Touring Superleggera: welch glorreicher Name. Gegründet 1926 von Felice Bianchi Anderloni und Gaetano Ponzoni in Mailand, machten sich die Italiener schnell einen guten Namen, ihre ersten Meisterwerke für Isotta-Fraschini und Alfa Romeo trugen die Bezeichnung «Flying Star». Weitere Meisterwerke, die zu den wunderbarsten Automobilen aller Zeiten gehören: der Alfa Romeo 8C2900 Touring Spider von 1938, die Barchetta des Ferrari 166 von 1950, verschiedene Alfa 1900 in den 50er Jahren, die Flaminia von Lancia, der 3500 von Maserati, die ersten Lamborghini. Und natürlich die Aston Martin, DB4 und DB5. Richtig berühmt war Touring für seine «superleggera»-Konstruktion, doch damit war es irgendwann auch vorbei, und eine der feinsten Adressen unter den italienischen Auto-Designern musste 1966 ihre Tore schliessen.

Rund 40 Jahre war dann Ruhe im Gebälk. Dann, vor 7, 8 Jahren begann ein Sturm um die Namensrechte, eine Geschichte, wie sie eigentlich nur in Italien passieren kann, und wir könnten Seiten füllen über Winkeladvokaten und andere schmierige Typen; bloss, es fehlt uns sowohl Zeit wie auch die Gelüste. Es ist auch egal, irgendwie, denn seit 2007 gibt es eine neue Firma namens Carrozzeria Touring Superleggera mit Sitz in Terrazzano di Rho bei Mailand. Und die bringt mit schöner Regelmässigkeit ganz nette Fahrzeuge, einige sogar auf den Markt, etwa den Bentley Continental Flying Star, ein vom Mutterhaus autorisierter Kombi, der sogar richtig gut aussieht. Andere bekannte Werke: der Maserati Bellagio Fastback auf Basis des Quattroporte, ein Maserati A8CGS, der Gumpert Tornante.

2012 zeigte die neue Carrozzeria Touring Superleggera auf dem Genfer Salon dann einen Prototypen eines Alfa Romeo Disco Volante. Jenes Genfer Show-Car sorgte für grosses Aufsehen, und irgendwie war es absehbar, dass Touring den Disco bauen würde. Und tatsächlich, auf dem diesjährigen Genfer Salon stand dann das fahrbare Teil, es kam zusammen mit der Ankündigung, dass eine Kleinstserie gebaut wird. Natürlich nur auf Bestellung - und wer einen will, der muss auch gleich noch einen Alfa 8C mitbringen, denn dieser bildet die technische Basis des neuen Disco. Einen Preis will Touring nicht nennen, aber schon so ein 8C ist ja nicht wirklich günstig, weil ja eher selten. Es fragt sich auch, wer seinen Alfa hergeben mag, denn der ist ja auch schon ein Sammlerstück - und sieht so schlecht nicht aus.

An der technischen Alfa-Basis bastelt Touring nicht, also: 4,7-Liter-V8, 450 PS - und der vielleicht schönste Sound unter den Autos, die in den vergangenen Jahren auf den Markt kamen. Der Disco Volante ist 4,62 Meter lang (also deutlich länger als der 8C, der kam auf bescheidene 4,38 Meter), der Radstand beträgt 2,64 Meter (selbstverständlich gleich wie beim 8C), die Breite 2,03 Meter (plus satte 14 Zentimeter) und die Höhe 1,31 Meter (minus 3 Zentimeter). Einer Kofferraum hat der Disco Volante auch, mit 142 Litern ist er aber deutlich kleiner als beim 8C, der schaffte immerhin 330 Liter. Der Alfa wog 1585 Kilo, Touring will uns nichts vermelden. 88 Liter Tankinhalt, das wissen wir, das ist gleich wie beim 8C. Denn, eben, unter dem Blech ist eigentlich gar nichts neu.

Gezeichnet hat die Neu-Interpretation des Disco Volante Louis de Fabribeckers. Und selbstverständlich war er stark inspiriert vom C52. Der war allerdings ursprünglich, im Jahr 1952, ein Cabrio, ein Coupé kam erst 1953. Wir nehmen mal an, die neue Touring wird uns spätestens zum nächsten Genfer Auto-Salon auch noch die offene Variante des Disco Volante nachreichen, was technisch kein Problem darstellen dürfte, denn den Alfa 8C gibt es ja auch offen. Vorstellbar ist auch, dass Touring sowas machen könnte aus dem neuen 4C, der wird ja einiges günstiger sein als sein grosser Bruder.

Mehr aussergewöhnliche Automobile gibt es bei www.radical-mag.com. Und die Geschichte des echten Alfa Romeo C52 Disco Volante findet sich auf www.radical-classics.com.