Wieder kommt es vor der Küste Siziliens zu einer Tragödie: Ein Boot mit mehr als 250 Flüchtlingen, vornehmlich Somalier und Eritreer, ist am späten Freitagnachmittag gekentert. 200 Menschen würden vermisst, gegen 50 Personen seien bereits tot geborgen worden.

Ein Flugzeug der maltesischen Streitkräfte habe das Unglück bemerkt und daraufhin sofort Alarm geschlagen. Die Havarie ereignete sich in Gewässern, für die Malta die Verantwortung für Rettungsarbeiten trägt.

Nach Angaben der maltesischen Behörden war das Schiff umgekippt, als sich die Flüchtlinge auf einer Seite des Bootes versammelten, um ein Militärflugzeug auf sich aufmerksam zu machen.

Rettung mit Helikopter

Die maltesischen Behörden hätten am Nachmittag erste Berichte über ein Flüchtlingsschiff in Seenot bekommen, sagte ein Regierungssprecher. Ein

maltesisches Schiff sei als erstes am Unglücksort gewesen. An den Rettungsarbeiten seien auch italienische Schiffe sowie Helikopter beteiligt.

In den vergangenen beiden Tagen mussten Handelsschiffe im Mittelmeer fünf Flüchtlingsbooten mit zusammen mehr als 500 Migranten an Bord zu Hilfe kommen.

Die italienische Küstenwache koordinierte gestern und heute die Rettungsaktionen für die Migranten auf den fünf Booten. Die Flüchtlinge wurden in sizilianische Hafenstädte gebracht, so nach Trapani und Porto Empedocle, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Weitere Opfer geborgen

Die Zahl der geborgenen Opfer der Schiffstragödie vor Lampedusa in der vergangenen Woche stieg derweil auf 328, nachdem Taucher weitere Opfer in der Nähe des Wracks entdeckten. Im Schiff sind keine Leichen mehr.

Tote vor ägyptischer Küste

Beim Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der Küste Ägyptens starben heute Freitag nach Angaben staatlicher Medien mindestens zwölf Menschen. Wie die Webseite der Zeitung «Al-Ahram» berichtete, sank das Boot am Freitag in der Nähe der Hafenstadt Alexandria.

Das Schiff sei auf dem Weg nach Europa gewesen. Die Küstenwache habe 116 Menschen retten können. Insgesamt waren den Angaben nach rund 150 Menschen auf dem Boot - überwiegend Palästinenser und Syrer.

Derzeit leben mehr als 100'000 Syrer in Ägypten, die vor dem Bürgerkrieg in ihrem Heimatland geflohen waren. Einige von ihnen versuchten bereits, auf überfüllten Booten nach Europa zu gelangen.

Exodus bekämpfen

Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in Genf erklärte, Flüchtlingsdramen wie jenes in Lampedusa würden sich wiederholen, wenn nicht eine international abgestimmte, globale Strategie erarbeitet werde.

Man begrüsse die von der EU angekündigten Massnahmen für eine grössere Sicherheit auf dem Meer und eine bessere Überwachung der Boote, sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards.

«Aber es braucht auch alle verfügbaren Mittel, um gegen die Ursachen des Exodus' in den Herkunftsländern der Flüchtlinge zu kämpfen. Man muss das Problem an der Wurzel bekämpfen.» (sda)