"Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass Angela Merkel in der Versenkung verschwindet." Sie sei nicht nur eine Respektsperson, sondern ein liebenswertes Gesamtkunstwerk, betonte er. Mit Blick auf ein mögliches EU-Amt fügte er hinzu: "Hochqualifiziert wäre sie." Allerdings ende die Wahlperiode in Deutschland erst 2021. 

Über einen Wechsel Merkels nach Brüssel wird immer wieder spekuliert. In welcher Rolle ist offen. Wird sie Europa anführen als Kommissionspräsidentin oder als Ratspräsidentin und damit als eine Art «Präsidentin von Europa»? Die Frage muss offen bleiben.

Denn die deutsche Kanzlerin hat gesagt, sie strebe keine anderen politischen Ämter mehr an. Doch in der Politik kann sich viel schnell ändern.

Nach der Europawahl Ende Mai wird Junckers Posten an der Spitze der EU-Kommission neu besetzt, ebenso wie das Amt von Ratschef Donald Tusk.

Juncker pochte darauf, dass die stärkste Partei nach der Europawahl den Kommissionspräsidenten stellt oder zumindest vorschlagen darf. "Ich bin ein grosser Anhänger dieses Spitzenkandidaten-Modells", sagte er.

Dinge in Ordnung bringen

Der luxemburgische Christdemokrat hatte sich gegen eine zweite Amtszeit entschieden. Sein Mandat endet daher am 31.Oktober. Auf die Frage, was er über sich in den Geschichtsbüchern lesen wolle, antwortete er: "Er hat sich redlich bemüht." Und er fügte hinzu: "Schön wäre vielleicht noch der Zusatz: Er hat einige Dinge in Ordnung gebracht."

Zu seinen Plänen sagte er, er werde sich "schriftlich äussern - zu dem, was war, und zu dem, was aktuell passiert". Spekulationen über einen schlechten Gesundheitszustand wies er erneut zurück.

Zuversichtlich zeigte sich EU-Kommissionspräsident Juncker dagegen, was die Teilnahme Grossbritanniens an der Europawahl im Mai angeht. "Die Briten sind aller Wahrscheinlichkeit nach am Tag der Europawahl noch in der Europäischen Union. Dann gilt der EU-Vertrag, wonach EU-Bürger in allen Mitgliedstaaten das Recht haben, an den Europawahlen teilzunehmen", sagte er in dem Interview vom Samstag weiter. "Wir können ja nicht jetzt die Bürger dafür bestrafen, dass es die Briten nicht hingekriegt haben, zum vereinbarten Termin auszutreten."