Die Geschichte ist fast so alt wie die Marke Porsche. Mit einem 911er (oder auch einem Cayman S) kann man bequem zu einer Rennstrecke fahren, am Training und Rennen teilnehmen und wieder nach Hause rauschen. Und dabei nicht mal Letzter werden.

Wir zweifelten nicht daran, dass dies möglich ist. Dennoch haben wir den Selbstversuch gestartet, denn wir wollten wissen, ob das wirklich so einfach ist. Und: Es ist tatsächlich einfach! Der Trip zur Rennstrecke nach Dijon-Prenois ist vom Mittelland aus nicht gerade eine Weltreise. Gut dreieinhalb Stunden sitzt man im Auto, schon steht man mitten im Fahrerlager. Unser Einsatzfahrzeug: ein absolut serienmässiger Porsche Cayman S, mit mächtigen 20-Zöllern und dem normalen Sport-Chrono Paket.

Wir treten im Rahmen des Porsche Sports Cup Suisse in der Kategorie Drivers Challenge an. Dort geht es darum, möglichst gleichmässige Runden zu drehen. Entsprechend ist auch nur eine Regional-Lizenz nötig, die man ohne grossen Aufwand bekommt. Antrag stellen, Betrag einzahlen – fertig. Die Vorbereitung des Autos geht fix: Ein paar Aufkleber und die Startnummer anbringen, Luftdruck in den Reifen reduzieren (sie werden viel heisser als auf der Strasse) und die Abschleppösen montieren – schon ist man rennbereit. Zeit, sich etwas umzusehen bei der «Konkurrenz». Da stehen wahre Schätze in der Boxengasse. Eine ganze Armada an Porsche GT3, dazu reinrassige Rennfahrzeuge aus den anderen Klassen. Aber auch Klassiker wie ein 968 CS und zwei weitere Cayman. Für einen Anfänger ist die Materialschlacht erst etwas furchteinflössend. Doch, das alles ist gar nicht so elitär, wie es auf den ersten Blick scheint. Schon nach wenigen Minuten kommt ein mir wildfremder Fahrer an meiner Box vorbei. Er erkundigt sich, wie denn der neue Cayman zu fahren sei, ob ich das erste Mal da sei und so weiter. Diese Attitüde hält das ganze Wochenende an. Man wird freundlich aufgenommen, ab und zu ein aufmunterndes Wort an den Rookie, alles ist extrem familiär. Klar: Alle, die an diesem Cup mitfahren, sind mehr oder weniger auf Rosen gebettet. Aber niemand prahlt mit seinem Auto, seiner Ausrüstung oder der An zahl seiner Mechaniker. Kinder tollen durchs Fahrerlager.

Dann stehen die freien Trainings auf dem Programm. Es ist heiss, sehr heiss, entsprechend müssen die Reifen Schwerstarbeit verrichten. Kein Wunder, denn man kommt ausgiebig zum Fahren. Allein am Freitag stehen fünf freie Trainings à 25 Minuten an. Die Reifen sind nach dem ersten Trainingstag hin, und weil für das samstägliche Zeittraining und das Rennen Regen angesagt ist, muss ein neuer Satz Reifen her. Hm, so ganz scheint der Mythos doch nicht zu stimmen. Aber ausser neuen Pneus wird tatsächlich nichts gemacht am Cayman. Warm-up und Qualifying am Samstag werden dann, wie erwartet, im strömenden Regen abgehalten. Und da zeigt der Cayman S dann, was in ihm steckt. Er pflügt durch die Gischt, ist auch im Grenzbereich sehr neutral zu fahren und zeigt so manchem Top-Auto die lange Nase. In einem Feld von 23 Autos schafft er es auf Platz 4 im Zeittraining. Und das ohne, dass der Fahrer nachher ins Sauerstoffzelt muss. Einfach so. Wohlgemerkt, im Zeittraining geht es nicht um Gleichmässigkeit, dort zählt ganz schlicht die schnellste Runde.

Das «Rennen», bei dem es dann um Gleichmässigkeit geht, findet wieder auf trockener Piste statt. Über unser Abschneiden hüllen wir den Mantel des Schweigens, denn wir sind nicht angereist, um so regelmässig wie möglich zu fahren. Nach den zehn Runden geht alles ganz schnell. Aufkleber entfernen, Reifendruck anpassen und ab geht es in Richtung Aarau.
Noch zum Abendessen ist der Cayman wieder in heimischen Gefilden. Nachdem der Porsche wieder etwas Futter bekommen hat (Testverbrauch 9,9 l/100 km, Rennstreckenverbrauch 38,6 l/100  km) gönnt sich auch der Fahrer einen Imbiss. Und zieht ein sehr positives Fazit. Nicht, dass es möglich ist, mit einem Porsche an die Rennstrecke zu fahren und am Rennen teilzunehmen. Das war zu erwarten. Aber wie man als Aussenstehender aufgenommen wird, wie viel man zum Fahren kommt und wie herzlich die ganze Ambiance ist, entlockt uns ein: dickes Lob!