«Kommt Brüssel nicht zu mir, komme ich halt nach Brüssel» – so kann die Motivation beschrieben werden, mit welcher der abgesetzte katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont am Dienstag seine Flucht in die belgische Hauptstadt rechtfertigte.

Es gehe ihm darum, den Katalonien-Konflikt mitten ins «Herz Europas» zu tragen, so Puigdemont vor Hunderten Journalisten. Diese hatten lange auf ihn warten müssen. Als es am Montag plötzlich hiess, der Katalane sei mit einer Handvoll Wegbegleitern unterwegs nach Brüssel, ging das Rätselraten los. Will Puigdemont etwa Asyl in Belgien beantragen?

Am Dienstag sorgte er für Klarheit. «Ich bin nicht hier, um politisches Asyl zu beantragen», so Puigdemont. Er habe Katalonien verlassen, weil er um seine Sicherheit fürchtete. Seit die spanische Zentralregierung die katalanischen Sicherheitskräfte entmachtet habe, hätten er und die Mitglieder seiner Regierung über keinen Schutz mehr verfügt.

Die Anklage, die der spanische Generalanwalt am Montag gegen ihn und seine Regierung erhoben habe, zeuge denn auch «nicht vom Verlangen nach Gerechtigkeit, sondern nach Rache». Ein fairer Prozess sei unter diesen Umständen nicht möglich. Würde ihm dies die spanische Regierung glaubhaft zusichern und weitere Sicherheits-Garantien abgeben, werde er umgehend nach Katalonien zurückkehren.

«Legitimer Präsident»

Unterdessen will Puigdemont seine Funktion als «legitimer Präsident Kataloniens» vom Brüsseler Exil aus weiter ausüben (siehe auch Box ganz unten). An den Neuwahlen vom 21. Dezember will er ebenfalls teilnehmen und forderte von Madrid das Bekenntnis, dieses Ergebnis unter allen Umständen zu akzeptieren. Er gab sich aber auch kompromissbereit: Wenn das Tempo auf dem Weg zur Unabhängigkeit verlangsamt werden müsse, scheine ihm das ein «vernünftiger Preis». Puigdemont: «Wir können keine Republik auf Gewalt gründen.»

Dass dem 54-Jährigen in Brüssel ein herzlicher Empfang bereitet worden wäre, kann indes niemand behaupten. Der belgische Vize-Premier Kris Peeters signalisierte Puigdemont deutlich, dass er in Belgien unerwünscht ist: «Wenn man die Unabhängigkeit ausruft, bleibt man besser in der Nähe seines Volkes.»

Über das Schicksal Puigdemonts, der sich völlig legal in Belgien aufhält, dürfte auch entscheiden, ob Spanien einen internationalen Haftbefehl ausstellt. Auf jeden Fall hat sich Puigdemont mit Paul Bekaert den richtigen Advokaten ausgesucht: Der Staranwalt für Asyl und Menschenrechte hat mehrmals die Auslieferung mutmasslicher ETA-Terroristen an Spanien verhindert.

In seinem Twitter-Profil präsentiert Puigdemont seine neue Exil-Präsidenten-Website.

In seinem Twitter-Profil präsentiert Puigdemont seine neue Exil-Präsidenten-Website.