74 Jahre ist Carl Bernstein mittlerweile alt, und eigentlich könnte sich der Publizist zu Ruhe setzen – nach einem Leben, das derart ereignisreich war, dass es Gegenstand eines Krimis («Die Unbestechlichen», 1976) und einer Tragikomödie («Sodbrennen», 1986) war. Seit dem Amtsantritt von Donald Trump ist der ehemalige Reporter aber wieder regelmässig auf dem Nachrichtensender CNN zu sehen, wo er in seinen Stellungnahmen Parallelen zwischen dem aktuellen Präsidenten und Richard Nixon zieht.

Bernstein war in den Siebzigerjahren, zusammen mit seinem «Washington Post»-Kollegen Bob Woodward, eine treibende Kraft bei der Aufdeckung des «Watergate»-Skandals, der 1974 zum vorzeitigen Rücktritt Nixons führte.

Dass Bernstein einen zweiten (oder dritten) Frühling erlebt, ist auch Trump nicht entgangen. Denn entgegen seiner Beteuerung, er schaue nicht allzu häufig TV, verbringt der Präsident täglich mehrere Stunden vor den Fernsehgeräten im Weissen Haus; häufig sondert er dabei über den Kurznachrichtendienst Twitter eine Art Medienkritik in Echtzeit ab.

So beschwerte er sich am Mittwoch bitterlich über den «schlampigen» Carl Bernstein («ein Mann, der in der Vergangenheit lebt»), und darüber, dass der ehemalige «Watergate»-Reporter «einen Artikel nach dem anderen» erfinde. Das ganze Land lache über Bernstein, nachdem dieser dabei erwischt worden sei, wie er eine These weiterverbreitet habe, die auf einer Lüge basiere, behauptete Trump.

Anlass für diese Tirade ist ein Beitrag auf CNN, der in der Tat Anlass für zahlreiche Fragen gibt. Der Reihe nach: Am 26. Juli berichtete der Nachrichtensender, dass Trump vorab Bescheid über ein Treffen zwischen hochrangigen Wahlkampfberatern und einer russischen Anwältin im Sommer 2016 in New York gehabt habe.

Das Treffen war arrangiert worden, weil die Trump-Vertrauten das Gefühl hatten, russische Regierungskreise hätten «Dreck» über Hillary Clinton gesammelt, die demokratische Präsidentschaftskandidatin – und es dient den Gegnern des Präsidenten als Beweis dafür, dass Trump bereit war, gemeinsame Sache mit dem Kreml zu machen, um den Wahlkampf 2016 zu beeinflussen. (Trump weist diese Darstellung entschieden zurück.)

Als Quelle für diese Behauptung diente den CNN-Mitarbeitern Jim Sciutto und Carl Bernstein der ehemalige Vertrauensanwalt des Präsidenten, Michael Cohen. Allerdings zitierte der Nachrichtensender Cohen nicht direkt, sondern sprach nur von «Kreisen», die über die Vorfälle Bescheid wüssten.

Kein Korrigendum seitens CNN

Ein Monat später stellte sich heraus: Einer dieser Kreise war Lanny Davis, der umtriebige Sprecher und Anwalt von Michael Cohen. Davis gab in den vergangenen Tagen zu, dass er mit CNN gesprochen habe und dass ihm in der Hitze des Gefechts «ein Fehler» unterlaufen sei. Er habe den Eindruck erweckt, er verfüge über akkurate Informationen bezüglich Cohen, Trump und das Treffen mit der russischen Anwältin, sagte Davis. Dem sei aber nicht so. Auch entschuldigte sich Davis dafür, dass er wiederholte Male öffentlich gesagt habe, er sei nicht die Quelle des CNN-Beitrages gewesen.

Trotz dieses Eingeständnisses von Lanny Davis sieht CNN allerdings keinen Anlass dafür, ein Korrigendum zu publizieren. In einer schriftlichen Stellungnahme sagte eine Sprecherin, der Beitrag habe auf mehr als einer Quelle beruht. Und Bernstein sagte auf Twitter, seine Mission sei es, die Wahrheit ans Licht zu bringen, und davon lasse er sich auch durch virtuelle Beleidigungen des Präsidenten nicht abbringen. Er stehe zu seiner Berichterstattung.