Südkorea, Japan und Nordkorea selbst blickt man ganz unterschiedlich auf den Gipfel in Singapur zurück.

  • China: Dass es überhaupt zu einem Gipfel zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un kommen würde, hat China bereits gefreut. Denn genau diesen Dialog hatte die chinesische Führung in dem bis vor einem halben Jahr noch völlig verhärteten Konflikt gefordert. Das Ergebnis von Singapur übertrifft aus Pekinger Sicht jedoch sämtliche Erwartungen.

    Chinas Aussenminister Wang Yi hat Kim und Trump gratuliert. Eine Denuklearisierung Nordkoreas im Austausch für Sicherheitsgarantien der USA und die «Einleitung eines Friedensmechanismus» – das seien auch immer Pekings Ziele gewesen, sagte Wang. Sein Sprecher Geng Shuang macht zugleich keinen Hehl daraus, dass sich China vor allem über Trumps Ankündigung freut, die Militärübungen stoppen zu wollen, die die USA mit Südkorea regelmässig abhalten. Peking habe stets beide Seiten aufgefordert, die Provokationen zu beenden. «Die Fakten beweisen, dass diese Vorschläge Pekings nun umgesetzt werden», sagte der Aussenamtssprecher.

    Dass China nicht selbst am Gipfel von Singapur beteiligt war, nimmt der chinesische Aussenminister den USA nicht übel. Er gibt sich selbstbewusst: Niemand werde in Zweifel ziehen, dass China eine wichtige Rolle bei der Lösung des Konflikts spielt. «Diese Rolle wird China weiter spielen.» US-Aussenminister Mike Pompeo wird denn auch bereits am Donnerstag nach Peking reisen, um mit der chinesischen Führung über das weitere Vorgehen der Verhandlungen zu diskutieren. 
Historischer Handschlag zwischen Trump und Kim

Der historische Handschlag zwischen Trump und Kim

  • Südkorea: Irritation hingegen in Seoul. Südkoreas Präsident Moon Jae In, der die Annäherungspolitik überhaupt erst möglich gemacht, betonte gleich im Anschluss des Gipfels, wie «glücklich» er doch über das Treffen sei. Doch Trumps Zugeständnis, auf die gemeinsamen Militärübungen zu verzichten, muss auch ihn überrascht haben. US-Armeevertreter in Südkorea deuteten an, dass selbst sie von der Ankündigung Trumps überrumpelt wurden.

    Am Mittwoch wollte sich Moon zunächst nicht näher dazu äussern. Doch es ist in Seoul kein Geheimnis, dass dem liberalen Präsidenten nun massiver Druck von konservativer Seite droht. «Südkoreas nationale Sicherheit steht am Rande einer Krise», twitterte Hong Joon Pyo, Sprecher der rechtskonservativen Freiheitspartei Korea bereits. Aber auch gemässigte Stimmen äussern sich kritisch. Die Zeitung «Korea Herald» nannte die Entscheidung in einem Leitartikel «besorgniserregend». Ausgerechnet am Donnerstag finden in Südkorea Kommunalwahlen statt. 

  • Japan: Auf offizieller Ebene am deutlichsten fiel die Kritik an Trump aus Japan aus. Ein sichtlich entsetzter Verteidigungsminister Itsunori Onodera betonte, wie «unerlässlich» die Militärübungen der USA mit Südkorea und die dortige US-Truppenpräsenz für die Sicherheit in der Region seien. Japan fühlt sich von Nordkoreas Raketen mit am stärksten bedroht. Das Inselreich befindet sich in unmittelbarer Reichweite, ist zudem wegen der japanischen Gräuel im Zweiten Weltkrieg noch einmal sehr viel mehr das Hassobjekt des Kim-Regimes und der meisten Nordkoreaner als Südkorea.

    Japans Premierminister Shinzo Abe, der schon im Vorfeld des Gipfels vor allzu viel Optimismus gewarnt hatte, sagt nun, die gemeinsame Erklärung sei zwar «von grosser Bedeutung». Es könne aber lediglich ein «Anfang» sein, dem nun konkrete Taten folgen müssten. Zumindest sein Land bleibe auch weiter alarmiert. 
  • Nordkorea:Nordkoreas staatlich gelenkte Medien jubelten. Sie titelten am Mittwoch: «Ein grosser Sieg für Machthaber Kim». Auf sämtlichen Zeitungen erschienen Fotos von Kim mit Trump in unterschiedlichen Posen. Die Nachrichtenagentur KCNA zitierte Trump mit den Worten: «Es ist wichtig, mutige Entscheidungen zu treffen, um die gegenseitigen Feindseligkeiten einzustellen».

    KCNA nahm allerdings etwas als beschlossen vorweg, das Trump am Tag zuvor noch an zahlreiche Bedingungen geknüpft hatte. «Die USA bieten eine Sicherheitsgarantie und haben vor, die Sanktionen gegen unser Land im Verlauf von Dialog und Verhandlungen aufzuheben», behaupten Nordkoreas Propagandisten.

Trump hingegen hatte in seiner Pressekonferenz nach Ende des Gipfels gesagt, eine Aufhebung der Sanktionen komme erst nach völliger atomarer Abrüstung und einer Verbesserung der Menschenrechtslage infrage.