Peter Baker gibt sich ungerührt. Es sei ihm egal, dass Präsident Trump immer wieder Medienschaffende und ihre Arbeitgeber («Fake News»!) diffamiere, sei es auf dem Kurznachrichtendienst Twitter oder während improvisierten Stellungnahmen im Weissen Haus. «Das gehört halt dazu», zum komplexen Verhältnis zwischen Politikern und Reportern in Washington. Er jedenfalls habe noch nie mit einem amerikanischen Präsidenten zu tun gehabt, der stets mit der Berichterstattung über seine Person zufrieden gewesen sei, sagt er.

Peter Baker ist eine Institution in Washington. Ein Journalist, zu dem andere Journalisten aufschauen, weil es ihm gelingt, selbst in hektischen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren. Trump ist nach Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama der vierte Präsident, dem Baker als «Chief White House Correspondent» auf die Finger schaut – bis 2008 im Auftrag der «Washington Post» und seither für die «New York Times». Und obwohl beide Blätter, von linken Aktivisten, oft als Sperrspitze des Widerstandes gegen den unberechenbaren Bewohner des Weissen Hauses bezeichnet werden, distanziert sich Baker von dieser Vereinnahmung. Er sei in erster Linie Journalist, und seine Aufgabe sei es, sachlich über das Weisse Haus zu berichten und die 2,3 Millionen Abonnenten der «New York Times» möglichst umfassend zu informieren. An dieses eiserne Gebot halte er sich auch zu Hause, im Gespräch mit der Familie. So vermeide er politische Stellungnahmen und verzichte auch darauf, an seinem Wohnort Washington an Urnengängen teilzunehmen, sagt Baker. Auf die Frage nach seiner politischen Haltung sagt der unprätentiöse Journalist: «Ich würde mich nicht als ein Linken bezeichnen.»

Realityshow und Polit-Theater

Andererseits wäre es falsch, die persönliche Distanz, die Baker zu den Objekten der Berichterstattung wahrt, mit Neutralität zu verwechseln. Er bringe zu Papier, was er während seiner Arbeit beobachte, sagt er. So schrieb er diese Woche in einem viel beachteten Artikel über Donald Trump, dass sich dieser immer noch aufführe, als sei er der Star einer Realityshow. Von 2004 bis 2015 war der heutige Präsident der Hauptdarsteller der Fernsehsendung «The Apprentice», in der er den erfolgreichen Geschäftsmann gab – wovon Trump dann später, im Wahlkampf 2016, ungemein profitierte. Wer diesen Gedanken zu Ende führt, kommt unweigerlich zum Schluss, dass auch die Journalistinnen und Journalisten der «New York Times» in dieser Reality-show, die sich um Präsident Trump dreht, eine zentrale Rolle spielen.

Folgerichtig findet das Gespräch mit Baker am Rande einer Podiumsdiskussion in Washington statt, die Teil einer verlagseigenen Veranstaltungsreihe ist. Zu Gast sind auch Maggie Haberman, die in der Hauptstadt als «Trump-Versteherin» («Trump-Whisperer») gilt, weil sie bereits in ihrer Heimat New York über den heutigen Präsidenten schrieb und es ihr gelingt, einem breiten Publikum zu erklären, wie Trump tickt. Hinter den Kulissen wuselt ein Team des Bezahlsenders «Showtime», der einen mehrteiligen Dokumentarfilm über das Innenleben der «Times» finanziert. Peter Baker scheint diese Entwicklung nicht zu beunruhigen. Er sagt: Das Weisse Haus sei eine Bühne, auf der ein Präsident politisches Theater inszeniere, in dem auch Journalisten eine Rolle spielten. Eine gewisse Instrumentalisierung lasse sich deshalb nicht verhindern. Die Arbeit aber dürfe darunter nicht leiden.