An Kuczynskis Stelle soll aller Voraussicht nach Vizepräsident Martin Vizcarra die Amtsgeschäfte übernehmen. Der 55-jährige Ingenieur ist gleichzeitig auch Botschafter in Kanada. Er soll das Präsidentenamt bis zum Ende des derzeitigen Mandats im Juli 2021 ausüben. Er stehe dem Land zur Verfügung, erklärte Vizcarra im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Kuczynski steht im Verdacht, in Bestechungen des brasilianischen Bauriesen Odebrecht verwickelt zu sein. Der frühere Wall-Street-Banker weist die Vorwürfe zurück. Der von der Opposition dominierte Kongress wollte am Donnerstag über den Rücktritt des Präsidenten beraten. Am Freitag sollen die Abgeordneten dann entscheiden, ob sie den Rücktritt annehmen. Andernfalls könnten sie Kuczynski seines Amtes entheben.

Für den 79-Jährigen wurde ein Verbleib im Amt untragbar, als in dieser Woche von der oppositionellen Partei Fuerza Popular heimliche Video-Aufnahmen präsentiert wurden, die die Bestechung von Abgeordneten zeigen sollen. Diese sollten gegen das Amts-enthebungsverfahren stimmen.

Den Parlamentariern ist demnach Hilfe der Regierung bei Bauaufträgen in Aussicht gestellt worden. «Angesichts der schwierigen Lage, die mich ungerechtfertigterweise als Schuldigen dastehen lässt bei Handlungen, an denen ich nicht beteiligt war, denke ich, es ist das Beste für das Land, dass ich die Präsidentschaft der Republik niederlege», erklärte Kuczynski am Mittwoch in einer TV-Ansprache.

Tradition der Bestechung

Vor zwei Jahren war der Ex-Banker, der lange Zeit in den USA gelebt hatte, zum Präsidenten gewählt worden. Mit ihm verbanden sich Hoffnungen, die jahrelange Tradition der Korruption auf höchster Regierungsebene zu beenden. Kuczynskis Vorgänger Alberto Fujimori floh vor Ermittlungen zwischenzeitlich aus Peru und wurde nach seiner Rückkehr zu einer langjährigen Haftstrafte verurteilt. Auch gegen die unmittelbare Vorgängerin im Präsidentenamt, Ollanta Humala, laufen in Zusammenhang mit dem Odebrecht-Skandal Ermittlungen.

Einen schweren Schaden erlitt der Ruf Kuczynskis im Dezember, als er ein erstes Amtsenthebungsverfahren abwehren konnte, indem er Fujimori begnadigte. Im Gegenzug hatten oppositionelle Abgeordnete gegen das Verfahren zur Amtsenthebung gestimmt. (sda)