Alles vergessen, alles verziehen. Donald Trump hat dem Nachrichtensender «Fox News» gestern Dienstag ein Interview gegeben – und damit einen Schlussstrich unter eine ausnehmend peinliche Auseinandersetzung gezogen, die sich der republikanische Präsidentschaftskandidat im Nachgang zur ersten Fernsehdebatte mit einer «Fox News»-Moderatorin geliefert hatte.

Das Interview kam zustande, nachdem sich Trump am Montag mit Roger Ailes ausgesprochen hatte, dem einflussreichen Geschäftsführer des erfolgreichsten Nachrichtensenders Amerikas. «Wir hatten ein unverblümtes, aber herzliches Gespräch», verkündete Ailes hernach. Er stehe weiterhin 100 Prozent hinter seiner Moderatorin, habe aber mit Trump «reinen Tisch gemacht».

In der Praxis bedeutet dies: Trump kann wieder auf «Fox News» zählen, wenn er seine bisweilen wirren, bisweilen überraschenden und meist populistischen Thesen in die Welt setzen will – was er gerne und häufig, über Telefon-Interviews, macht. Und «Fox News» kann nach einem Quasi-Boykott übers Wochenende wieder auf den «König der Einschaltquoten» (Trump über Trump) zurückgreifen. Trumps Höhenflug in den Meinungsumfragen dürfte damit weitergehen. Tatsächlich deuten zwei aktuelle Umfragen darauf hin, dass er die Kontroverse um seine sexistischen Aussagen fast unbeschadet überstanden hat. So bringt er es im wichtigen Vorwahl-Staat Iowa auf 19 Prozent Zustimmung vor Scott Walker und Jeb Bush. In Florida rangiert Trump mit 27 Prozent Zustimmung vor Bush mit 26 Prozent.

Nun handelt es sich bei diesem Umfragen bloss um Momentaufnahmen. Aber Trump zeigt sich überzeugt davon, dass er der beste Kandidat im grossen Feld der Republikaner ist. In einem nächsten Schritt will der Multi-Milliardär nun seinen persönlichen Stab ausbauen – und Berater anstellen, die mit den Gesetzen des amerikanischen Wahlkampfs vertraut sind. Er wolle seine Botschaft aber nicht verwässern, versicherte Trump im Gespräch mit «Fox News» und sich auf sein eigentliches Ziel konzentrieren: «Amerika soll wieder grossartig werden.»

In einem zweiten Schritt möchte Trump zudem seine Positionsbezüge zu umstrittenen politischen Themen verdeutlichen. Am Dienstag sprach er deshalb über seine Strategie im Krieg gegen den Islamischen Staat, über eine radikale Reform des US-Steuerrechts und seine Haltung in Abtreibungsfragen. Während er die islamischen Terroristen buchstäblich in die Steinzeit zurückbombardieren würde, gibt er in sozialpolitischen Fragen den gemässigten Republikaner.

Ob sich seine Anhänger um solche Positionsbezüge überhaupt kümmern, ist allerdings offen. Trump ist auch deshalb populär, weil er mit Schlagworten operiert und dennoch (trotzdem?) viel Geld gescheffelt hat. Er verkörpert damit den Anti-Politiker – in einem Zeitalter, in dem Politiker höchst unbeliebt sind.