Bei seiner Einsetzung am 21. Dezember 1997 hatte der Kirchenmann in der Kathedrale St. Florin in Vaduz den Wunsch geäussert, im Fürstentum "Herzbischof" zu sein. Der Papst hatte das Erzbistum am 2. Dezember errichtet, womit Liechtenstein vom Churer Bistum abgespalten wurde. Die Liechtensteiner Regierung und die Mehrheit des Parlaments waren der Feier damals ferngeblieben.

Wolfgang Haas, am 7. August 1948 in Vaduz geboren, erfreute sich als Bischof unter weltoffenen Katholiken nie einer besonderen Beliebtheit. Keine Manifestation brachte die Ablehnung stärker zum Ausdruck als jene vom 22. Mai 1988, als Haas in der Churer Kathedrale zum Weihbischof mit Nachfolgerecht (Koadjutor) geweiht wurde.

200 Menschen bildeten vor der Kathedrale einen Menschenteppich. "Wer über uns geht, übergeht uns", hiess es auf einem Transparent. Haas schlich zur Weihe über den Friedhof und nahm den Hintereingang zur Kathedrale. 14 der 24 Domherren blieben der Feier fern.

Feldmesse abgeschafft

Im Fürstentum Liechtenstein lebt der Erzbischof ein zurückgezogenes und frommes Leben. Er kennt auch dort Anhänger und Kritiker. Interviews gab er in den letzten Jahren praktisch keine mehr.

Aufsehen über die kirchlichen Kreise hinaus erregte der Erzbischof 2011, als er bekanntgab, am 15. August - am Liechtensteiner Staatsfeiertag - auf der Schlosswiese zu Vaduz keine Feldmesse mehr zu lesen. Der Erzbischof hatte seine Absage mit den politischen Verhältnissen im Fürstentum begründet, mit denen er sich nicht einverstanden zeigte.

Trennung von Kirche und Staat

Erbprinz Alois reagierte in seiner Rede zum Staatsfeiertag und sagte, dass es an der Zeit sei, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat neu zu regeln. Das Projekt Trennung von Kirche und Staat in Liechtenstein wurde zwar in Angriff genommen, so richtig vorwärts gekommen ist es bislang allerdings nicht wirklich.

Dem Kirchenrecht folgend wird Erzbischof Wolfgang Haas dem Papst in fünf Jahren den Rücktritt anbieten. Das wäre dann an seinem Wiegenfest im Jahre 2023.