Das erste Erdbeben ereignete sich um 19.11 Uhr; das Epizentrum lag nach Angaben des nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie im Val Nerina zwischen Perugia und Macerata und hatte eine Stärke von 5,4 auf der Richterskala.

Das zweite Beben erfolgte gut zwei Stunden später; es hatte eine Stärke von 5,9, wie der TV-Sender «Rai» berichtete. In einzelnen Gemeinden fiel die Stromversorgung zusammen; die Bewohner rannten in Panik aus ihren Häusern. In Pescara wurde das Serie-A-Fussballspiel abgebrochen. Das betroffene Gebiet liegt nur einige Dutzend Kilometer weit entfernt von der Region um Amatrice, das am 24. August von einem schweren Beben verwüstet worden war.

«Bei uns sind vereinzelt Gebäude eingestürzt, aber wir haben keine Kenntnis von Verletzten oder Toten», erklärte Mauro Falucci, der Bürgermeister von Castelsantangelo sul Nera, nach dem ersten Erdstoss gegenüber italienischen Medien.

Das Dorf liegt in unmittelbarer Nähe des Epizentrums. Falucci betonte freilich, dass es längst dunkel sei, und ausserdem gehe gerade ein Unwetter über der Region nieder. Es sei demnach nicht möglich, definitive Angaben zu machen. Immerhin: Auch der Zivilschutz und die Feuerwehr meldeten bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Todesopfer.

Angst in Rom

Die Beben waren in weiten Teilen Mittelitaliens zu spüren gewesen – vor allem in Perugia, aber auch in Rom, Neapel und Florenz. In der Ewigen Stadt klirrten bereits beim ersten, schwächeren Beben die Gläser in den Schränken, und die Deckenlampen schaukelten zum Teil noch während Minuten.

Wie im unmittelbar betroffenen Gebiet verliessen auch in Rom zahlreiche Bewohner aus Angst ihre Häuser; das Aussenministerium wurde vorsichtshalber ebenfalls evakuiert. Die Feuerwehr meldete hunderte Anrufe von verängstigten Bürgern. Auch mehrere Touristen im Ausgehviertel Trastevere verliessen die Restaurants. An einigen Gebäuden sollen sich Risse gebildet haben. Am 2000 Jahre alten Kolosseum, das umgehend inspiziert wurde, sind dagegen keine Schäden gefunden worden.

Laut einem Mitarbeiter des Instituts für Geophysik und Vulkanologie handelte es sich bei den neuen Beben seismisch gesehen mit grosser Wahrscheinlichkeit um weitere, wenn auch starke Nachbeben von jenem am 24. August. Es sei möglich, dass eine angrenzende Erdfalte in Bewegung gekommen sei.

Insgesamt sind in Mittelitalien seit dem letzten Erbeben hunderte Nachbeben registriert worden. In Amatrice, Accumoli, Pescara del Tronto, Arquata del Tronto und einigen weiteren Gemeinden waren am 24. August fast 300 Menschen ums Leben gekommen; einige der Ortschaften waren teilweise dem Erdboden gleichgemacht worden. Regierungschef Matteo Renzi hat die Schäden des Bebens unlängst mit vier Milliarden Euro beziffert.