Was ist nur mit Donald Trump Jr. los? 

Dass der Sohn des US-Präsidenten gerne provoziert, ist nichts Neues. Gerne verteidigt er seinen Vater auf Instagram, Twitter und Co. und schlägt dabei auch aggressive Töne an.  

Doch in den vergangenen Tagen hat Trump Jr. seine Kadenz nochmals erhöht. Gleich dreimal ging er ohne Rücksicht auf Verluste in die Offensive und schoss Giftpfeile in Richtung Politik, Wirtschaft und Medien. 

Vor allem Letzteres hätte er besser sein lassen, wurde er gestern doch während mehreren Minuten komplett demontiert und der Verbreitung von Fake News überführt.

Doch von vorne: 

Zunächst war der Feldzug gegen Nike. Der Modegigant holte vor einigen Tagen den Football-Spieler Colin Kaepernick für eine Werbekampagne an Bord. Für die Trumps ein absolutes No-Go. Denn Kaepernick stand am Ursprung der «Take-a-Knee»-Bewegung und weigerte sich, vor den Spielen bei der amerikanischen Hymne aufzustehen. Der Superstar zog somit den Ärger vieler Konservativer auf sich.

Nach Bekanntgabe des Werbedeals spottete Donald Trump Jr. auf Instagram, dass Nike gerade den «Gipfel der Dummheit» in der «Anti-Amerika-Bewegung» erreicht habe.

Hinzu kamen zwei Fotomontagen, die bestenfalls noch als legitime und zeitgemässe politische Kommunikation durchgehen können. (Mal abgesehen vom Copyright, das vermutlich verletzt wurde.)

Das Original ...

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

There, fixed it for you. #maga

Ein Beitrag geteilt von Donald Trump Jr. (@donaldjtrumpjr) am

Recht behielt der Trump Jr. übrigens nicht. Die Nike-Aktie ist derzeit auf einem höheren Stand als vor der Bekanntgabe des Kaepernick-Deals. Auch die Online-Verkäufe sind angestiegen. 

Wenige Tage später die zweite Attacke, mit der er den Bogen definitiv überspannte. Dies sagen nicht seine Kontrahenten, sondern eine Mitarbeiterin des Präsidenten-Teams. Mit einem Meme machte er sich lustig über einen möglichen sexuellen Übergriff. Der Übergriff sei in Wahrheit wohl lediglich ein «Willst-du-mit-mir-gehen»-Brief gewesen, so die Message des Instagram-Posts.

Brett Kavanaugh, der konservative Kandidat für das Oberste Gericht, soll in den Achtzigerjahren eine Frau massiv bedrängt haben. Die heute 51-jährige Professorin Christine Ford machte die Anschuldigungen in der Washington Post öffentlich. Plötzlich ist es alles andere als klar, ob Trumps Wunschkandidat den Schritt ins juristisch wichtige Organ schaffen wird. 

Führende republikanische Politiker sprachen sich mittlerweile dafür aus, dass Ford und Kavanaugh vor dem Senat angehört werden sollten. Auch Trumps Beraterin Kellyane Conway meinte: «Diese Frau sollte nicht beleidigt und sie sollte nicht ignoriert werden.» Etwa genau das Gegenteil, von dem was Trump Jr. machte. 

Zweimal wurde der 40-Jährige von der Realität eingeholt. Ein Zeichen, vielleicht etwas vorsichtiger zu agieren? Nicht für den Sohn des US-Präsidenten, der die nächste Salve abfeuerte.

Trump Jr. verbreitet Fake News über CNN-Moderator

Auf Twitter und auf Instagram beschuldigte er die Journalisten-Legende Anderson Cooper, er würde das Hochwasser in North Carolina übertrieben darstellen, um Trump schlecht aussehen zu lassen. Dazu postete Trump Jr. ein Foto, in dem der CNN-Reporter bis zu den Hüften in den Fluten steht, während dem Kameramann das Wasser nur bis zu den Knöcheln reicht. 

Am Montagabend schlug Cooper zurück und zerlegte Donald Trump Jr. nach Strich und Faden. Er reagiere nicht oft auf Online-Verschwörungstheorien, so der CNN-Mann, aber er berichte nun schon seit 14 Jahren über Hurrikans und es mache ihn traurig, «dass irgendjemand glaubt, dass ich ein Desaster fälsche oder überdramatisiere.»

Auch dieses Foto machte die Runde. Gavin J. Smith arbeitete für das Presse-Team von Donald Trump.

Der Sohn des Präsidenten sei ja auch jemand, der sich gerne als «Outdoor-Guy» präsentiere, so Cooper. «Er bezahlt viel Geld, um zu den Wildtieren in Afrika gebracht zu werden, um diese dann umzubringen.»

Aber er sei sich nicht sicher, so Cooper weiter, ob Trump Jr. schon einmal einen Hurrikan oder eine Überschwemmung gesehen habe. «In North Carolina habe ich ihn jedenfalls nicht gesehen.» Aber er habe sicher etwas Wichtigeres zu tun gehabt, ausser Lügen zu vertwittern. 

Im Interesse der Transparenz und der Wahrheit wolle er nun zeigen, was es mit den Bildern aus dem Überschwemmungsgebiet tatsächlich auf sich habe, so der CNN-Reporter.

In voller Länge: Coopers Retourkutsche

Die Bilder seien zehn Jahre alt und kämen gar nicht von Hurrikan Florence, sondern von Hurrikan Ike, erklärte Cooper. Und es habe wirklich viel Wasser gehabt. Dies bewies der CNN-Reporter anhand mehrerer Aussagen von Experten, Politikern und Video-Ausschnitten. Zudem habe er damals im Bericht mehrmals darauf hingewiesen, dass auf der Mitte der Strasse das Wasser nicht so hoch sei. 

Aber das Ertrinken sei bei Hurrikans die Todesursache Nummer 1, so Cooper, deswegen sei es wahrscheinlich doch angebracht gewesen, auf das hohe Wasser am Rand der Strasse hinzuweisen. 

Er erwarte gar nicht, dass sich der Sohn des Präsidenten, oder der ehemalige Berater, oder sonst alle, die die Bilder geteilt hätten, zugeben würden, dass sie falsch gelegen hätten, «aber ich habe gedacht, sie und ihr solltet wenigstens die Wahrheit wissen».