Mit der Übernahme von Chrysler gelang Fiat ein ganz grosser Coup, weil im Paket auch die US-amerikanische Marke Jeep enthalten war. Die Offroader sind die Garanten für gute Verkaufszahlen. Nun kommt der erste Jeep zu uns, der auf einem Fiat basiert. Der Renegade teilt sich mit dem Fiat 500X die technische Basis. Zu sehen ist davon allerdings nichts – und das ist gut so. Nicht, dass der Fiat ein unansehnliches Auto wäre, aber man hat in Italien offenbar gelernt, dass man nicht einfach ein anderes Markenemblem an ein Auto kleben kann, um dann mit zwei Modellen Verkaufserfolge zu feiern. Der Renegade ist ein typischer Jeep, alles andere als filigran, kantig und – durchaus praktisch.

Durch das kantige Design herrscht im Innenraum des 425 cm langen Wagens ein luftiges Ambiente. Kopffreiheit ist bei einer Fahrzeughöhe von 170 cm kein Problem und auch sonst bietet der Jeep auf Fiat-Basis eine Menge Platz. So lässt sich das Kofferraumvolumen von 350 auf 1300 Liter erweitern. Allerdings ist die Ladekante auch wegen des Allradantriebs und der entsprechend grossen Bodenfreiheit recht hoch. Im Testwagen verbaut war ein leicht zu bedienendes Sechsganggetriebe mit sehr exakter Schalthebelführung und ein zwei Liter grosser Turbodieselmotor mit 140 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm. Damit ist der Jeep bestens auch für lange Reisen gerüstet. Der lange 6. Gang lässt die Drehzahl bei Autobahnfahrten angenehm absinken, was sich vor allem beim Verbrauch niederschlägt. 6,4 Liter pro 100 Kilometer hat der Jeep auf den fast 3000 Testkilometern verbraucht. Das ist angesichts der Fahrleistungen, der grossen Stirnfläche und des Fahrzeuggewichts (ab 1505 kg) ein hervorragender Wert. Auch wenn Jeep von 5,1 l/100 km redet.

Ganz besonders angenehm aufgefallen ist die Laufruhe des Vierzylinders im Bug. Hier könnten sich einige renommierte Hersteller noch eine Scheibe abschneiden. Weniger gefallen haben uns die massiven A-Säulen, hinter denen man einen kompletten Sattelschlepper verbergen kann. Da gibt es sicher filigranere Lösungen. Wer die asphaltierte Strasse verlässt, kann verschiedene Offroadprogramme vorwählen. Und, einen Ort, wo der Renegade nicht durch kommt, wird man in der Schweiz kaum finden. Hier schlägt die DNA der Amerikaner deutlich durch. Eine Geländeuntersetzung gibt es für den Renegade allerdings nicht. Wer auch dieses Feature gerne hätte, muss auf das Modell mit Neunstufen-Automatikgetriebe aus weichen.

Gut gefallen hat uns das Navigationssystem. Einfach zu bedienen, schnelle Berechnung der Routen und eine sehr genaue Anzeige der zu erwartenden Ankunftszeit – so muss das sein. Einzig mit den etwas rutschigen Lederbezügen der Sitze wurden wir nicht warm. Und beim Preis waren wir dann doch erstaunt. Mindestens 35’950 Franken sind für den Renegade mit dem grossen Diesel fällig. Unser Testwagen mit einigen Extras wie Bi-Xenonscheinwerfern, Fernlichtassistent oder 18-Zoll-Alurädern kostete dann schon ziemlich stattliche 42’500 Franken. Dafür gibts dann aber auch drei Jahre Garantie und kosten lose Unterhaltsarbeiten während der ersten zehn Jahre (oder 100’000 km). Damit ist das Paket dann schon wieder stimmig und man kann dem ersten Fiat-Jeep attestieren, dass er nach wie vor ein echter Jeep ist.