Die Türkei hat nach Angaben eines Behördenvertreters schon lange vor dem Putschversuch am 15. Juli verschlüsselte Nachrichten von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen abgefangen. Dadurch habe Ankara die Namen von zehntausenden Mitgliedern des Gülen-Netzwerks gehabt, sagte der ranghohe Behördenvertreter, der anonym bleiben wollte, am Samstag.

Demnach begann der türkische Geheimdienst MIT bereits im Mai vergangenen Jahres damit, über die Handy-App ByLock versendete Nachrichten zu entschlüsseln. Darüber seien fast 40'000 Namen von Gülen-Anhängern, darunter die von 600 Militärangehörigen, identifiziert worden.

Eine "grosse Anzahl" der auf diese Weise Identifizierten sei "direkt" in den Putschversuch verwickelt gewesen, sagte der Behördenvertreter weiter.

Die türkische Regierung macht den im Exil in den USA lebenden 75-jährigen Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Seit dem versuchten Umsturz wurden in der Türkei mehr als 18'000 Menschen festgenommen, zumeist, weil sie Gülen nahestehen sollen.

Der Prediger bestreitet jede Verwicklung und hat den Putschversuch scharf verurteilt. Das Vorgehen der Regierung auch gegen kritische Medien und die Justiz stösst international auf Kritik.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan ist bei der Trauerfeier für einen von Putschisten getöteten Freund in Tränen ausgebrochen.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan ist bei der Trauerfeier für einen von Putschisten getöteten Freund in Tränen ausgebrochen.

Erdogan, der normalerweise seine Gefühle unter Kontrolle hat, konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten, als er am Sonntag die Grabrede für seinen Freund Erol Olcak und dessen 16-jährigen Sohn hielt. Sie waren in der Nacht zum Samstag auf einer der Brücken über den Bosporus getötet worden, als sie gegen den Putschversuch von Teilen der Armee protestiert hatten."Erol war ein alter Freund von mir", sagte Erdogan vor hunderten Trauergästen, die "Allahu Akbar" (Gott ist gross) sangen. Als er die Tränen nicht zurückhalten konnte, sagte er: "Ich kann nicht weiter sprechen. Mein Beileid unserer Nation."